Gehören Löwen in den Zirkus?

Praktikant FM1Today, 14. Februar 2019, 19:23 Uhr
St. Galler Tagblatt/ Andrea Stalder
Der Circus Royal startet Anfang März seine Tournee mit drei Löwinnen. Tierschützer kritisieren Wildtiere in Zirkussen schon seit Jahren. Der Direktor vom Royal, Oliver Skreinig, begründet, warum wieder Löwen in der Manege auftreten.

Alle Augen sind gespannt auf die anmutigen Tiere gerichtet. Die Löwinnen treten in die Manege und ein Kind lässt vor Aufregung das Popcorn fallen. Ein ähnliches Szenario wird es bald im Circus Royal geben. Denn der Thurgauer Zirkus hat auf seiner Tournee drei Löwinnen dabei. Das lässt Tierschützer laut aufschreien. «Wildtiere können unter Zirkusbedingungen nicht tiergerecht gehalten werden», sagt auch Samuel Furrer, Leiter der Fachstelle Wildtiere vom Schweizer Tierschutz (STS). Es sei schade, dass die Unternehmen keine neuen Ideen für eine spektakuläre Show hätten.

«Tiere sind ein Teil unserer Familie»

Oliver Skreinig, Direktor vom Circus Royal, erklärt, warum sie wieder Raubtiere bei sich haben: «Tiere sind ein Teil unserer Familie.» Die Löwen seien in menschlicher Obhut geboren und könnten nicht in die Wildnis zurück. Im Zirkus würden die Raubtiere sinnvoll beschäftigt. Der Wildtierexperte Furrer findet, dass dann ganz auf das Züchten verzichtet werden könne. Für den Artbestand seien die Zuchttiere nämlich nicht wichtig.

«Die Wildtiere haben es besser im Zoo oder in Reservaten, weil sie dort deutlich mehr Platz haben», fügt Furrer vom STS hinzu. Die temporären Zirkus-Gehege seien nicht optimal. Zudem würden die häufigen Transporte Stress verursachen. Skreinig ist anderer Meinung: «Durch das Reisen wird das Revier nachgeahmt.» Wobei die Reviere fixe Territorien seien und nicht alle zwei Tage ausgewechselt würden, kontert darauf Furrer.

Löwen mögen es gemütlich und schlafen täglich bis zu 20 Stunden. Sie bewegen sich ausschliesslich, um Futter zu jagen, zu fressen oder zu trinken. «Da wir den Raubkatzen das Futter vorsetzten, locken wir den Spieltrieb auf eine andere Weise.» Die Zuschauer sehen beim Royal lediglich natürliche Bewegungsabläufe wie laufen, springen und klettern. «Bei uns springen Löwen nicht durch brennende Reifen», so der Direktor. Marc Lacey, ein bekannter Dompteur aus England, begleitet die zwei normalen und die weisse Löwin. Die drei Tiere stammen aus einem Deutschen Zirkus.

Kein Verbot in Sicht

Die Haltung ist rechtlich in der Tierschutzverordnung geregelt. «Wir halten die Mindestanforderungen natürlich ein», bestätigt Skreinig. Diese Anforderungen definieren laut Furrer die Grenze zu Tierquälerei. Tiergerecht sei aber etwas anderes. Tierschützer versuchten letztes Jahr, diese Gesetze in ein Verbot umzuwandeln. Der Bundesrat sah jedoch keine Notwendigkeit, dass Wildtiere grundsätzlich aus dem Zirkus verschwinden. In anderen Ländern wie Niederlande, Belgien und Grossbritannien gilt ein generelles Verbot von Wildtieren in Zirkussen.

Am 2. März treten die Löwinnen zum ersten Mal in Weinfelden auf. Die Show ist ein Andenken an den verstorbenen Direktor Peter Gasser. «Alles, was er am Zirkus geliebt hat, haben wir ins Programm gepackt», sagt Skreinig. Beispielsweise spielt nach sieben Jahren wieder ein Live-Orchester.
Praktikant FM1Today
Quelle: lou
veröffentlicht: 14. Februar 2019 19:23
aktualisiert: 14. Februar 2019 19:23