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Frauenfeld

Nach schwerem Unfall: Feuerwehr wird wegen Umleitung beschimpft

24. Juni 2021, 14:37 Uhr
Bei einem Einsatz in Frauenfeld wurden Feuerwehrleute von Autofahrerinnen und Autofahrern beschimpft, weil sie eine Umleitung markierten. Verbale Attacken seien keine Seltenheit, sagt der Frauenfelder Feuerwehrkommandant.

«Die Umleitung beansprucht nur zwei Minuten und im Auto kämpft einer um sein Leben. Hoffentlich brauchen alle, die uns heute beschimpft und beleidigt haben, nie Hilfe», schreibt ein Feuerwehrmann unter dem FM1Today-Facebook-Post zum schweren Verkehrsunfall, der sich vergangenen Montag in Frauenfeld ereignete. Die Feuerwehr leitete den Verkehr um und das kam bei einigen Autofahrerinnen und Autofahrern gar nicht gut an. «Ich verstehe einmal mehr nicht, weshalb man uns Einsatzkräfte beleidigt und beschimpft, weil die Leute eine Umleitung in Kauf nehmen müssen», schreibt der User weiter.

Grossräumige Umleitung nach schwerem Verkehrsunfall

Ein 21-jähriger Lieferwagenfahrer prallte auf der St.Gallerstrasse, von Matzingen in Richtung Frauenfeld unterwegs, frontal in den entgegenkommenden Lieferwagen eines 52-Jährigen. Beide Lenker wurden verletzt. Der 21-Jährige wurde beim Zusammenprall im Fahrzeug eingeklemmt, die Feuerwehr musste ihn bergen. Er befand sich in lebensbedrohlichem Zustand. Während der Unfallaufnahme musste der Bahnverkehr unterbrochen und die Strecke Frauenfeld – Matzingen gesperrt werden. Die Feuerwehr richtete eine grossräumige Umleitung ein.

«Verständnis der Autofahrer ist sehr klein»

Es kommt immer wieder vor, dass Feuerwehrangehörige beschimpft oder für eine Verkehrsumleitung verantwortlich gemacht werden: «Das passiert bei vielen Absperrung», sagt Ursin Camenisch, Kommandant der Feuerwehr Frauenfeld. «Im Grundsatz ist es so: Wenn wir eine Umleitung machen, unabhängig vom Ereignis, ist das Verständnis der Autofahrerinnen und Autofahrer oft sehr klein.»

Deeskalation als Teil der Feuerwehr-Ausbildung

Für die Feuerwehrleute seien das schwierige Situationen. «Es sind Freiwillige, die in der Feuerwehr sind. Sie leisten einen Dienst für die Gesellschaft und werden dann beschimpft», so Camenisch. Deshalb wird das Thema «Deeskalation» bereits in der Ausbildung angesprochen. «Die Feuerwehrangehörigen müssen zwar wissen, dass sie ein Teil der Situation sind, aber dass das nichts mit ihnen persönlich zu tun hat.»

Aber wieso ist das so? Wieso beschimpfen andere Verkehrsteilnehmende Feuerwehrangehörige, die gerade dabei helfen, ein Menschenleben zu retten? «Es gibt alles: Die Leute sind meist überfordert mit der Situation, dann fluchen sie und bleiben dabei aber unpersönlich. Es gibt auch Beschimpfungen, die sind weit unter der Gürtellinie», sagt Camenisch. Was selten vorkomme, aber auch schon passiert sei: «Die Gefahr besteht, dass die Autofahrerinnen oder Autofahrer handgreiflich werden.» Umleitungen hätten immer einen Grund. «Wir bitten die Autofahrerinnen und Autofahrer deshalb, die Umleitungen zu beachten und den Anweisungen der Einsatzkräfte zu folgen.»

(sk)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 24. Juni 2021 05:42
aktualisiert: 24. Juni 2021 14:37