Weinfelden

Nach 32 Jahren: Thurgauer Kulturbeiz kämpft wegen Corona um Existenz

Géraldine Bohne, 22. Dezember 2020, 06:32 Uhr
32 Jahre lang war das Restaurant Frohsinn in Weinfelden eine der wichtigsten Kulturbeizen im Kanton Thurgau. Wegen fehlender Finanzen sind seit November die Türen geschlossen. Ob sie je wieder öffnen werden, ist ungewiss.

Künstler aus der ganzen Schweiz sind im Frohsinn in Weinfelden schon aufgetreten. Anna Rossinelli, Peter Stamm und Stiller Has sind nur ein paar wenige davon. Das Restaurant konnte jahrelang auf eine charmante Art und Weise Kunst mit einem kulinarischen Erlebnis kombinieren. Die Corona-Pandemie hat nun dazu geführt, dass die Beiz seit November geschlossen ist.

«Wir waren eigentlich wahnsinnig gut ins Jahr gestartet», sagt Karin Wiegisser, Vorsteherin der Genossenschaft Frohsinn, gegenüber FM1Today. Doch wegen des Lockdowns musste auch die Beiz relativ bald für einige Wochen schliessen. Nach der erneuten Öffnung blieben die Gäste aus. Auch Firmenanlässe und Auftritte wurden abgesagt. So beantragte das Restaurant Frohsinn Kurzarbeitsentschädigungen und einen Coronakredit. Doch das half nur bedingt. «Man hat gemacht, was finanziell möglich war», so Wiegisser. Trotzdem musste am Ende des Jahres beschlossen werden, dass das Restaurant vorerst geschlossen bleibt.

Räumlichkeiten können gemietet werden

Am vergangenen Wochenende hätte man über die Zukunft des Lokals bestimmen wollen. Doch die Abstimmung wurde auf den März verschoben, die Zukunft bleibt somit weiterhin ungewiss. Bis im Frühjahr soll das Restaurant nun geschlossen bleiben, die Räumlichkeiten können nach wie vor für Anlässe gemietet werden.

Es werden Pächter gesucht

«Man hat das Restaurant noch nicht aufgegeben», so Karin Wiegisser. Man versuche nun, neue Pächter zu finden und werde dazu in kommender Zeit auch Inserate schalten. Einige Interessenten hätten sich bereits gemeldet. Diese müssten zuerst aber ihr Konzept den Genossenschaftern vorstellen, welche zustimmen müssen. Das soll im Frühjahr geschehen. Wenn die Genossenschafter aber gegen eine Weiterführung des Frohsinns stimmten, dann würde ein wichtiges Kulturlokal im Kanton verschwinden. «Es gibt nicht so viele Beizen im Thurgau, die Kunst und Kultur so verbinden.» Der Wegfall des Frohsinns wäre auch ein grosser Verlust für den Kulturverein.

Auch die Weinfelder Bevölkerung reagiere traurig auf die Schliessung des Frohsinns. «Es wurde gesagt, dass wir doch die schönste Gartenbeiz hatten», so Wiegisser. Auch fänden es viele Weinfelder schade, wenn das Traditionslokal tatsächlich aus der Stadt verschwinden würde. «Der Charme des Frohsinns würde fehlen.»

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 22. Dezember 2020 05:43
aktualisiert: 22. Dezember 2020 06:32