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Thurgau

«Schon zwei Kinder entführt» – Falsche Gerüchte über Kidnapping im Umlauf

Aylin Erol/St.Galler Tagblatt, 17. November 2021, 13:39 Uhr
Womöglich weil ein Kind im Raum Rickenbach von einem Autofahrer angesprochen wurde, kursierten in den sozialen Netzwerken Gerüchte über Kidnapping in der Region. Die Kantonspolizei Thurgau rät davon ab, solche Beiträge unbedacht weiterzuverbreiten.
Derzeit verbreitet ein Beitrag auf Facebook Thurgauer Eltern in Angst und Schrecken. (Symbolbild)
© Keystone/dpa/Uli Deck

«Alle mit Kindern aufgepasst: Einer mit deutscher Autonummer lockt Kinder mit Süssigkeiten an! Zwei Kinder sind schon entführt worden!» Diese Nachricht kursierte diese Woche im Hinterthurgau auf Facebook und versetzte Eltern in der ganzen Region in Angst und Schrecken, wie das «St.Galler Tagblatt» berichtet. Fleissig wurde der Beitrag in den sozialen Netzwerken geteilt, um Eltern zu warnen. Auf Nachfrage bei der Kantonspolizei Thurgau handelt es sich dabei allerdings um Falschinformationen.

Nachfragen, nicht teilen

«Posts auf Social Media sollten immer hinterfragt und auf ihre Richtigkeit überprüft werden, bevor man sie teilt oder weiterleitet. Ansonsten ist man selbst Teil der Gerüchteverbreitung», sagt Michael Roth, Mediensprecher der Kantonspolizei Thurgau. Eltern könnten aber darauf zählen, dass die Kantonspolizei aktiv über Medien kommuniziere, sollte sie Kenntnis einer ausgehenden Gefahr für die Öffentlichkeit haben. Ob die Verbreitung der Falschinformationen in Zusammenhang mit einem anderen Vorfall in Rickenbach steht, bleibt unklar.

«Wir haben vergangene Woche die Meldung erhalten, dass ein Kind in Rickenbach bei Wil auf dem Schulweg durch einen Autofahrer angesprochen wurde», sagt Roth. Laut eines Schreibens der Schulen Aadorf an die Eltern sei das Kind daraufhin davongerannt. Ob es sich bei dem Vorfall tatsächlich um einen Fall mit kriminellem Hintergrund handelt, ist momentan nicht bekannt. «Die Ermittlungen dazu laufen. Seither gab es keine weiteren Meldungen über ähnliche Vorfälle aus dieser Region», sagt Roth. Die Kantonspolizei Thurgau habe sofort reagiert und die Polizeipräsenz in der Region erhöht.

Polizei und Schule geben Verhaltenstipps

Die Sorge unter den Eltern aufgrund der Social-Media-Posts über Kindesentführungen griff allerdings so weit um sich, dass unter anderem die Schulen in Rickenbach, Aadorf und Wilen bei Wil diese Woche in Zusammenarbeit mit der Polizei ein Schreiben an die Eltern verfassten, um den Fall klarzustellen und Tipps für das richtige Verhalten auf dem Schulweg mitzuteilen. Das Weiterverbreiten jener Falschinformationen sollte dadurch gestoppt werden.

Aylin Erol/St.Galler Tagblatt
Quelle: St.Galler Tagblatt
veröffentlicht: 17. November 2021 12:19
aktualisiert: 17. November 2021 13:39