Nigerianische Trickbetrüger im Thurgau verhaftet

Christine König, 18. September 2015, 11:27 Uhr
Um 50'000 Franken haben Trickbetrüger einen Thurgauer betrogen
Um 50'000 Franken haben Trickbetrüger einen Thurgauer betrogen
© (Photo by Christopher Furlong/Getty Images)
Die Kantonspolizei Thurgau hat Ende August zwei Nigerianer verhaftet, die einen Thurgauer mit dem "Wash-Wash"-Trick um über 50'000 Franken betrogen hatten. Die Kantonspolizei Thurgau warnt vor Vorschussbetrügern.

Die Kantonspolizei Thurgau verhaftete die beiden in Frankreich lebenden Nigerianer Ende August am Wohnort des Geschädigten im Thurgau. Die Männer waren mit dem Geschädigten verabredet, um ihn um weitere 150'000 Euro zu betrügen. Der Thurgauer hatte den Betrügern bereits zuvor in drei Tranchen rund 50'000 Euro überwiesen oder persönlich ausgehändigt. Der Festnahme waren intensive Ermittlungen der Kantonspolizei Thurgau voraus gegangen. Die Staatsanwaltschaft Thurgau hat ein Strafverfahren wegen mehrfachen Betrugs und versuchten Betrugs eröffnet.

Mail millionenfach verschickt

Am Anfang des Betrugs stand eine E-Mail, die an Hunderttausende oder sogar Millionen Empfänger verschickt worden war. Auch der 55-jährige Thurgauer erhielt diese Mail mit unbekanntem Absender, in der ihm, als angeblich nächstem Angehörigen eines Verstorbenen, eine Erbschaft über rund 40 Millionen Dollar in Aussicht gestellt wurde. Das Geld liege bei der Bank of Ghana. Der Thurgauer meldete sich bei den Betrügern und kam Anfang Juli deren Aufforderung nach, für die angeblichen Kosten des Geldtransfers knapp 6000 Euro nach Frankreich zu überweisen.

Papierschnipsel statt Geld

Zwei Wochen später sollte in Genf ein Teil des Geldes aus der "Erbschaft" übergeben werden. Nach Aushändigung von weiteren knapp 9000 Euro erhielt der Geschädigte von den Nigerianern einen Koffer mit angeblich 2 Millionen Euro in bar. Allerdings, so die Betrüger, sei das "Geld" - in Tat und Wahrheit Papierschnipsel - aus Sicherheitsgründen schwarz eingefärbt worden. Zum "Beweis", dass es sich um einen Geldkoffer handle, entnahm einer der Nigerianer dem Koffer zwei geschwärzte Scheine, reinigte sie mit einer Flüssigkeit und präsentierte je einen 50- und 100-Euro-Schein. Der Geschädigte wurde angewiesen, den Koffer nicht zu öffnen, weil die Noten bei Lichteinfall nicht mehr "gereinigt" werden könnten. So verzichtete der Thurgauer darauf, den Inhalt des Koffers zu prüfen. Vier weitere Koffer mit angeblich je 2 Millionen Euro wurden dem Geschädigten Anfang August auf dem Flughafen Zürich übergeben. Dafür händigte der Thurgau den Nigerianern weitere 35'000 Euro aus.

Ende August reisten die beiden Nigerianer mit dem Zug an den Wohnort des Geschädigten, um das ganze "Geld" in den Koffern zu "reinigen". Für die Reinigung sollte der Thurgauer, der inzwischen Kontakt mit der Kantonspolizei Thurgau aufgenommen hatte, nochmals 150'000 Euro bezahlen. Dazu kam es nicht: Die Kantonspolizei Thurgau verhaftete die beiden Betrüger am Bahnhof.

Kantonspolizei warnt vor Betrügern

Die Kantonspolizei Thurgau bittet im Zusammenhang mit dieser "Betrugsmasche" um Vorsicht. Sei es eine angebliche Erbschaft, ein Lotteriegewinn oder das herrenlose Vermögen, das in die Schweiz transferiert werden soll; die Betrüger versuchen, ihre Opfer mit der Aussicht auf sehr viel Geld zu ködern. Wer mit den Betrügern Kontakt aufnimmt, soll dann einen vergleichsweise kleinen Vorschuss, z.B. für angebliche Transfer- oder Notariatskosten, entrichten. Wer bezahlt, hat sein Geld zumeist verloren.

Die Kantonspolizei Thurgau rät, auf keinen Fall auf solche Angebote einzugehen und die Mails unbeantwortet zu löschen. Wer Zweifel hat, ob eine Nachricht echt ist, kann sich bei der Kantonspolizei Thurgau beraten lassen. Weitere Infos sind unter www.kapo.tg.ch/onlinebetrug zu finden.

Christine König
Quelle: kapo
veröffentlicht: 17. September 2015 09:48
aktualisiert: 18. September 2015 11:27