Ostschweizer Auswanderer

Zwangsferien in Costa Rica – Walenstädter legt 800 Kilometer zurück

Dario Brazerol, 23. Juni 2020, 09:34 Uhr
Seit drei Monaten stecken der Walenstädter Franz Rinderer und seine Frau coronabedingt in Costa Rica fest. Das Paar nutzt die Zeit für ausgiebige Spaziergänge und erreicht bald die 1000-Kilometer-Marke.

Franz Rinderer wollte Anfang März eigentlich nur Ferien in Costa Rica machen. Gemeinsam mit seiner Frau hatte sich der gebürtige Walenstädter dort vor zwei Jahren ein Haus gekauft. Die geplante Urlaubsreise wurde dank Corona auf unbestimmte Zeit verlängert. Denn auch in Costa Rica sind die Grenzen zu den Nachbarländern geschlossen, Flugzeuge bleiben am Boden.

800 Kilometer in drei Monaten

«Wir sind hier an einem Ort mit wenigen Leuten und leben ein bisschen in unserer eigenen Bubble», sagt der 59-Jährige. Das Paar nutzt die Quarantäne im Paradies und erkundet zu Fuss die Flora und Fauna des Landes. Dabei legen die beiden eine Strecke von 800 Kilometern zurück. Zum Vergleich: Die Strecke St.Gallen-Berlin beträgt rund 770 Kilometer.

«Wir gehen jeden Tag bis zu drei Stunden spazieren. Am Wochenende nehmen wir grössere Anläufe», sagt Franz Rinderer, der vor 32 Jahren in die USA ausgewandert ist. «Unser Haus liegt direkt am Meer, hinter dem Haus sind Mangrovenwälder, die wir erkunden. Dort sehen wir Papageien, Affen und andere Wildtiere.» Trotz der zurückgelegten Strecke von 800 Kilometern: «Es gibt vieles, das wir noch sehen wollen. Es ist immer wieder interessant und aufregend. Für Ausflüge in den Dschungel muss man manchmal sogar die Machete mitnehmen.» Zu gefährlichen Begegnungen mit Wildtieren sei es noch nicht gekommen. Allerdings: «Im Moment herrscht hier Regenzeit. Es wird immer nasser und nasser.»

«Bin mir am überlegen, ob ich nach Hause will»

Die Rückreise nach Arizona liegt für das Paar im Moment noch in weiter Ferne. «Die Grenzen zu den Nachbarländern sollten am 30. Juni wieder öffnen. Unser Rückflug nach Arizona ist aktuell für den 14. Juli geplant», sagt der 59-Jährige. Noch ist er sich aber nicht sicher, ob er die Rückreise zum geplanten Zeitpunkt antreten wird: «Wenn ich mir die aktuelle Situation in den USA anschaue, bin ich mir schwer am überlegen, ob ich überhaupt nach Hause will.» In den Vereinigten Staaten hat die Coronavirus-Pandemie ihren Höhepunkt noch nicht erreicht. Aktuell zählt das Land über zwei Millionen Ansteckungen. In Arizona, der Heimat von Franz Rinderer, sind es 41'000 Fälle.

Wieso also die paradiesischen Landschaften von Costa Rica aufgeben? «Meinen Job für einen Tech-Hersteller kann ich von hier aus im Homeoffice erledigen. Auf die Nerven gegangen sind meine Frau und ich uns auch noch nicht. Allerdings ist unser 26-jähriger Sohn zu Hause in Arizona. Wir würden ihn sehr gerne wieder sehen», sagt Rinderer.

Bis es soweit ist, wird das Paar noch einige Kilometer in Costa Rica zurücklegen. Ihre Spaziergänge wollen die beiden beibehalten.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 21. Juni 2020 12:15
aktualisiert: 23. Juni 2020 09:34
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