Betreibungsregister

«200'000 Franken Schulden? Das ist eine Beleidigung»

30. September 2019, 09:00 Uhr
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Quelle: tvo

Einer unbescholtenen 57-jährigen Frau hat eine Wirtschaftsauskunftsfirma fälschlicherweise Schulden von 200'000 Franken angelastet. Bei den Thurgauer Betreibungsämtern häufen sich solche Fälle.

«Das ist eine Beleidigung», sagt Liliane Zwicky aus Märstetten gegenüber dem Regionalsender TVO. Gemäss eines Wirtschaftsauskunfts-Services hat sie Schulden in der Höhe von 200'000 Franken. Doch das ist völlig aus der Luft gegriffen: «Ich hatte noch nie im Leben Schulden.»

Auf den Fehler wurde sie durch ihren Zahnarzt aufmerksam gemacht. Eine umfangreiche Zahnbehandlung wollte dieser nur auf Vorauszahlung durchführen. Als sich die 57-Jährige über den Grund dafür erkundigte, erklärte er ihr, dass ihre Zahlungsfähigkeit schlecht sei.

Offenbar falsche Betreibungsregistersauszüge

Der Zahnarzt bekam seine Daten von der MF Group AG, diese wiederum hatte diese bei der Firma CRIF AG bezogen. Diese wiederum bezieht sich auf Betreibungsregisterauszüge von Liliane Zwicky, die ihre schlechte Zahlungsfähigkeit belegen würden.

Doch als sich Zwycky bei den entsprechenden Betreibungsämtern im Kanton Thurgau erkundet, stellt sich heraus: Ihr Betreibungsregisterauszug ist blütenweiss. Daraufhin schaltet sie einen Anwalt hin, der nun versucht diese Datenpanne aufzuklären.

In der Schweiz gibt es verschiedene Wirtschaftsauskunfts-Firmen, die ihre Daten untereinander austauschen. «Dies führt dazu, dass man sich mühsam bei den verschiedenen Firmen melden muss, um eine Auskunft über die eigenen Daten verlangen zu können», sagt Anwalt Hans-Peter Oeri.

Datenpanne oder Datenfälschung?

Immerhin hat Oeri inzwischen erreicht, dass die Firma CRIF AG die falschen Daten von Liliane Zwicky löscht. Doch das reicht ihr nicht, sie will den Verursacher finden. «Es gibt ganz bestimmt noch andere Opfer.»

Die Firma CRIF AG hat schon öfters für negative Schlagzeilen gesorgt, zuletzt hat die SRF-Sendung Kassensturz über die falschen Bonitätsauskünfte der Firma berichtet. Gegenüber TVO teilt CRIF AG mit: «Nachdem wir die Beschwerde von Frau L. Z. erhalten hatten, haben wir beim Datenlieferanten um die Verifikation der Angaben gebeten. Nachdem die Richtigkeit der Angaben nicht mehr nachgewiesen werden konnte, haben wir die Angaben umgehend gelöscht.»

Unklar ist, ob es sich in diesem Fall um eine Datenpanne oder eine Datenfälschung handelt. Je nachdem könnte es in einem solchen Fall zu einer Anklage wegen Urkundenfälschung oder Persönlichkeitsverletzung kommen.

Fälle im Thurgau häufen sich

Brisant: Bei den Thurgauer Betreibungs- und Konkursämtern gibt es schon seit längerem eine markante Zunahme solcher Fälle. Weshalb ist unklar. «Eine Theorie ist, dass die Wirtschaftsauskunftsfirmen ab und zu gegenüber ihren Kunden einen Treffer bekannt geben wollen», sagt Roger Wiesendanger, Leiter des Betreibungsamtes Thurgau gegenüber TVO.

Im Thurgau gehe man rigoros gegen solche unseriösen Datenlieferanten vor und arbeite aktiv mit den Staatsanwaltschaften zusammen. «Es ist wichtig, dass man diesen Banden einen Riegel schiebt», sagt Wiesendanger.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 30. September 2019 09:00
aktualisiert: 30. September 2019 09:00