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Gastro Thurgau

«Kein grosses Verständnis für den Bundesrat»

11. Dezember 2020, 17:30 Uhr
Unter anderem für Gastro-Betriebe gilt ab Samstag eine Sperrstunde von 19 Uhr. Den Restaurantbetreibern drohen somit hohe finanzielle Einbussen, sagt der Präsident von Gastro Thurgau, Ruedi Bartel.
Ruedi Bartel, Präsident Gastro Thurgau
© Tagblatt

Wie wird sich die Sperrstunde auf die Gastronomie auswirken?

Ruedi Bartel: Diese Massnahme ist schlecht für uns. Das Abendgeschäft fällt weg, ausser man organisiert sich anders und startet früher mit dem Abendbetrieb und empfängt mehr Gäste am Mittag. Nur so hätten wir etwas vom Tag. Sonst fehlen diese Einnahmen. Wir haben hochstehende Gastronomie im Kanton Thurgau mit vielen Mitarbeitern, welche das Abendgeschäft brauchen.

Was wäre für Sie die optimale Lösung gewesen?

Es wäre am besten gewesen, wenn der Bundesrat die Sperrstunde auf 21 Uhr festgelegt hätte. Die Restaurants um 19 Uhr zu schliessen, ist eine Zwischenlösung, die der Gastronomie nichts bringt.

Wie hoch wird der finanzielle Schaden ausfallen?

Finanziell gesehen fehlen somit zwei Drittel, die das Abendgeschäft ausmacht. Wir hoffen, dass die Gastronomie von der Härtefällregelung des Bundes profitieren kann. Wir kämpfen schon seit Monaten und uns geht es wirklich nicht gut.

Verstehen Sie die Stossrichtung des Bundesrats?

Ich habe kein grosses Verständnis. Bei uns sind nicht die Hotspots. Man sollte eher die Demonstrationen, kirchliche und politische Anlässe auf ein Minimum zurückstufen.

Der Bundesrat hat für die Feiertage eine Verlängerung der Sperrstunde erlassen. Hilft das der Gastronomie?

Es ist ein Witz, dass die Restaurants am 24. Dezember bis 1 Uhr morgens geöffnet bleiben dürfen, da die meisten Betriebe an diesem Abend geschlossen sind. 

Wie ist die Stimmung unter den Thurgauer Gastronomen?

Es haben sich schon zu Beginn der Woche einige Gastronomen bei mir gemeldet. Bei diesen spürt man eine gewisse Wut. Es gibt einige Fälle, die am Konkurs nagen. Denen müsste man helfen. Es gibt Betriebe, die schon vorher nicht so gut gebettet waren. Diese merken es heute natürlich noch mehr.

Wie gross sind Ihre Sorgen?

Als Präsident schaust du für alle Mitglieder. Es gibt viele kleine Wirtschaften im Thurgau. Das soll weiterhin bestehen bleiben. Aber so bricht alles auseinander.

(red.)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 11. Dezember 2020 17:38
aktualisiert: 11. Dezember 2020 17:30