Henau

Zwei Vermisste eingeklemmt – Thur soll umgeleitet werden

Christoph Thurnherr, 6. Juli 2020, 18:22 Uhr
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Quelle: FM1Today

Für die beiden vermissten Personen in der Thur bei Henau bestehen kaum Überlebenschancen. Die 26-jährige Frau und der 30-jährige Polizist sollen nun geborgen werden, während der Fluss umgeleitet wird.

Die Suche nach einer 26-jährigen Schweizerin und einem 30-jährigen Kantonspolizisten in Henau wurde am Montagmorgen um 4.30 Uhr fortgesetzt. Die beiden Vermissten waren mit einer dritten Person am Sonntagabend oberhalb des Wasserfalls Felsegg baden gegangen. Aus noch ungeklärten Gründen gerieten sie beim Versuch, den Fluss in hüfttiefem Wasser zu überqueren, in den Felseggfall. Seither werden sie vermisst. Die Polizei rechnet nicht mehr damit, die beiden Personen lebend zu finden.

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Quelle: CH Media Video Unit / BRK News

Enormer Wasserdruck von 40 Tonnen

Die Bergung der Vermissten gestaltet sich schwierig. Bereits am Sonntag hatten hundert Einsatzkräfte versucht, die Personen zu bergen, jedoch ohne Erfolg. «Wir vermuten, dass die beiden Personen vom Druck des Wasserfalls eingeklemmt werden», sagt Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen.

An jener Stelle besteht ein enormer Wasserdruck von 48 Tonnen pro Sekunde. Eine Bergung ist unter diesen Umständen nicht möglich. «Als erstes versuchen wir nun, den Wasserdruck zu vermindern. Nur so haben wir eine Chance, die Gesuchten zu sehen und vielleicht zu bergen», sagt Krüsi.

Die Kantonspolizei St.Gallen wird hierfür von Baufirmen und Ingenieuren unterstützt. Die Thur soll mithilfe von schweren Steinen teilweise umgeleitet werden, um den Zugang zu ermöglichen.

Die Dauer der Bergungsaktion ist trotz des hohen Aufgebots an Spezialkräften ungewiss. Im Einsatz sind auch Taucher der Kantonspolizei Thurgau, genauso wie Feuerwehrleute.

Gefährliche Stelle 

Es ist nicht das erste Mal, dass es an dieser Stelle einen tödlichen Unfall gibt. Bereits im Sommer 1997 ertrank ein Schüler beim Baden. Und zehn Jahre davor, im Juli 1987, starben zwei Touristen.

Ein 14 Jähriger geriet beim Baden in die Strömung und wurde in den Wasserfall gezogen, schreibt 20min. Sein Onkel wollte ihm zu Hilfe eilen, doch ihn ereilte das selbe Schicksal. Sie wurden später tot geborgen.

Polizisten werden betreut

Die Bergung der Vermissten ist eine Belastungsprobe für die Polizeibeamten. Der vermisste Mann ist als Polizist bei der Kantonspolizei St.Gallen tätig. Es sei eine spezielle Situation, sagt Hanspeter Krüsi, der nur wenige Stunden geschlafen hat: «Trotzdem hat dies keine Auswirkungen auf die Arbeit. Wir sind professionell und helfen einander, wir haben einen sehr guten Korps-Geist bei der Kantonspolizei.»

Die Kantonspolizisten würden von ihren Vorgesetzen psychologisch betreut, sagt Krüsi. So ging gestern niemand nach Hause, ohne sich vom Vorgesetzen verabschiedet zu haben, dies auch um zu sehen, wie es den Polizisten geht.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 6. Juli 2020 11:07
aktualisiert: 6. Juli 2020 18:22