Zuzwiler Pfarrer gibt auf

Lara Abderhalden, 13. Dezember 2016, 16:21 Uhr
Simon Niederer gibt seine Stelle freiwillig auf.
Simon Niederer gibt seine Stelle freiwillig auf.
© SGT/Ursula Ammann
Es war ein Köpferollen: Zuerst wurde die Pfarreisekretärin entlassen, dann musste der Pfarrer Simon Niederer gehen und schliesslich beschloss der gesamte Pfarreirat wegen der Entlassungen zurück zu treten. Nach diesem ganzen Hin und Her in Zuzwil konnte nun eine Einigung mit dem Pfarrer erzielt werden. Simon Niederer gibt seine Stelle freiwillig auf.

Eigentlich hätte Simon Niederer Zuzwil auf Ende Januar verlassen müssen. Dem katholischen Pfarrer wurde Mitte Oktober gekündigt, da die Zusammenarbeit laut Kirchenverwaltungsrat mit dem Pfarrer immer schwieriger geworden sei. Ausserdem habe er sich öffentlich zur Kündigung der Pfarreisekretärin geäussert und die Behörden an den Pranger gestellt. Niederer hatte im September gemeinsam mit der IG «Transparenz und Menschlichkeit in der Pfarrei» eine Infoveranstaltung durchgeführt, bei der viele Vorwürfe an die Adresse des Kirchenverwaltungsrates gingen.

Die langjährige und fast blinde Sekretärin wurde Mitte September entlassen, da sie Geld aus der Kirchenkasse gestohlen haben soll. Die Sekretärin aber dementierte die Vorwürfe. Schon seit langer Zeit gehe es in der Kirche nicht mit rechten Dingen zu und her, sagte sie TVO. «Ich habe das Gefühl, dass einige Leute hier denken, sie hätten eine eigene Firma und könnten beliebig Leute schikanieren», sagte sie damals.

Kündigung sehr kompliziert

Kurz nach der Entlassung der Sekretärin musste der Pfarrer Simon Niederer daran glauben. Schon damals war aber fragwürdig, ob die Kündigung rechtlich überhaupt gültig war, da der Pfarrer vom Volk gewählt wurde. Nun ist der Fall klar: Die Kündigung des Kirchenverwaltungsrates wurde zurück gezogen. «Es wäre rechtlich kompliziert geworden», sagt Max Imfeld, der Rechtsanwalt von Simon Niederer in der Wiler Zeitung. Da Simon Niederer vom Volk gewählt wurde, könne nur dieses dem Pfarrer die Missio entziehen. Eine solche Amtsenthebung unterliege aber dem universalen Kirchenrecht und könnte demnach nur in Rom angefochten werden.

Dieser Weg wäre kompliziert und würde viel Zeit beanspruchen: «Die Folge wäre ein für Pfarrei und Pfarrer lähmender Schwebezustand gewesen, was für niemanden gut gewesen wäre», sagt Max Imfeld. Deshalb hat Simon Niederer nachgegeben. Er hat beschlossen, dass er seine Arbeit in der Seelsorgeeinheit Mittleres Fürstenland per Ende April aufgibt. Im April hat Niederer sein Dienstjubiläum: «Er war 20 Jahre in der Pfarrei und hatte deshalb ohnehin über einen Stellenwechsel nachgedacht», so Max Imfeld.

Gebührender Abschiedsgottesdienst

Durch diese Einigung könne Simon Niederer in einem würdigen und feierlichen Rahmen verabschiedet werden und die Kirchgemeinde kann noch bis Ende April auf ihn zählen. Nach seinem Abschiedsgottesdienst bekommt Simon Niederer einen bezahlten Bildungsurlaub von mindestens drei Monaten. Wohin es den Zuzwiler Pfarrer verschlägt, das weiss er noch nicht.

Für die Pfarreisekretärin ändert sich nichts. Sie muss die Kirchgemeinde Ende Dezember verlassen. Der Kirchenrat hält an seinem Entscheid fest. Die Sekretärin bespricht derzeit mit ihrem Anwalt weitere Schritte.

(abl)

 

 

Lara Abderhalden
veröffentlicht: 13. Dezember 2016 09:32
aktualisiert: 13. Dezember 2016 16:21