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"Chlööpf di wääg!!!"

Nach Corona-Party: Darum schaltet sich der Kanton öffentlich ein

2. Oktober 2020, 15:39 Uhr
Bei einer Party im thurgauischen Friltschen wurden mehrere Personen positiv auf das Corona-Virus getestet. Weitere Personen haben Symptome. Nun schaltet sich erstmals auch der Kanton Thurgau mit einer Quarantäne-Anweisung ein.
Feuchtfröhlicher Spass wurde schon im Namen der Party in Friltschen versprochen. (Symbolbild)
© istock

Es war ein Anlass mit klaren Anweisungen: «Chlööpf dii Wääg!!!», lautete der Name der Party, welche am 26. September in Friltschen bei Weinfelden stattfand, und bei der sich mindestens vier Personen mit dem Corona-Virus infizierten.

Mindestens – denn weitere sind in Abklärung, sagt Miriam Hetzel, Medienverantwortliche des Kantons Thurgau: «Nebst den vier bestätigten Fällen zeigen weitere Personen Symptome und müssen noch getestet werden.» (Stand Freitag Nachmittag)

Der Kanton Thurgau ruft erstmals zur Quarantäne auf 

Dabei dürfte der Abend für die Partyveranstalter, das «Plöööree-Team», bis zum Bekanntwerden der Infektionen ein voller Erfolg gewesen sein. Auf jeden Fall hätten Sie nicht damit gerechnet, so schnell an ihr Kapazitätslimit von 300 Personen zu kommen.

Und nun greift sogar der Kanton Thurgau ein und weist die 300 Partygäste zur Quarantäne an. Dies kommuniziert der Kanton über seine Website, via Twitter und Facebook.

Ein solcher Aufruf ist neu im Thurgau. Üblicherweise überlässt man es den Veranstaltern und Contact Tracern, die Betroffenen zu informieren.

«Der Grund für unsere offensive Kommunikation ist, dass wir erst am Donnerstagabend von weiteren Ansteckungen und Personen mit Symptomen erfahren haben. Um den ganzen Prozess zu unterstützen, wollten wir die Leute möglichst schnell noch einmal auf die Quarantäne aufmerksam machen», sagt Miriam Hetzel.

«Zusammenarbeit ist sehr gut»

Der Ansatz zur «Chlööpf dii Wääg!!!»-Party scheint nicht gerade subtil, der Name dürfte bei Contact Tracern zu kollektivem Haare raufen führen. Denn klar ist: Je höher der Pegel, desto mehr fallen die Hemmungen – und zuvor vielleicht wichtige Vorsätze wie Abstand und Hygiene verkommen zur vergessenen Randnotiz.

Sofern diese an einer Party überhaupt umzusetzen sind. Dennoch hat das Eingreifen und die verstärkte Präsenz des Kantons nichts damit zu tun, dass sich die Veranstalter nicht an die Regeln gehalten hätten.

Das Plöööree-Team habe das Schutzkonzept durchgesetzt, sagt Miriam Hetzel: «Unter anderem wurden sämtliche Kontaktdaten erfasst und durch eine Sicherheitsfirma vor Ort verifiziert. Auch die Zusammenarbeit mit dem kantonsärztlichen Dienst ist sehr gut.»

Dennoch scheint die Natur der Party – der Name würde auch zu einem Botellón passen – nicht unbedingt Corona-Konform. Auch wenn Hetzel beteuert, man dürfte von einem Namen nicht zu viel ableiten, bleibt es fraglich, ob ein solcher Anlass mit mehr als tausend Personen bewilligt worden wäre.

Denn mit «nur» 300 Gästen können solche Partys, Schutzkonzept vorausgesetzt, problemlos stattfinden. Die Veranstalter waren für FM1Today bis jetzt nicht erreichbar.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 2. Oktober 2020 15:40
aktualisiert: 2. Oktober 2020 15:39