Streusalz, das giftige Gold

Praktikant FM1Today, 4. Februar 2019, 15:59 Uhr
Streusalz ist das einfachste Mittel, um Schnee und Eis zu beseitigen. Gleichzeitig ist es umweltschädlich, belastet die Gewässer und Böden. Aber auch Alternativprodukte bringen Probleme mit sich.

Im Winter, bei Glatteis, ist es schnell passiert: Einmal kurz nicht aufgepasst und schon ausgerutscht. Was meist für Schmerzen am Steissbein und Gelächter bei den Umstehenden sorgt, lässt sich durch Streusalz schnell beheben. Doch dieses hat nicht nur Vorteile: Streusalz schadet den Pflanzen, Tieren und Gewässern, weil das Salz Wasser bindet und so wenig aufgenommen werden kann. Trotzdem müssen die Städte die Sicherheit gewährleisten.

Ein Teelöffel pro Quadratmeter

«Unser Grundsatz ist, dass wir so wenig Streusalz wie möglich, aber so viel wie nötig einsetzen», sagt Gerald Hutter, Strasseninspektor der Stadt St.Gallen. Dazu räumt die Stadt zuerst den Schnee und streut nicht direkt in den Schnee. Das verbrauche weniger Salz. «Wir verwenden dafür auch moderne Streumaschinen, die rund ein Teelöffel Salz auf einen Quadratmeter verteilen.»

Alternative Sand

Alternativen zum Streusalz gibt es einige. Die Stadt St.Gallen streut zum Beispiel auch Kies. Doch auch diese Alternative ist nicht besonders umweltfreundlich. «Die Kiesproduktion ist sehr energieaufwendig und wenn es im Frühling mit der Putzmaschine aufgenommen wird, braucht es eine Spezialentsorgung», sagt Gerald Hutter.

Wenn der Schnee noch liegt, hilft bei Privatpersonen die Schneeschaufel oder ein Besen. Um das Eis umweltfreundlich zu bekämpfen, hilft Sand, Split oder andere stumpfe Streumittel. Fachleute empfehlen, diese nach Gebrauch wieder aufzuwischen und ein zweites Mal zu verwenden.

Strenge Vorschriften

Das Bundesamt für Umwelt (Bafu) stellt strenge Vorschriften auf, wann welche Salze eingesetzt werden dürfen. Auch vorbeugendes Salzen ist nicht erlaubt. «Streusalz darf im öffentlichen Winterdienst nur bei kritischen Wetterlagen und nur auf Nationalstrassen sowie an exponierten Stellen vorbeugend verwendet werden», sagt Barbora Neversil, Mediensprecherin des Bafu.

Kleiner Salzanteil von Privatpersonen

Auch Privatpersonen nutzen oft Salz, um ihren Vorplatz sturzsicher zu machen. Der Einfluss auf die Umwelt dürfte aber klein sein. «Der Beitrag von Haushalten am Streusalzverbrauch wird verschwindend klein geschätzt», sagt die Bafu-Mediensprecherin. In der ganzen Schweiz werde bei einem strengen Winter rund 350'000 Tonnen Sand verbraucht.

500 Euro Busse in Deutschland

In Deutschland ist der private Einsatz von Streusalz in den meisten Gemeinden, ausser bei extremen Situationen wie Eisregen, verboten. Wer in München, Hamburg oder Stuttgart aber trotzdem salzt, muss eine Busse bis zu 500 Euro bezahlen. Unter anderem aus Umweltschutzgründen verzichtet zudem die Gemeinde Egnach auf einen umfassenden Winterdienst (FM1Today berichtete).

Praktikant FM1Today
Quelle: tob
veröffentlicht: 4. Februar 2019 15:04
aktualisiert: 4. Februar 2019 15:59