Thurgau

«Corona-Situation kann bei psychisch Erkrankten Krise herbeirufen»

Krisztina Scherrer, 25. März 2020, 11:22 Uhr
Die momentane Corona-Situation ist für freischaffendes Pflegefachpersonal schwierig. (Symbolbild)
© iStock
Zu Hause bleiben, nur über das Telefon mit Familie und Freunden plaudern und die Massnahmen des Bundes einhalten: Das Coronavirus schränkt uns alle ein und löst Unsicherheiten aus. Für psychisch vorbelastete Menschen ist die momentane Ausnahmesituation aber noch eine zusätzliche Belastung. 

Mirjam Althaus ist als freischaffende Pflegefachfrau HF mit Schwerpunkt Psychiatrie im Mittelthurgau tätig. Sie besucht ihre Patienten normalerweise in deren vier Wänden. Wegen des Coronavirus macht sie aber keine Hausbesuche mehr: «Ich und einige meiner Berufskolleginnen- und kollegen treffen sich mit den Patienten momentan nur draussen an der frischen Luft», sagt sie gegenüber FM1Today. 

Fehlendes Schutzmaterial

Die gestrichenen Hausbesuche haben zwei Gründe: «Das Virus kann sich in einem geschlossenen Raum schneller übertragen und wir sind oft länger als 15 Minuten bei unseren Patienten», so Althaus. Ein weiterer Grund ist, dass derzeit viele freischaffende Pflegefachpersonen mit unzureichendem Schutzmaterial, wie fehlenden Schutzmasken und Desinfektionsmitteln, auskommen müssen. 

«Corona-Situation kann bei psychisch Erkrankten Krise herbeirufen»

Die Kernaufgaben der freischaffenden Pflegefachpersonen im Bereich Psychiatrie bestehen darin, Klinikaufenthalte ihrer Patienten zu verhindern. «Zum einen wegen der Kosten und zum anderen, um den Erkrankten so viel Normalität wie nur möglich zu verschaffen.»

Die momentane Corona-Situation sei schwierig: «Die Symptome der psychisch Erkrankten können sich verstärken oder gar eine Krise herbeirufen», sagt Althaus. «Es ist mir deshalb ein zentrales Anliegen, während der aktuellen Situation für meine Patienten da zu sein.» Auch wenn die Einhaltung der geforderten Hygiene- und Schutzmassnahmen ohne Schutzmaterial kaum umsetzbar sei. 

Telefonische Beratung soll abgerechnet werden können

Für Althaus ist klar, dass auch andere freischaffende Pflegefachpersonen, wie zum Beispiel Hebammen, dringend Schutzmasken brauchen: «Es ist klar, dass es da eine Priorisierung gibt.» Einen Wunsch hat Mirjam Althaus trotzdem. «Ich würde mir wünschen, dass wir unsere telefonischen Beratungen abrechnen könnten. Denn gerade jetzt müssen wir für unsere Patienten da sein.» Der Berufsverband Pflege (SBK) unterstütze diesen Vorschlag und habe bereits einen Vorstoss lanciert. 

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 28. März 2020 10:33
aktualisiert: 25. März 2020 11:22