Der lügende Holländer im Thurgau

Sandro Zulian, 9. Juni 2018, 06:29 Uhr
iStock/artisteer
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Ramona aus Egnach ist regelrecht in die Pfanne gehauen worden. Ein unbekannter Mann mit holländischem Akzent hat ihr überteuerte Kochutensilien angedreht. Die Polizei kennt das Vorgehen.

«Du musst etwas im Radio durchgeben!», sagt Ramona aus Egnach heute gegenüber FM1-Moderator Raphael Labhart am Telefon. Das FM1-Land müsse vor einem holländischen Betrüger gewarnt werden, der mit dubiosen Pfannenverkäufen sein Unwesen im Kanton Thurgau treibt. Sein Opfer: Ramona selbst.

Drauf reingefallen

«Der Typ hat sich als Innenarchitekt ausgegeben», sagt Ramona. Er habe an ihrer Tür geklingelt und gesagt, er habe eine falsche Bestellung gemacht. Daher verramsche er ein Pfannenset jetzt mit 90 Prozent Rabatt. «Obwohl ich stutzig wurde, bin ich mit ihm zum Auto», sagt Ramona. Der Mann aus Holland sei sehr überzeugend gewesen, habe Druck ausgeübt und immer wieder betont, dass die Pfannen aus einer sehr guten Schweizer Produktionsstätte kämen. «Er hat die Geschichte sehr glaubhaft erzählt und war äusserst emphatisch.»

Ramona kauft dem unbekannten Holländer ein Pfannenset für 250 Franken ab. Sie schenkte ihm gar einen Honig. «Den habe ich ihm aus Nächstenliebe geschenkt», sagt die Egnacherin und lacht peinlich berührt. Sie kann sich selbst nicht richtig erklären, wie es zu diesem Fehlkauf kommen konnte und wie sie so hereingelegt werden konnte.

Polizei kennt die holländischen Pfannenverkäufer

«Wir erhalten immer wieder Meldungen zu solchen Pfannenverkäufern», sagt Daniel Meili, Mediensprecher der Thurgauer Kantonspolizei. Diese klingeln an der Türe und bieten Ware meist zu einem unschlagbaren Preis an. Pfannen seien bei weitem nicht das einzige, was die Betrüger an die Frau, respektive an den Mann bringen wollen, sagt Meili: «Uns sind Fälle bekannt, bei denen die Schwindler Motorsägen, Notstromaggregate und so weiter verkaufen wollten.» Oft kaufen die Betrogenen die Ware und merken erst im Nachhinein, dass die Qualität weit unter dem Erwarteten liegt. Das Thema komme bei der Polizei immer wieder zur Sprache.

Haustüre einfach nicht aufmachen

«Grundsätzlich raten wir: Die Türe geschlossen zu halten, wenn man nicht ganz genau weiss, wer davor steht», sagt Meili. Mache man die Türe auf, könne es sein, dass der Pfannenverkäufer seinen Fuss schon halb in der Tür hat. «Dann wird es schwieriger, ihn wieder loszuwerden.» Daher solle man erst aus einem Fenster oder durch die geschlossene Türe hindurch fragen, was der Besucher genau will.

Holländer und Pfannen, eine Verbindung?

«Tatsächlich hören wir immer wieder, dass es Holländer waren, die an der Tür geklingelt haben», sagt Meili. Warum das so sei, könne auch er sich nicht erklären. Aber: «Es ist eigentlich egal, ob Holländer oder nicht. Wichtig ist, dass man sich nicht überrumpeln lässt.»

Ein Mann kaufte 21 Pfannen

Das Pfannenset, das Ramona dummerweise gekauft hat, ist allerdings nichts im Gegensatz zu einem anderen Mann aus dem Kanton Thurgau, sagt Meili: «Ich mag mich an einen Fall erinnern, da hat ein Mann doch tatsächlich 21 Pfannen an der Haustüre gekauft. Wahrscheinlich hatte er die vielen Pfannen nicht auf dem Posti-Zettel, sondern wurde richtig heftig überrumpelt und hat sich zum Kauf überreden lassen.» Darum rät Meili einmal mehr: «Wenn Sie Pfannen, eine Motorsäge oder meinetwegen auch ein Notstromaggregat brauchen, dann kaufen sie es doch im Fachhandeln. Dort gibt es nämlich auch Garantie.» Falls man aufdringliche Besucher nicht mehr loswerde, dürfe man sich auch an die Polizei wenden.

(saz)
Sandro Zulian
veröffentlicht: 9. Juni 2018 06:13
aktualisiert: 9. Juni 2018 06:29