Liebe

Mit dieser Dating-App rutschen Oberflächlichkeiten in den Hintergrund

Krisztina Scherrer, 5. Februar 2021, 11:54 Uhr
«Noii» ist für Leute, die eine Beziehung suchen.
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Wertvolle Bekanntschaften statt lästige Anmachsprüche: Laura Matter (21) aus Dinhard bei Winterthur arbeitet an einer Dating-App, die mehr können soll statt nur an der Oberfläche kratzen. «Noii» ist für Leute, die eine Beziehung suchen.

Single-Freundinnen und -Freunde, geschätzte Dating-App-Userinnen und -User und alle, die das sonst noch lesen. Die Coronazeit macht es uns nicht leicht, jemanden kennenzulernen. Jetzt ist es doch schon bald ein Jahr her seit es hiess: Bleibt zu Hause. Und das tun wir – wir können das sogar richtig gut. Aber es ist auch hart.

Ab und zu wünscht man sich jemanden herbei, der sich mit einem aufs Sofa fläzt, spazieren geht oder was auch immer. Und weil das derzeit nicht wirklich geht, lädt man sich eine Dating-App herunter. Swipet, swipet und swipet nochmals. Ja, man denkt sich bei jedem Match und Treffer: Vielleicht gibt es noch was besseres, lässt sich vom Algorithmus und den Fake-Profilen in die Irre führen. Bitter für solche, die auf der Suche nach einer Beziehung sind. Und da kommt «Noii» ins Spiel.

Kein App für etwas Kurzfristiges

Laura Matter ist 21-jährig und arbeitet an dieser «anderen» Dating-App. «Noii» – übersetzt aus dem Italienischen heisst das «wir» – ist eine Beziehungs-App. Die beiden «i» stehen für zwei Personen. «Die App ist für jene, die effektiv auf Beziehungssuche sind», sagt Laura gegenüber FM1Today. Also keine App für etwas Kurzfristiges oder einen One-Night-Stand.

Die 21-jährige Laura Matter aus Dinhard arbeitet an der Dating-App «Noii».

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Die Dating-Plattform basiert auf dem Feedback von potenziellen Nutzern. 400 Personen haben bei der Befragung mitgemacht und ihre Wünsche und Bedürfnisse geteilt. Wer sich bei «Noii» anmeldet, muss ein Formular ausfüllen und wird dann jemandem zugeteilt. Der User hat die Möglichkeit, zuerst mit dem Gegenüber zu schreiben oder seine Stimme zu hören. «Die Plattform ist nicht oberflächlich. Das menschliche Gefühl soll rüberkommen.»

Sprachnotizen und viele Fragen 

Bei der Anmeldung muss man Namen, Vornamen und Geschlecht angeben. Die App will auch wissen, wann du Geburtstag hast, woher du kommst, welche Sprachen du sprichst und was du suchst. Das Übliche also. Dann geht es aber weiter zu Fragen – vielen Fragen – zur eigenen Person. «Welche Playlist läuft bei dir?», ist zum Beispiel eine davon. Wenn das alles ausgefüllt ist, kannst du dir die Antworten anderer Singles anschauen und deine Favoriten auswählen. Weiter geht es mit einer Sprachnotiz, die du aufnimmst, damit dich die anderen Singles schon mal hören können. Und auch du kannst die Sprachnotizen der anderen anhören und wieder deine Favoriten auswählen.

Am Schluss lädst du Bilder von dir rauf – dein Profil ist komplett, deine Präferenzen notiert. Du erhältst in der Woche zwei bis drei Profil-Vorschläge, von denen du einen Dating-Partner auswählen kannst. Bis zu diesem Zeitpunkt weisst du nicht, wie dein Gegenüber aussieht. Es gibt erst einmal ein Telefon-Date. Nach dem Date bestimmst du, ob du die Person «wiedersehen» willst oder nicht. Ist ersteres der Fall, kannst du dir die Fotos deines Gegenübers ansehen und dir noch einmal überlegen, ob du diese Person weiterdaten willst. Wenn ja, kommt es zum ersten Treffen.

Ernstes Kennenlernen statt nervöses Swipen

Das Konzept ist ganz anders, als man es von den üblichen Dating-Apps kennt. «Noii» verbindet die beiden Welten von Social-Dating-Apps wie Tinder, Bumble und Co. mit einer klassischen Partnervermittlung zu einem Matching-Prozess. «Dieser Prozess wird beeinflusst von den Usern. Hier lernt man jemanden kennen, bevor man ihn sieht», so Matter. Sie möchte aber klarstellen, dass sie andere Dating-Apps nicht anzweifelt. «Es ist unumstritten, dass man auch auf anderen Plattformen die grosse Liebe findet», sagt sie. Doch «Noii» biete die Voraussetzungen, den Platz und das Potenzial für ein ernstes Kennenlernen. Auch Laura selber hat sich schon online verliebt. «Aber auf Instagram.»

Auf die Idee zu «Noii» ist Laura bei ihrem letzten Arbeitgeber gekommen. «Wir haben im ersten Lockdown Leute auf einer Hilfsplattform verknüpft, die sich zum Beispiel beim Einkaufen helfen wollten», sagt die Freelancerin im Online-Marketing. «Da gab es immer häufiger Anfragen von Leuten, die sich online vernetzen wollten.» Und so entstand die Idee zu dieser Dating-App.

An alle Beziehungswilligen: Geduld ist gefragt

Bis die App genutzt werden kann, vergeht wohl noch ein Weilchen. «Die Leute können sich zwar durch die App klicken – das ist aber nur ein Prototyp.» Die App selber geht erst noch in die Entwicklung. Die Umsetzung dauert etwa drei bis vier Monate. Trotzdem gibt es die Möglichkeit für ein «Aufwärmen»: «Man kann sich auf ‹noii.ch› für ein Video-Speed-Date anmelden.» Die App wird kostenpflichtig sein, in einem ersten Schritt kann man sie aber in einem Free-Trial testen.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 9. Februar 2021 19:04
aktualisiert: 5. Februar 2021 11:54