Fake-Polizisten drohten mit Haftbefehl

Raphael Rohner, 15. März 2017, 06:56 Uhr
Mehrere selbsternannte Sheriffs stehen vor Gericht wegen Amtsanmassungen und Drohungen.
Mehrere selbsternannte Sheriffs stehen vor Gericht wegen Amtsanmassungen und Drohungen.
© SYMBOLBILD/iStock
Ein umstrittener Verein hat im thurgauischen Müllheim seinen neuen Hauptsitz bezogen. Der Verein betreibt dort ein erfundenes Gericht, samt Geheimdienst und Fake-Polizei. Pikant: Acht Mitglieder des Vereins stehen heute Mittwoch vor einem österreichischen Gericht, weil sie als Sheriffs eine Frau verfolgt und zur Haft ausgeschrieben haben. Hinter dem Verein steckt der Thurgauer Industrielle Daniel Model, der ebenso angezeigt wurde.

Sie anerkennen kein staatliches Recht und keine Behörden. Staatliche Dinge sind schlicht untragbar und alles ist dem Kapitalismus hörig - was grundlegend falsch sei. Sie hassen den Staat, finden die Polizei nutzlos, betreiben gar eine eigene Art Polizei und einen Geheimdienst. Über allen Gesetzen müsse der Mensch und seine Rechte als unantastbares Wesen stehen. So formuliert der Verein «International Common Law Court of Justice Vienna» (ICCJV) seine Statuten und Rechte, die er vertritt. Der Verein betreibt im Thurgauischen Müllheim ein fiktives Gericht, welches Urteile erstellt und Leute anklagt.

In Österreich wurde am 9. Juli 2014 gegen die Rechtsanwältin M.M* ein «Fantasie-Haftbefehl» ausgestellt. Dieser liegt FM1Today vor. Wegen «Verbrechen gegen die Menschlichkeit der Klägerin U.W*» solle sie umgehend inhaftiert und dem «Gericht» zugeführt werden. Der Verein veröffentlichte einen «Internationalen Haftbefehl» gegen die Frau auf seiner Internetseite und schickte seine Sheriffs los, die Frau dingfest zu machen. Ebenso reichte der Verein den Haftantrag bei der örtlichen Polizei in Niederösterreich ein.

«Sheriffs» wegen Nötigung und Amtsanmassung angeklagt

«Die Sheriffs führen die Aufgaben des Gerichts aus - und dürfen sich auch bewaffnen», heisst es auf der Homepage des Fantasie-Gerichts. Dies taten sie auch, so versuchten die Sheriffs den Haftbefehl gegen M.M mit Waffengewalt zu erzwingen, was ihnen nicht gelang. Sie verfolgten und bedrohten M.M. mehrmals, bis diese die Polizei einschaltete. Diese stürmte die fiktive Gerichtsverhandlung des Vereins und nahm mehrere selbsternannte Sheriffs fest. Es kam zu massiven Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und den Fake-Sheriffs. Acht Vereinsmitglieder stehen heute Mittwoch vor dem Landesgericht im Niederösterreichischen Krems und müssen sich wegen schwerer Nötigung, Verfolgung und Amtsanmassung verantworten. Ihnen drohen Haftstrafen von bis zu fünf Jahren.

Fiktives Gericht amtet aus dem Kanton Thurgau

Das involvierte Fantasie-Gericht hat mittlerweile seinen Hauptsitz  im beschaulichen Müllheim im Kanton Thurgau. Dort ist es im Modelhof-Palast angemeldet und wurde vom Unternehmer Daniel Model mitbegründet. Dieser beteuert, dass er mit solchen Vorfällen nichts zu tun hat: «Die Organisation hat lediglich Gastrecht im Modelhof und sobald sie gegen die Hausregeln verstossen verlieren sie ihr Gastrecht umgehend», schrieb er dem Tagblatt. Auf Anfragen von FM1Today hat Model nicht reagiert.

Hinter dem Verein steckt mindestens ein zweiter Schweizer, M.B.* Dieser hat eine Subgruppe des Vereins präsidiert und war ebenso ein Sheriff. Dieser war auch mit den beschuldigten Sheriffs befreundet. Unterdessen wurde es ihm aber zu heiss und er ist aus der Organisation ausgetreten: «Wir wollten nichts böses, aber einige schwarze Schafe haben es übertrieben», sagt er gegenüber FM1Today. Man habe sich gegen das Unrecht der hiesigen Gerichte zur Wehr setzen und sich damit für die Menschen einsetzen wollen.

«Gegen Daniel Model läuft eine Anzeige»

Bei den hiesigen Behörden hat man Kenntnis von den Machenschaften des Vereins im Ausland. Stefan Hafter, Sprecher der Thurgauer Staatsanwaltschaft bestätigt eine Anzeige gegen Daniel Model, betreffend des Vereins: «Im Moment läuft eine Untersuchung gegen Daniel Model, da eine Anzeige gegen ihn eingegangen ist.» Von bewaffneten Sheriffs oder anderen auffälligen Vorkommnissen sei im Kanton Thurgau bisher nichts bekannt.

Bei einer Anzeige von einer anderen Instanz als von einem behördlichen Organ soll man sich bei der Polizei melden, erklären Vertreter der realen Behörden. Haftbefehle seien Sache der Polizei und den institutionellen Gerichten.

*= Namen der Redaktion bekannt

Raphael Rohner
Quelle: rar
veröffentlicht: 15. März 2017 06:56
aktualisiert: 15. März 2017 06:56