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«Fühle mich manchmal wie im Internat»

Laurien Gschwend, 30. März 2019, 07:25 Uhr
Ihr Dreimonatiges als Bundesrätin feierte Karin Keller-Sutter (55) am Freitag in Romanshorn – ganz in der Nähe ihrer Heimatstadt Wil. Die Justizdirektorin fühlt sich wohl in ihrem Amt, auch wenn sie weitgehend auf ihr Privatleben verzichten muss.

Einen so grossen Medienandrang habe sie zuletzt erlebt, als sie ihre Kandidatur bekanntgegeben habe, sagt Karin Keller-Sutter am Freitag am Romanshorner Hafen. Auch aus der Westschweiz reisten zahlreiche Journalisten an, um mit der 55-Jährigen über ihre ersten drei Monate als Schweizer Justizdirektorin zu sprechen. Auf die Frage, warum der Medienanlass ausgerechnet am Bodensee stattfinde, antwortet Keller-Sutter: «In der Schweiz schlägt nicht nur ein Herz. Es gibt auch Zentren ausserhalb von Bern, Zürich, Basel und Genf.»

«Auftanken, wo ich herkomme»

Auch nach 100 Tagen in Bern «kann und will» die Wiler Bundesrätin ihre Heimat nicht verleugnen. Obwohl sich ihr Lebensmittelpunkt in die Hauptstadt verlagert hat: «Mein Privatleben hat sich sehr verändert. Manchmal komme ich mir vor, als wäre ich im Internat: An den Wochenenden darf ich jeweils heim, am Sonntag muss ich zurück nach Bern.» Keller-Sutter geniesst die wenige Freizeit in vollen Zügen und versucht, Ehemann Morten, ihre Familie und Freunde so oft es geht zu sehen. «Ich brauche das, dort aufzutanken, wo ich herkomme.»

Vorerst kein neuer Hund

Ihren geliebten Hund Picasso kann die FDP-Politikerin seit Anfang dieses Jahres nicht mehr in die Arme schliessen. Jack-Russell-Terrier Picasso starb mit 16 Jahren an Altersschwäche. «Sein Tod hat mir sehr wehgetan. Er war ein toller Freund und viele Jahre ein Familienmitglied.» Wie Karin Keller-Sutter gegenüber FM1Today sagt, sei jetzt gerade aber nicht die Zeit für ein neues Haustier.

Im vergangenen Dezember war Picasso noch mit Karin Keller-Sutter und Ehemann Morten beim Wahlempfang in Wil. (Bild: Keystone/Gian Ehrenzeller)

Vom Einschnitt ins Privatleben und der räumlichen Trennung von den Liebsten habe sie schon vor dem Amtsantritt am 1. Januar gewusst. «Ich fühle mich auch in Bern sehr wohl. Dort habe ich eine Wohnung und damit ein zweites Zuhause gefunden.»

Viel Zeit für Privates hat Karin Keller-Sutter in Bundesbern ohnehin nicht: Während für andere eine Schonzeit von 100 Tagen gilt, hat die Wilerin bereits mehrere Meilensteine hinter sich – darunter etwa die Leitlinien für die Rückführung von Dschihad-Reisenden. «Am wichtigsten ist mir, dass die Leute sehen, dass ich mich einsetze. Und natürlich, dass mir auch mal etwas gelingt.»

Keller-Sutter greift SVP-Initiative an

In den kommenden Monaten will die Vorsteherin des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements (EJPD) weiter an ihren beiden Schwerpunkten – Sicherheit und Arbeitsplätze – arbeiten. Sie spricht etwa von der Revision des DNA-Profil-Gesetzes, zudem will sie den «Schweizer Brexit» (Begrenzungsinitiative der SVP) um jeden Preis verhindern. Der bilaterale Weg bedeute Wohlstand und Arbeitsplätze. «860’000 Arbeitsplätze in der Schweiz hängen davon ab.»

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Quelle: SDA

Laurien Gschwend
veröffentlicht: 29. März 2019 16:54
aktualisiert: 30. März 2019 07:25