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Littering in Weinfelden

«Ich frage mich, wie es bei diesen Personen zu Hause aussieht»

Laurien Inauen, 20. Mai 2020, 14:15 Uhr
Hier eine Burgerverpackung, da ein Wegwerfbecher: Abfallsünder haben übers Wochenende im Weinfelder Waldschulzimmer ihre «Häufchen» verteilt. Es ist unwahrscheinlich, dass sie dafür zur Rechenschaft gezogen werden.

Da hat wohl jemand den Wald mit einem gigantischen Abfalleimer verwechselt: Bilder einer Facebook-Userin in der Gruppe «Du bisch vo Wiifelde, wenn...» zeigen Abfallberge im Weinfelder Waldschulzimmer – darunter zahlreiche Verpackungen von McDonald's, der sich gleich daneben befindet. «Ich finde es einfach traurig», schreibt die Thurgauerin. «Ich will mit meinen Kindern in den Wald gehen, um zu spielen, bräteln oder um Zvieri zu essen – und wir hinterlassen auch nicht einen solchen Dreck.»

«Schweine sind überall»

Weitere Mitglieder der Facebook-Gruppe stimmen der Mutter zu. «Schweine sind überall», kommentiert ein Mann. «Ich frage mich, wie es bei diesen Personen zu Hause aussieht», meint ein weiterer User. Jemand will die Abfallsünder gleich ins Gefängnis schicken, ein anderer Vorschlag ist das Anbringen von Überwachungskameras.

«Das mit den Kameras hatten wir vor einigen Jahren schon einmal abgeklärt, als wir es mit Brandanschlägen zu tun hatten», sagt Paul Vogt, Präsident des Trägervereins Waldschule Weinfelden, auf Anfrage. Sowohl rechtlich als auch technisch sei diese Massnahme kaum umsetzbar.

«McDonald's muss aufräumen»

Auch sonst wolle die Waldschule nichts unternehmen. «Eigentlich hatten wir mit McDonald's nie grössere Probleme», sagt Vogt. Das Verhältnis zur Filiale sei gut. «Sie haben den Auftrag, regelmässig aufzuräumen – und das machen sie in der Regel auch.» Es könne sein, dass das Personal am Sonntagabend aufräume, und man am Montag doch wieder eine Sauerei vorfinde, das sei unschön. «Auf anderen Plätzen in Weinfelden ist es nicht anders. Das ist halt der Nachteil daran, dass sich das Waldschulzimmer so zentrumsnah befindet.»

«Wir sensibilisieren unsere Gäste»

Die Fast-Food-Kette selbst bestätigt die täglichen Aufräumtouren um die Restaurants gegenüber FM1Today. Es werde auch Abfall eingesammelt, der nicht von McDonald's stamme, so eine Sprecherin. Pro Jahr werden laut McDonald's rund 70'000 Arbeitsstunden ins Abfallsammeln investiert. Ziel sei es aber auch, Littering gar nicht erst entstehen zu lassen. «Wir stellen auf freiwilliger Basis Abfalleimer auf und sensibilisieren unsere Gäste, den Abfall richtig zu entsorgen. Denn auch wir erfreuen uns an sauberen Strassen, Plätzen und Wiesen.»

Auch in Romanshorn soll ein McDonald's entstehen, es sind aber neun Einsprachen eingegangen, unter anderem, weil die Anwohner ein Abfallproblem befürchten. Die Restaurantkette schreibt dazu: «Unser Anti-Littering-Konzept ist Teil jedes Restaurants und wird von Beginn an mitgeplant – so auch in Romanshorn.» Die Restaurantteams hätten ein offenes Ohr und würden, wenn möglich, die Aufräumtouren anpassen.

«DNA-Auswertung ist nicht verhältnismässig»

Laut Christian Jäggi, Mediensprecher der Thurgauer Kantonspolizei, ist es sehr unwahrscheinlich, dass die Verursacher der Abfallberge in Weinfelden gefunden werden. Es sei nicht verhältnismässig, für hunderte Franken die DNA-Spuren auf den Verpackungen auszuwerten. «Man sollte nicht mit Kanonen auf Spatzen schiessen.» Erfahre die Polizei von regelmässigen Vandalenakten, habe sie allerdings die Möglichkeit, eine Patrouille vorbeizuschicken.

Littering sei ein gesellschaftliches Problem, so der Polizeisprecher. «Das passiert nicht nur in Weinfelden. Es liegt an der Erziehung der Eltern, ihren Kindern beizubringen, den Abfall nicht auf den Boden zu werfen.»

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 19. Mai 2020 05:36
aktualisiert: 20. Mai 2020 14:15