Ominöser Geruch stört Anwohner

Praktikant FM1Today, 5. März 2019, 19:28 Uhr
Eine anonyme Gruppe will herausfinden, von der von ihnen als pentrant bezeichnete Geruch kommt.
Eine anonyme Gruppe will herausfinden, von der von ihnen als pentrant bezeichnete Geruch kommt.
© St.Galler Tagblatt/pd
Ein penetranter, syntetischer Geruch stört einige Bewohner der Gemeinde Güttingen. Um dem mysteriösen Geruch auf die Spur zu kommen, wurde anonym eine Website erstellt. Die Gemeinde distanziert sich davon und sieht kein Problem.

In regelmässigen Intervallen wehe er durchs Thurgauer Dorf: der penetrante Geruch. Das halten anonyme Bewohner auf der extra dafür erstellten Website für eine gesunde Luft in Güttingen fest. Sie beschreiben den Duft als synthetisch und leicht süsslich riechend. Je nach Intensität würde er sogar Hustenreiz und Augentränen auslösen. «Dass es in einem ländlichen Dorf manchmal stinkt, ist normal», sagt Gemeindepräsident Urs Rutishauser zu FM1Today. Solange nichts giftiges in der Luft sei, sehe die Gemeinde kein Problem.

Anonyme Flyer

Letzten Freitag sind Unbekannte aktiv geworden und verteilten Flyer rund um den ominösen Duft, wie das «St.Galler Tagblatt» berichtet. Im Flyer und auf ihrer Webseite fordert die anonyme Gruppe, sich bezüglich der Geruchssituation zu melden. «Die anonyme Flugblatt-Aktion finden wir fragwürdig», so der Gemeindepräsident. Man solle mit dem Namen hin stehen, wenn man ein Anliegen habe.

Schon vor zwei Jahren war die Geruchssituation an der Gemeindeversammlung ein Thema. Verschiedene Bürger bezeichneten den Gestank als sehr störend. Zudem berichteten wenige, dass sie gesundheitliche Beschwerden wie Asthmaanfälle davon hätten, wie es im Protokoll der Gemeindeversammlung vom Juni 2017 steht.

Messungen innerhalb der Richtwerte

Von wo dieser süssliche Geruch stammt, weiss niemand. Auf der Webseite steht, dass die Unbekannten Gerüche aus der Landwirtschaft wie beisielsweise von einem Hühnerstall ausschliessen. An der Versammlung vor zwei Jahren wurde vermutet, dass die Firma Bruag Verursacher sein könnte. Bestätigt wurde das bis heute nicht.

Der Industriebetrieb steht mitten im Dorf und produziert unter anderem Cellon-Fassaden. Das Amt für Umwelt machte damals zwei ausserordentliche Messungen und stellte fest, dass die Werte innerhalb der Richtlinien lagen. Nur eine Messung ist leicht darüber gewesen. Der Geschäftsführer der Bruag, Markus Brühwiler, unterstreicht, dass die Firma regelmässig vom Amt für Umwelt kontrolliert wird und sich an die Richtlinien halte. Die einmalig festgestellte Überschreitung wurde durch technische Massnahmen ausgeschalten.

Geruchssammlung soll Klarheit bringen

So wird in Güttingen weiter über den ominösen Geruch gemutmasst. Die anonyme Gruppe hat ein Protokoll auf die Website gestellt, mit welchem Geruchswahrnehmungen detailliert erfasst werden können. Im Dokument können Bewohner ihre Sinneseindrücke mit Angaben zu beispielsweise Windrichtung und Wetterlage erfassen. Nach dem Sammeln will die Gruppe beim Amt für Umwelt Thurgau eine Geruchsbeschwerde einreichen. Vielleicht wird das Geruchs-Rätsel so gelöst.

Das kantonale Amt für Umwelt kennt den Fall in Güttingen. Gegenüber dem «St.Galler Tagblatt» sagt Martin Zeltner: «Wir sind in Kontakt mit allen Parteien.» Industrielle Anlagen werden alle drei Jahre kontrolliert. Falls Geruchsbeschwerden eingehen, sucht das Amt für Umwelt den Herkunftsort und führt erneut Messungen durch. Dann kann das Amt verschärfte Massnahmen anordnen, vorausgesetzt die Werte wurden überschritten.
Praktikant FM1Today
Quelle: lou
veröffentlicht: 5. März 2019 18:28
aktualisiert: 5. März 2019 19:28