Saurer Garten

Neue Arboner Postauto-Strandbar soll im Sommer eröffnen

20. April 2021, 18:20 Uhr
Das Kernstück der neuen Bar am Seeufer Arbons.
© PD
Eine neue Strandbar für die Uferpromenade am Obersee: Im Sommer soll vor dem Saurer Museum in Arbon ein neues Angebot zur Zwischennutzung entstehen. Die Hauptattraktion sind zwei vor der Verschrottung gerettete Postautos aus den 1970er Jahren.

Die Sonne verschwindet irgendwo hinter Kreuzlingen, Gläser klirren zum Anstossen aneinander, Musik begleitet die letzten Stunden eines heissen Sommertags in einer Bar am Ufer. Der Bodensee leuchtet rot und golden und man wähnt sich für kurze Zeit im Urlaub im Tessin.

Beinahe jeder Sommer am Bodensee bietet Tage, an denen dieser Eindruck durchaus entstehen kann. Aus gastronomischer Sicht bedient wurde diese Fantasie über lange Zeit kaum – zumindest, was den Schweizer Teil des Obersees angeht.

Lange Zeit war das Ufer aus gastronomischer Sicht recht leblos, oder zumindest sehr katholisch. Natürlich gab es immer gute Restaurants, doch die «coolen» Angebote waren spärlich gesät. Langsam scheint sich aber eine Trendwende abzuzeichnen.

Die Tiki-Bar in Goldach oder auch der Pop-up-Strandgarten in Horn fingen an, das Bedürfnis nach Strandbars zu befriedigen. Nun soll auch in Arbon ein Angebot entstehen.

Aus Postautos mach Strandbar

Saurer Garten soll das Ganze heissen – und auch dort sein: auf dem Platz vor dem Saurer Museum, an bester Lage in Ufernähe. «Charakteristisch werden sicher die beiden Saurer-Postautos aus den 70er Jahren sein», sagt Astrid Dörig.

Die ehemalige Pächterin der Altstätter «Breite» übernimmt die operative Geschäftsführung der Strandbar. Die Postautos hat sie auf einem Schrottplatz entdeckt und gekauft. Sie sollen als Kiosk und Unterschlupf bei schlechtem Wetter dienen, derzeit werden sie umgebaut.

«Wann genau wir anfangen können, ist noch nicht klar. Es hängt alles von den Einsprachen ab», sagt Dörig. Es könne bereits im Juni soweit sein, aber auch Juli oder August werden.

Ebenfalls unklar ist, wie lange der Garten bleiben soll. Ausgelegt ist das Projekt als Zwischennutzung. «Wir rechnen mit vier Jahren», sagt Dörig, «es spielen aber viele Faktoren mit».

Arboner DNA

Wichtig ist den Initianten der Bezug zur Stadt Arbon. Mit den Saurer-Postautos ist dieser offensichtlich: Der ehemals grösste Lastwagenhersteller der Schweiz ist seit mehr als 150 Jahren untrennbar mit Arbon verbunden.

Unter den fünf Beteiligten befinden sich auch der Arboner Stadtrat Michael Hohermuth, Tim Hasler aus Roggwil, Alexandre Hoenner aus Arbon und Cristian Böni aus St.Gallen, wie die Thurgauer Zeitung berichtet.

Und so soll die neue Strandbar das übrige Gastro-Angebot auch nicht zwingend konkurrieren, wie Dörig sagt. «Die Arboner Gastronomen sind eingeladen, ihr Angebot aus einem Foodtruck bei uns zu verkaufen. Auch eine Zusammenarbeit mit der Wunderbar ist für uns denkbar.»

Auf dem rechten Vorplatz soll die Bar hinkommen. 

© Donato Caspari Tagblatt

Der Streit um die Wunderbar

Diese befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Saurer Museum. Wie lange dort allerdings noch gewirtet werden darf – am Montag öffnete auch die Wunderbar ihre Terrasse – ist unklar. Die Wunderbar soll abgerissen werden, dagegen wehrt sich die Pächterin. Solange das Gerichtsverfahren läuft, wird sie wohl weiter Gäste empfangen.

Mit dem Streit um die Wunderbar will der Saurer Garten auch gar nichts zu tun haben. Eine Verbindung besteht jedoch zweifellos: Die Zik Immobilien AG besitzt die Wunderbar und will sie abreissen lassen – und hat gleichzeitig das Baugesuch für den Saurer Garten eingereicht. Dieses liegt seit letztem Freitag öffentlich auf.

Blockierte Kantine

Als möglichen Ersatz für die Wunderbar brachte die Zik Immobilien AG eine Kantine im Saurer Museum ins Gespräch. Dort gibt es aber kaum Entwicklungen: Der Bau des Restaurants ist durch Einsprachen blockiert.

Ein Schicksal, das auch dem geplanten Garten drohen könnte. Falls er aber erblüht, könnte er vielleicht doch tiefere Wurzeln schlagen. Denn auch die Wunderbar war mal als Zwischennutzung ausgelegt. Das war im Jahr 2009, der Vertrag endete 2020 – und noch immer kann man dort einkehren.

Die Zwischennutzung des Gartens soll nun auch die Zeit bis zum Bau der Museumskantine überbrücken.

Wie Frau Gerolds Garten in Zürich

«Ein solches Projekt an einer solchen Lage ist natürlich ein Privileg», sagt Astrid Dörig. Bei der Planung sei der Name «Gerolds Garten» oft gefallen. Vielleicht werde es tatsächlich ein wenig so wie die beliebte Zürcher Gartenwirtschaft. «Aber mit unserem ganz eigenen Flair», sagt Dörig.

Ihr schwebt ein Treffpunkt für jedermann und -frau vor, gerne auch mit Kindern. Hinzu komme ein hoher Qualitätsanspruch an Speis und Trank.

Aus Gästesicht ist es sicher wünschenswert, wenn das gastronomische Angebot am Obersee breiter wird und mit der Zeit geht. Die Region hat ihr enormes Potenzial schon zu lange ungenutzt gelassen.

Es muss ja nicht Zürich sein. Tessin reicht völlig.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 20. April 2021 18:20
aktualisiert: 20. April 2021 18:20