Thurgau

«Erschreckende Bilanz» – viele Tätowierer arbeiten mit Zeichnerfarben

Géraldine Bohne, 3. August 2020, 16:20 Uhr
Werbung

Quelle: tvo

Der Kanton Thurgau hat stichprobenartig 19 Tattoofarben aus Studios auf deren Qualität geprüft. Nur bei einem Viertel waren die Farben in Ordnung. Alle anderen enthielten nicht zugelassene Mittel, welche für den Kunden gesundheitsschädliche Folgen mit sich bringen könnten.

Drei Viertel der untersuchten Tattoofarben waren nicht zugelassen oder enthielten nicht deklarierte Konservierungsmittel. «Eine erschreckende Bilanz», wie der Thurgauer Kantonschemiker Christoph Spinner findet – vor allem in Hinblick auf die Tatsache, dass Kunden allenfalls mit gesundheitlichen Folgen bezahlen würden. Trotzdem wurde kein Tätowierer zur Kasse gebeten.

«Es ist nicht die erste Kontrolle, die zeigt, dass es Verbesserungsmöglichkeiten gibt», so Spinner. Bereits 2014 wurde eine schweizweite Kontrolle durchgeführt, die ähnliche Resultate brachte. Der Kanton Thurgau wollte deshalb kontrollieren, ob sich die Situation verbessert hatte. «Nein, hat sie nicht.»

Ist Zusammensetzung der Farben legal?

Ein Grund ist die mangelnde Selbstkontrolle der Tätowierer. «Ich hoffe schwer, dass die Tätowierer nicht wussten, dass die Farbe nicht gut ist», so der Kantonschemiker. Er gehe davon aus, dass keiner der Tätowierer seine Kunden gefährden wollte. «Es ist mir bewusst, dass es nicht einfach ist, herauszufinden, ob die Zusammensetzung der Farbe legal ist», so Spinner.

Trotzdem waren 40 Prozent der beschlagnahmten Farben von den Importeuren ausdrücklich als nicht zum Tätowieren geeignete Künstlerfarben deklariert. «Das sind Farben, die als Künstlerfarben zum Zeichnen angeboten werden.» Personen, welche Farben mit solcher Deklaration gekauft hätten, würden sich nicht gründlich darum kümmern, was sie für ihre Arbeit einsetzen. Die nichtzugelassenen Tattoofarben waren meist aus dem Ausland importiert. «Es gibt auch legale Farben in der Schweiz», sagt Christoph Spinner.

Keine Bussen für Tätowierer

Der Kanton hat alle unzulässigen Farben beschlagnahmt und Massnahmen angeordnet. Bussen gibt es keine. Die Tattoostudios müssen nun ein System entwickeln, damit nur noch legale Farbe verwendet wird. «Uns wurde zugesichert, dass man in Zukunft besser bei den Lieferanten kontrolliert.» Bei weiteren Verstössen könnte es strafrechtliche Konsequenzen für die Tätowierer haben. «Wir hoffen schwer, dass die Selbstkontrolle jetzt besser wird», so Spinner.

Farben mit allergenem Potenzial

An Personen, die sich ein Tattoo stechen wollen, hat der Kantonschemiker einen Tipp: «Im Studio nach der Farbe fragen, ist wohl der beste Tipp. Man merkt dann ziemlich schnell, ob jemand weiss, was für Farben er einsetzt.» Christoph Spinner rät auch dazu, vielleicht selbst noch einmal zu googeln. Denn eine falsche Farbe könnte gesundheitliche Konsequenzen beim Kunden mitherbringen. «In vielen Farben wurden Stoffe gefunden, die bei Kosmetika nicht zugelassen sind, weil sie allergenes Potenzial haben.» Umso schlimmer könnte es sein, die Farbe direkt unter die Haut zu stechen.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 28. Juli 2020 11:39
aktualisiert: 3. August 2020 16:20