Bus-Ärger: Egnach setzt Taskforce ein

Noémie Bont, 27. Januar 2019, 07:06 Uhr
Die neue Linienführung durch die 30er-Zone sorgt in Egnach für Ärger.
Die neue Linienführung durch die 30er-Zone sorgt in Egnach für Ärger.
© Tagblatt/Alexandra Scherrer
Seit dem neuen Fahrplan beschäftigt die Anwohner in Steinebrunn ein sicherheitsrelevantes Thema. Die Linienbusse fahren angeblich zu schnell durch ein Quartier. Nun gibt es eine Sicherheitsprüfung.

Im Dezember haben die Busse der Unternehmens Autokurse Oberthurgau AG ihre Linie im Auftrage des Kantons Thurgaus etwas angepasst. Damit Reisende von und nach Häggenschwil-Winden, Roggwil-Berg und Wittenbach weiterhin gute Verbindungen Richtung Weinfelden und nach Amriswil haben, fahren jetzt Busse den Bahnhof Steinebrunn an.

Dadurch müssen die Busse neu durch die 30er-Zone eines Quartiers fahren. Daran haben die Anwohner der Olmishauser- und der Stationsstrasse so ihre Mühe.

Betroffen ist die Stationsstrasse und Olmishauserstrasse (Bild: Screenshot Google Maps/FM1Today)
Betroffen ist die Stationsstrasse und Olmishauserstrasse (Bild: Screenshot Google Maps/FM1Today)

Reklamationen der Anwohner

Immer wieder treffen beim Oberthurgauer Verkehrsunternehmen, bei der Abteilung Öffentlicher Verkehr des Kanton Thurgaus und der Gemeinde Egnach Reklamationen der Anwohner ein. Die Linienbusse, die neu durch das Quartier der Stations-und der Olmishauserstrasse fahren, seien offenbar zu schnell unterwegs und gefährden die Sicherheit der Anwohnenden kritisieren sie. «Wir haben einzelne, dafür heftige Rückmeldungen bekommen», sagt der Egnacher Gemeindepräsident Stephan Tobler. Die Anwohner seien um die Sicherheit ihrer Kinder besorgt.

«Unsere Buschauffeure fahren sicher nicht zu schnell», betont Autokurse Oberthurgau AG und auch Stefan Thalmann, Leiter des öffentlichen Verkehrs Kanton Thurgau, bestätigt diese Aussage. «Die Linie wurde vorgängig von uns geprüft, ob man sie sicherheitstechnisch befahren darf und haben schon vorgängig Massnahmen getroffen. Jedoch gibt es jetzt im Nachhinein trotzdem Sicherheitsbedenken der Anwohner», sagt Thalmann.

Stephan Tobler ergänzt: «Es wurden bereits einige Hindernisse weggenommen, Parkplätze aufgehoben und Fussgängerstreifen sind zusätzlich signalisiert». Trotzdem würden sich die Anwohner gestört fühlen, deshalb habe die Gemeinde beschlossen, eine Road Safety Inspection einzusetzen.

Gemeinderat Egnach beauftragt RSI

Das Ingenieurbüro Geoinfo soll die Road Safety Inspection kurz RSI durchführen. Was kriminell klingt, bedeutet «auf gut Deutsch schlicht und einfach eine Sicherheitsüberprüfung», sagt Stefan Thalmann vom Kanton schmunzelnd. «Es wird überprüft, ob man die Linie mit Bussen sicher befahren kann. Es wurden auch Tempomessgeräte aufgestellt, um die Geschwindigkeit der Busse zu prüfen.»

Die Sicherheit auf den Gemeindestrassen ist Sache der Gemeinde, erklärt der Gemeindepräsident Stephan Tobler. Deshalb wurde die RSI auch von der Gemeinde ins Leben gerufen. Etwas ändern kann die Gemeinde an sich aber nicht: «Ich werde immer wieder gefragt, ob ich das Ganze nicht abschalten könne, entscheidend ist aber die Meinung des Kantons.»

Der Kanton habe entschieden, dass durch den Bus die Infrastruktur optimal genutzt werden könne und so die Anschlüsse besser erwischt würden. «Wir haben den Bus nicht bestellt. Das Einzige was die Gemeinde tun kann, ist Anträge beim Kanton zu stellen, welche die Sicherheit auf der Busstrecke betreffen.»

«Wofür braucht es einen Bus, wenn er den Bahnhof nicht anfahren darf?»

Die Ingenieurbüro überprüft nun die Situation an der Olmishauser-und an der Stationsstrasse. Spätestens anfangs März erhält der Kanton Thurgau den Bericht und muss dann allenfalls Konsequenzen ziehen. «Bei einer negativen Rückmeldung, ist es klar, darf der Bus nicht mehr durch die Quartiere fahren», muss Thalmann feststellen. Der Kanton nehme den Bericht ernst und werde die nötigen Massnahmen treffen. Es sei nicht einfach nur für die Galerie, betont der Kanton Thurgau.

Gemeindepräsident Stephan Tobler kann die Aufregung der Anwohner zu einem gewissen Teil verstehen: «Ich verstehe, dass sich jemand daran stört, wenn ein Bus irgendwo durchfährt, wo vorher kein Bus war.» Es gäbe aber in der ganzen Gemeinde Busse oder Bahnen, die an Wohngebieten vorbei fahren und an denen sich Anwohner stören.

«Ich war selbst zwei, dreimal während einer Stunde an den betroffenen Strassen und habe den Verkehr beobachtet. In einer Stunde sind 20 Autos vorbei gefahren. Das ist nichts.» Das Verkehrsaufkommen und somit der Lärmpegel seien dort deshalb relativ gering.

«Die Sache ist ziemlich komplex. Man muss sich aber auch fragen: Wofür fährt ein Bus überhaupt, wenn er keinen Bahnhof anfahren darf?», sagt Stephan Tobler. Der Bus ermögliche den Egnachern einen guten Anschluss an die Züge: «Wenn wir herausfinden, dass es bessere Anschlussverbindungen für öV-Nutzer gibt, ist es doch eine Zumutung, wenn man diese nicht nutzen kann?»

(bon/abl)

 

Noémie Bont
veröffentlicht: 26. Januar 2019 08:35
aktualisiert: 27. Januar 2019 07:06