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St.Gallen

Zwei HSG-Professoren plädieren für Impfpflicht – und werden heftig kritisiert

Lena Rhyner, 27. Juli 2021, 08:34 Uhr
Zwei Professoren der Uni St.Gallen sprechen sich in einem Gastartikel in der deutschen Zeitung «Die Zeit» für eine Impfpflicht aus – aus ethischen und moralischen Gründen. Damit lösen die Wirtschaftsethiker heftige Reaktionen auf Twitter aus.
Die beiden Professoren werden auf Social Media heftig kritisiert.
© Keystone / FM1Today

«Eine Diskriminierung von Ungeimpften ist ethisch gerechtfertigt», so lautet der Titel des Gastartikels zweier Professoren der Universität St.Gallen (HSG) in der «Zeit». Wer moralisch handeln wolle, solle sich impfen lassen. Immanuel Kant, der Utilitarismus und andere Ethiken würden alle zum selben Ergebnis führen:

Sprich: Wenn einen die Impfung nicht gesundheitlich einschränkt, solle man sich – zum Wohle der Gesellschaft – gegen Corona impfen lassen. Damit schütze man die eigene Freiheit, denn so könne eine vierte oder fünfte Welle vermieden werden. Ein weiterer möglicher Lockdown würde die Gesellschaft laut Thomas Beschorner und Martin Kolmar spalten: Geimpften fiele es schwer, die Einschränkungen zu verstehen, und Skeptikerinnen und Skeptikern würden diese als nicht nötig erachten. Fazit: Nur wenn die Impfquote erhöht werde, könne man die Pandemie in den Griff kriegen.

Heftige Reaktionen

Mit diesem Artikel bewegen sich Thomas Beschorner und Martin Kolmar mitten im Spannungsfeld der Impfdiskussion. Sie beide sind Professoren am Institut für Wirtschaftsethik an der HSG. Auf Twitter überschlagen sich die Reaktionen in der Kommentarspalte. «Sobald man nicht mehr allein auf einer einsamen Insel hockt, ist Moral erforderlich, um als Gesellschaft zu funktionieren», schreibt eine Userin. Nebst Zuspruch wird der Artikel auch zerrissen.

«An Freiheitseinschränkungen der Mehrheit sind nicht Minderheiten schuld, da diese Einschränkungen von der Politik bestimmt sind. Ein furchtbarer, gesellschaftsspaltender Artikel!», kommentiert eine Userin.

Ethikerin mit gegenteiliger Meinung

Eine ethisch vertretbare Impfpflicht geht ihr zu weit. Zumal mit ethischen und moralischen Grundsätzen auch in die andere Richtung argumentiert werden könne. So wie es die Ethikerin Ruth Baumann-Hölzle macht. In der «Neuen Zürcher Zeitung» sagt sie zur Impfpflicht beim medizinischen Personal:

Über den Impfstoff wisse man bezüglich Schutzwirkung und allfälliger Langzeitfolgen noch sehr wenig. In solchen Situationen sei eine Impfpflicht ethisch sehr heikel.

Auf Anfrage will die Universität St.Gallen keine Stellung zum Artikel in der «Zeit» beziehen. Man wolle als Institution nicht die Expertise von Mitarbeitenden kommentieren, heisst es.

(rhy)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 27. Juli 2021 05:39
aktualisiert: 27. Juli 2021 08:34