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Besuch in Romanshorn

Alain Berset: «Musste das Wort ‹Impfschiff› erst lernen»

Vanessa Kobelt/sda, 2. Februar 2021, 17:26 Uhr
Auf dem Bodenseeschiff MS Thurgau hat der Kanton Thurgau ein zweites Impfzentrum eingerichtet. Bei der Eröffnung in Romanshorn lobte Bundesrat Alain Berset die innovative Idee und warnte gleichzeitig «vor der Pandemie in der Pandemie».

«Ich kenne ein Fondueschiff und auch ein Spaghettischiff – das Wort Impfschiff musste ich aber erst lernen», witzelte Alain Berset am Dienstag in Romanshorn. Der Bundesrat war für die Eröffnung des ersten Schweizer Impfschiffs in den Kanton Thurgau gereist. Er liess sich die MS Thurgau zeigen und den Betrieb erklären.

Impfkampagne soll zum Kanton passen

Der Gesundheitsminister lobte den Kanton Thurgau für seine innovative Idee mit dem Impfschiff, mit dem man an unterschiedlichen Orten präsent sein könne. Ob er sich ein Impfschiff auch in anderen Kantonen vorstellen kann? «Schon möglich, es braucht auf jeden Fall einen See – sonst ist es weniger lustig.» Grundsätzlich solle jeder Kanton die Impfkampagne lacieren, die zu ihm passe.

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Quelle: SDA

Keine weiteren Lieferengpässe?

Das Bodenseeschiff MS Thurgau ist das zweite Impfzentrum im Kanton Thurgau. Es wird neben Romanshorn abwechslungsweise auch in Kreuzlingen und Arbon anlegen. Pro Tag können darauf im Fünfminutentakt bis maximal 168 Personen geimpft werden.

Es sei vor allem wichtig, dass das Impfen Realität geworden ist, sagte der Bundesrat. Bei den grossen Impfproduzenten würden zwar Lieferengpässe festgestellt. Bisher gebe es aber keine Anzeichen, dass die bestellten Mengen pro Quartal nicht geliefert werden könnten. Damit bleibe es beim Ziel, dass bis Ende März 1,15 Millionen Personen zweimal geimpft sein sollten.

Thurgau will nicht länger Schlusslicht sein

Das Impfschiff sei bei den ersten geimpften Personen «gut angekommen», sagte Adriano Mari von der Hirslanden-Gruppe. Diese betreibt im Auftrag des Kantons die beiden Thurgauer Impfzentren in Frauenfeld und auf dem Schiff. Auf der MS Thurgau arbeiten sieben Gesundheitsfachpersonen plus Sicherheitspersonal.

Der Thurgau will seine Impfkampagne nach einem harzigen Start beschleunigen, wie Gesundheitsdirektor Urs Martin sagte. Bisher seien 9000 Personen geimpft. Jede Woche sollen 3000 weitere hinzukommen. Die Erwartungen in der Bevölkerungen seien gross, und die Meisterung der Pandemie fordere von allen Flexibilität.

«Eine Pandemie in der Pandemie»

Nach dem Rundgang auf der MS Thurgau äusserte sich Alain Berset an einer Medienorientierung zur aktuellen Situation in der Schweiz. «Dies Zahlen sind besser, einige der Werte liegen so tief wie nie mehr seit Oktober. Das ist schon mal sehr erfreulich.»

Für besorgniserregend halte er aber das Auftreten der neuen Varianten des Coronavirus. Diese Entwicklung sei noch in der Summe der sinkenden Zahlen versteckt. «Die Anzahl Menschen, die sich damit anstecken, verdoppelt sich jede Woche. Es handelt sich um eine Pandemie in der Pandemie», so Berset. «Eine dritte Welle wäre ein grosses Problem und wollen wir unbedingt verhindern.» So seien Lockerungen in der Schweiz aktuell noch kein Thema.

Vanessa Kobelt/sda
Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 2. Februar 2021 14:59
aktualisiert: 2. Februar 2021 17:26