St.Gallen

Zu viel Kritik: Leiterin des Schulamts hat gekündigt

Stefanie Rohner, 19. September 2019, 19:24 Uhr
Dr. iur Marlis Angehrn hat per Januar 2020 ihre Stelle als Leiterin des Schulamts St.Gallen gekündigt.
Marlis Angehrn hat per Januar 2020 ihre Stelle als Leiterin des Schulamts St.Gallen gekündigt.
© Dr. iur Marlis Angehrn
Marlis Angehrn leitete über fünf Jahre lang die Dienststelle Schule und Musik in St.Gallen. Sie hat per Ende Januar 2020 gekündigt, weil sie «unberechtigt kritisiert» worden sei. Stadtrat Markus Buschor spricht von einem grossen Verlust.

Es war wohl zu viel der Kritik für Marlis Angehrn: Die 57-Jährige wurde dieses Jahr wegen zwei fristlosen Kündigungen von Lehrern, aber auch wegen ihrer Amtsleitung kritisiert. Nun hat sie genug und tritt per Ende Januar 2020 zurück.

In ihrer Kündigung schreibt sie sie sei «in ihrem Wirken mit erwünschter sachdienlicher, allerdings auch mit unberechtigter Kritik» konfrontiert gewesen sei. Weil «die ablehnende Sichtweise» die Mitarbeitenden belastet habe und kein Ende in Sicht sei, habe sie sich für einen Schlussstrich entschieden. 

Markus Buschor, Stadtrat Direktion Bildung und Freizeit, sagte gegenüber FM1Today, dass die Kritik tatsächlich bereits bei ihrem Amtseintritt begonnen habe. «Ihr ist ein in meinen Augen ungerechtfertigter Ruf vorausgeeilt. Zudem ist es in der Stadt St.Gallen zur Kultur geworden, die oberste Führung der Schule zu kritisieren – unabhängig von den Leistungen», sagt Buschor.

«Ungerechtfertigte Kritik dient den Schulen nicht» 

Einen klaren Grund kann Buschor nicht benennen. «Marlis Angehrn ist eine Führungspersönlichkeit, die Verantwortung übernimmt und die gesteckten Ziele erreichen will. Es kann sein, dass die Kritik damit zu tun hat», sagt der Stadtrat. Und er sagt auch, dass Angehrn auf ihre Mitarbeiten zugehe und gemeinsam mit ihnen etwas erreichen wolle.

Schon Angehrns Vorgänger wurden jeweils von der Lehrergewerkschaft kritisiert, allerdings nicht im gleichen Mass. «Es ist richtig und erwünscht, Kritik zu äussern, sie stand dieser offen gegenüber. Aber sie sollte sachlich und sachdienlich sein - auf die Person zu spielen dient unseren Schulen in keiner Art und Weise», sagt Buschor. 

«Sind gegenüber berechtigter Kritik offen»

Wenn Buschor von ungerechtfertigter Kritik spricht, meint er die sogenannte «harte Hand» von Marlis Angehrn. «Sie hat reagiert, wenn sich eine Lehrperson nicht korrekt verhalten hat und die getroffenen Vereinbarungen nicht einhielt. Dann wurden die Lehrpersonen jeweils zum Gespräch gebeten. Das ist für die betroffenen Personen eine unangenehme Situation, aber in meinen Augen keine Situation, die zur Kritik berechtigt, auch wenn ich nachvollziehen kann, dass man sich unwohl fühlt. Eine Führungsperson hat den Auftrag, unkorrektes Verhalten zu beobachten und zu handeln», sagt Buschor. 

In der Vergangenheit haben Lehrpersonen in den Medien anonymisiert von einem Klima der Angst gesprochen. «Leider muss ich sagen, dass jene Personen – auf genaue Schilderungen angesprochen – in der Regel keine konkrete Antwort geben konnten», sagt Buschor. 

«Ein grosser Verlust»

Die Stadt muss nun die vakante Stelle neu besetzen. Bislang ist noch niemand im Gespräch dafür, da die Kündigung auch noch nicht lange beim Stadtrat liegt. «Wir müssen wieder eine Persönlichkeit finden, die als Führungspersönlichkeit sowie als Fachperson der Pädagogik überzeugen kann», sagt Buschor. 

Buschor beschäftigt es sehr, dass das Amt Schule und Musik seit Jahren in der Kritik steht – gerade im Hinblick auf eine Nachfolge. «Wir wollen eine Ausgangslage haben, in der das möglichst nicht mehr stattfindet. Ich werde Gespräche führen, um gemeinsam einen Weg zu finden, eine Person nicht gleich zu Beginn zu kritisieren. Die Nachfolge soll die Chance haben, die Arbeit gleich aufnehmen zu können», sagt Buschor.

Er sagt, Angehrn habe ein Fundament gelegt, auf dem sich gut aufbauen lasse. «Es sind grosse Fussstapfen, die Marlis Angehrn hinterlässt. Ihre Kündigung ist ein grosser Verlust, sie hat wertvolle Arbeit geleistet. Ihr ist es gelungen, die Schulen so gut aufzustellen, dass wir in ihrem Sinn den Weg weitergehen können», sagt Buschor. 

 

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 19. September 2019 18:59
aktualisiert: 19. September 2019 19:24