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«Strassen sollen nicht kunterbunt sein»

Laurien Gschwend, 16. Mai 2017, 17:26 Uhr
Die grün-weisse Autobahnbrücke am Bürenstich wird nicht sofort übermalt. Das Bundesamt für Strassen wird erst bei der nächsten Renovation aktiv. Die Polizei schliesst einen Zusammenhang mit einem früheren Fall nicht aus.
Eine Brücke am Bürenstich ist seit dem Wochenende grün-weiss.
© Todayreporter

«Die Nationalstrassen sollen nicht kunterbunt daher kommen, sondern einheitlich und sauber», sagt Guido Bielmann, Mediensprecher des Bundesamts für Strassen (Astra). Die grün-weisse Brücke sei im Gegensatz zu anderen Malereien «ganz okay», man wolle den Leuten aber nicht das Gefühl geben, sie könnten ihrer Kreativität überall im öffentlichen Raum freien Lauf lassen.

Renovation ist aufwendig

Entdecke das Astra irgendwo sexistische, diskriminierende oder politisch extreme Motive auf den Nationalstrassen, setze man viel daran, die Farbe schnellstmöglich zu entfernen. Bei der grün-weissen Brücke sei dies allerdings nicht nötig. «Das ist mit hohen Kosten verbunden. Man muss ein Gerüst anbringen und der Verkehr kann nur einspurig geführt werden.» Deshalb habe man sich dazu entschieden, die Brücke am Bürenstich im Rahmen einer regulären Renovation in ihren ursprünglichen Zustand zurückzuverwandeln. «So generieren wir keinen Zusatzaufwand, was viel vernünftiger ist.»

Wie teuer es wird, die grün-weisse Farbe zu beseitigen, kann Bielmann nicht beziffern. «Wir müssen anschauen, wie die Farbe mit dem Beton verbunden ist.» Die Renovation koste wohl nicht Millionen, «aber auch nicht wenige hundert Franken, denn es steckt ein gewisser Aufwand dahinter».

Einheitliche Handhabung

Verschiedene Todayreporter haben das Gefühl, in der Ostschweiz würden Malereien auf der Autobahn viel schneller entfernt als beispielsweise in Basel. Eine solche These kann Guido Bielmann nicht bestätigen: «Nach Möglichkeit werden solche Fälle in den verschiedenen Kantonen einheitlich gehandhabt.»

Bereits im Februar 2016 wurde eine Brücke im FM1-Land in FCSG-Farben bemalt, damals in Kriessern. Es könne sein, dass in Kriessern und am Bürenstich die gleichen Täter am Werk waren, sagt Florian Schneider, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen. Das ist allerdings erst eine Mutmassung: Das Verfahren rund um den Kriessner Fall ist sistiert, die Ermittlungen zur Brücke am Bürenstich wurden erst gerade aufgenommen. In beiden Fällen ist Anzeige gegen Unbekannt erstattet worden.

Wird die Anzeige zurückgezogen?

Im letzten August wurde in Graubünden eine Brücke in den HC-Davos-Farben bemalt. Damals stellten sich die neun Täter selber, übernahmen die Kosten und im Gegenzug wurde die Anzeige zurückgezogen. Gemäss Florian Schneider wäre ein solches Szenario auch in St.Gallen denkbar. «Dazu müsste der Geschädigte, in diesem Fall das Astra, von der Anzeige absehen.»

Laurien Gschwend
Quelle: lag
veröffentlicht: 16. Mai 2017 17:26
aktualisiert: 16. Mai 2017 17:26