Ukraine-Krieg

«Ich hoffe, Putin kommt zur Vernunft» – Stadler-CEO Peter Spuhler hält an Belarus fest

16. März 2022, 08:09 Uhr
Im Osten Europas herrscht Krieg. Mittendrin: Stadler Rail. Der Thurgauer Zugbauer betreibt in Belarus Produktionswerke. CEO Peter Spuhler spricht im Interview über seine Verantwortung und die Zukunft in der Region.
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Quelle: tvo

Die aktuelle Situation in der Ukraine beschäftigt auch die Stadler Rail AG, die am Dienstag ihre Jahreszahlen präsentiert hat. Wegen den Russland-Sanktionen des Westens schliesst Stadler teils Werke im mit Russland verbündeten Belarus und lagert die Produktion in EU-Staaten aus. Somit beschäftigt der Thurgauer Zugbauer statt 1500 Mitarbeitenden neu nur noch weniger als tausend. Wegen den Einschränkungen der EU und der USA sei es immer schwieriger geworden, vor Ort zu produzieren.

Kehren Sie dem mit Russland verbündeten Belarus bald ganz den Rücken zu?
Peter Spuhler: Nein, das wollen wir nicht. Wir sind extrem zufrieden und haben gute Mitarbeiter. Viele davon wurden in der Schweiz oder in anderen europäischen Ländern ausgebildet. Ich finde, das ist wichtig. Ich werde in der Presse immer wieder kritisiert, dass wir überhaupt in Belarus investieren. Ich finde aber immer noch, dass es wichtig ist, solche Länder politisch zu integrieren und Mitarbeiter auszubilden. Durch diese Ausbildung lernen sie Deutsch und Englisch und können sich ein Bild von unseren Demokratisierungsprozessen machen. So können wir im Kleinen als Unternehmung helfen, das in den Ex-Sowjet-Staaten voranzutreiben. Wir sind nicht die Weltpolizei, die Sanktionen ausspricht. Dafür haben wir supranationale Organisationen, wie die Uno oder die EU.

Trotzdem ziehen sich grosse, weltweit agierende Unternehmen aus Russland und Belarus zurück. Sie wollen ein Zeichen setzen.
Wenn die Sanktionen so greifen, werden wir uns wohl auch zurückziehen müssen. Wir stehen aber auch in der Verantwortung unseren Mitarbeitern gegenüber. Das sind Familienväter. In Belarus gibt es keine Kurzarbeitsentschädigung, wie wir sie kennen. Wir haben überdies beschlossen, einen Sozialplan ins Leben zu rufen. Zur Kurzarbeitsentschädigung wird von unserer Firma auch noch etwas obendrauf gelegt. Wir fühlen uns hier in der Verantwortung. Wir machen keine Produkte für Oligarchen. Wir machen Züge und Strassenbahnen für die breite Bevölkerung. Das ist unser Beitrag, den Demokratisierungsprozess in diesen Ländern voranzutreiben. Wir stehen zu unserem Investment und versuchen, dieses auf tieferem Niveau über die Runden zu bringen.

Die Zukunft in der Region ist sehr ungewiss. Wie gross sind Ihre Sorgen als Unternehmer?
Krieg ist immer etwas extrem schreckliches. Es gibt viel menschliches Leid und Existenzen werden zerstört. Das ist untragbar. Ich hoffe, dass möglichst rasch eine Lösung gefunden wird und man diese Aggression der Russen irgendwie eindämmen kann. Da können wir nicht viel dafür und auch nicht viel dagegen machen. Ich hoffe, Putin kommt bald zur Vernunft. Man darf sich gar nicht vorstellen, was noch passieren könnte, wenn es jetzt weiter eskaliert.

Das Interview führte TVO-Reporter Marc Sieger.

(red.)

Quelle: TVO
veröffentlicht: 15. März 2022 20:16
aktualisiert: 16. März 2022 08:09
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