«Der Meistbietende bekam das Schloss»

Laurien Gschwend, 6. März 2019, 13:32 Uhr
Das letzte Kapitel einer der grössten Firmenpleiten der Schweiz ist geschrieben: Das Schloss Eugensberg im Kanton Thurgau wurde an einen Innerschweizer Unternehmer verkauft. Der Erlös kommt den Gläubigern des verstorbenen Pleitiers Rolf Erb zugute.

Das Thurgauer Konkursamt hat das Schloss Eugensberg samt Inventar und allen zugehörigen Liegenschaften, abgesehen von zwei kleineren landwirtschaftlichen Grundstücken, per 1. März verkauft. «Wir haben mit verschiedensten Interessenten gesprochen. Verkauft haben wir das Schloss jenem, der konkret am meisten geboten, alles gründlich und seriös abgeklärt, sowie bei den betroffenen Ämtern und der Gemeinde Salenstein den besten Eindruck hinterlassen hat», sagt der zuständige Rechtsanwalt, Matthias Hotz, gegenüber FM1Today. Er beschäftigt sich schon seit 15 Jahren mit dem Fall. «Ich bin sehr zufrieden mit dem Verkauf, so konnten wir das Schloss für die Gläubiger erfolgreich verwerten.»

«Schon alles bezahlt»

Der Erlös aus dem Verkauf fliesse, wie dies gerichtlich zugesprochen wurde, in die Konkursmasse Rolf Erb und komme den Gläubigern zugute. Die beteiligten Parteien haben über die Details des Verkaufs Stillschweigen vereinbart. Nachdem bekannt geworden war, dass das Schloss verkauft wird, ging man von einem Grundstückpreis in der Höhe von 35 Millionen Franken aus (FM1Today berichtete). «Ich kann so viel sagen, dass es ein sehr guter Preis ist und bereits alles bezahlt worden ist», sagt Rechtsanwalt Hotz.

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Käufer aus der Innerschweiz

Dass Schloss gekauft hat der 38-jährige IT-Unternehmer Christian Schmid, er will in den kommenden Jahrzehnten mit seiner Ehefrau im Schloss leben. Das Ehepaar Schmid wohnt derzeit in der Innerschweiz. «Wir sind sehr glücklich, einen geeigneten Käufer gefunden zu haben. Jemanden, der dort Wohnsitz nimmt und die Absicht hat, über Jahre oder Jahrzehnte dort zu bleiben. Das Ehepaar Schmid will das Schloss in der heutigen Form bewahren», sagt Martin Wenk, Abteilungsleiter des Thurgauer Konkursamtes.

«Freude und Ehrfurcht»

Der Käufer Christian Schmid hält fest: «Es erfüllt uns mit Freude und Ehrfurcht, dass wir stolze Eigentümer eines der schönsten Anwesen der Schweiz sein dürfen. Wir sind uns der Verantwortung bewusst, die ein solches Objekt mit sich bringt, und werden alles daransetzen, Schloss Eugensberg eine ruhige, sichere und langfristige Zukunft zu gewährleisten. Wir freuen uns, schon bald in Salenstein leben zu können.»

Auch der 82-jährige Multimillionär Peter Buser war am Kauf des Schlosses interessiert gewesen. «Beide Interessenten, sowohl Herr Schmid als auch Herr Buser, durften jeweils ein letztes Angebot machen. Auch Herr Buser hätte als Interessent während der Verhandlungen ein letztes Angebot machen können», sagt Wenk. Er sei am Ende überboten worden.

Wanderweg offen für Öffentlichkeit

Zum verkauften Schlossbesitz in Salenstein gehören der Park, der Wald, das Landwirtschaftsland mit dem Gutshof, der Weiler und die Burg Sandegg, sowie das Badehaus am Untersee. Es handelt sich um einen der grössten Privatbesitze auf einer Fläche von 80 Hektaren. Wenk: «Der beliebte Wanderweg über die Sandegg mit der Aussichtsplattform bleibt weiterhin für die Öffentlichkeit, wie zum Beispiel für Wanderer, bestehen und für immer zugänglich. Der Wanderweg ist grundbuchamtlich eingetragen worden.» Es lägen alle nötigen Bewilligungen vor.

Rolf Erb nach der Urteilsverkündigung 2014 in Zürich (Archiv)
Rolf Erb nach der Urteilsverkündigung 2014 in Zürich (Archiv)
© (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Der Fall Rolf Erb

Der Konkurs der Winterthurer Erb-Gruppe gilt nach der Swissair als die zweitgrösste Firmenpleite der Schweiz. Im März 2012 wurde Rolf Erb wegen gewerbmässigen Betrugs, mehrfacher Urkundenfälschung und mehrfacher Gläubigerschädigung durch Vermögensverminderung zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von acht Jahren verurteilt. Zwei Jahre später senkte das Zürcher Obergericht die Strafe um ein Jahr. Auch das Bundesgericht bestätigte das Urteil. Erb zögerte seinen Haftantritt mit Gesundheitsattesten und Rechtsmitteln bis zu seinem Tod im April 2017 hinaus.

Das Schloss Eugensberg

Das Schloss wurde Anfang des 19. Jahrhunderts von Eugène de Beauharnais gebaut, dem Stiefsohn Napoleons. 1916 kaufte der Thurgauer Industrielle Hippolyt Saurer das Schloss und erneuerte es. Bevor Rolf Erb die Anlage 1990 kaufte, diente das Schloss als Museum und später als Erholungsheim.

Laurien Gschwend
Quelle: pd/SDA/bon
veröffentlicht: 6. März 2019 09:00
aktualisiert: 6. März 2019 13:32