Regierungsrätin will Zugang zum See

Angela Mueller, 10. Mai 2019, 08:05 Uhr
Die Öffentlichkeit hat kaum Zugang zum Bodenseeufer - mit Schildern signalisieren Privatbesitzer das Durchgangsverbot.
Die Öffentlichkeit hat kaum Zugang zum Bodenseeufer - mit Schildern signalisieren Privatbesitzer das Durchgangsverbot.
© Thurgauer Zeitung/Reto Martin
Bei einem Sonntagsspaziergang am Untersee ärgert sich die Thurgauer Regierungsrsätin Cornelia Komposch über die vielen abgesperrten Privatwiesen. Auf Facebook postet sie ihre Bilder und stösst damit die Diskussion um einen öffentlichen Seeweg erneut an.

Will die Thurgauer SP-Regierungsrätin die Untersee-Ufer-Grundeigentümer enteignen? Das fragen sich einige Facebook-User nach dem Post der Justizministerin. Viele freuten sich aber auch über Cornelia Komposchs Bilder. Sie hatte nach einem Spaziergang am Unterseeufer mehrere Fotos veröffentlicht: Die Grundstücke mit direkten Zugang zum Ufer sind mit Schildern wie «Privat» und «Zutritt verboten» abgesperrt.

Wer ans Wasser geht, macht sich strafbar

FDP-Kantonsrätin Kristiane Vietze erkundigte sich denn auch, was die Regierungsrätin mit ihrem Post bezwecke. «Ich wollte damit meinem Unmut Luft machen», sagt Komposch auf Anfrage der Thurgauer Zeitung. Der Umstand, dass sie über eine Stunde dem Untersee entlang spaziert sei und es keine Möglichkeit gegeben habe, das Ufer beziehungsweise das Wasser zu erreichen, sei störend. Am Uferrand reiht sich eine Privatparzelle an der anderen. «Wer trotzdem ans Wasser geht, macht sich strafbar», sagt Komposch.

Letztmals entbrannte die Diskussion um einen öffentlichen Seeweg im Jahr 2013, als der grüne Kantonsrat Toni Kappeler diese im Grossen Rat lancierte. Rund zwei Drittel des Ufers am Untersee sind in Privatbesitz, am Obersee über die Hälfte.

Kappeler hatte mit einer Motion ein Vorkaufsrecht für die Parzellen verlangt, sobald sie zum Verkauf stehen. Doch die bürgerliche Mehrheit hatte dies abgelehnt, obwohl Geld dafür in einem Spezialfonds vorhanden wäre.

Die Uferparzellen sind teuer und beliebt

Die Uferparzellen werden selten verkauft und sind beliebt. Entsprechend teuer sind sie. So wurde kürzlich eine unverbaubare 3000-Quadratmeter-Wiese am Rheinufer bei Wagenhausen für 100'000 Franken verkauft. Zu viel für den Kanton Thurgau. Gemäss Thurgauer Zeitung kauft der Kanton nur etwa jedes zweite Jahr eine Parzelle.

Diese Situation dürfte sich nicht sehr schnell ändern. «Der Fehler wurde schon vor vielen Jahren gemacht», sagt Komposch. An eine Enteignung beziehungsweise Verstaatlichung der Grundstücke sei sicher nicht zu denken. Doch sie möchte, dass der Kanton so viele Parzellen wie möglich kauft, um irgendwann in Zukunft doch einen Uferweg zu ermöglichen.

Angela Mueller
Quelle: red.
veröffentlicht: 10. Mai 2019 08:05
aktualisiert: 10. Mai 2019 08:05