Kreuzlingen

«Schweizer Grenzzaun kommt so schnell wie möglich weg»

Krisztina Scherrer, 15. Mai 2020, 06:01 Uhr
Kreuzlingens Stadtpräsident Thomas Niederberger am Grenzzaun.
© Tagblatt/Alex Spichale
Am 15. Juni sollen die Grenzen zwischen der Schweiz und einigen Nachbarländern geöffnet werden. Das ist auch für die Thurgauer Stadt Kreuzlingen eine schöne Nachricht. «Wir haben für diese Lockerungen gekämpft», sagt Stadtpräsident Thomas Niederberger.

Die Corona-Krise hat in vielerlei Hinsicht für jeden und jede Einschränkungen mit sich gebracht. Mehrere Wochen befand sich die Schweiz und ihre Nachbarländer im Ausnahmezustand. Langsam geht es zurück in Richtung Normalität: Die Geschäfte und Restaurants durften wieder öffnen und die Schulen haben zum Teil den normalen Unterricht wieder aufgenommen. Als nächster Lockerungsschritt sollen am 15. Juni die Grenzen zu Frankreich, Deutschland und Österreich geöffnet werden.

Ohne grossen administrativen Aufwand

«Wir sind sehr erleichtert über den Entscheid, den die Schweiz und Deutschland miteinander gefällt haben», sagt Thomas Niederberger, Stadtpräsident von Kreuzlingen, gegenüber FM1Today. Die Grenzöffnung wird aber nur durchgeführt, «sofern es die epidemische Entwicklung erlaubt», so Karin Keller-Sutter, bei der gestrigen Medienkonferenz. Die Wiler Bundesrätin hat auch angekündigt, dass sich unverheiratete binationale Paare bereits dieses Wochenende wieder in die Arme schliessen können.

«Unsere beiden Grenzstädte sind sehr ineinander verflechtet. Es gibt hier viele Paare, die davon betroffen sind», sagt Niederberger. «Wir hoffen, dass die angekündigten Lockerungen umgesetzt werden und zwar möglichst einfach.» Die Paare sollen den Grenzübertritt ohne grossen administrativen Aufwand meistern können.

«Konstanz und Kreuzlingen sind ein Lebensraum»

Für Kreuzlingen und Konstanz ist die Grenzschliessung nicht einfach. «Es ist ein massiver Einschnitt für beide Städte», sagt Niederberger. Wie wenn man durch ein Wohnquartier einen Grenzzaun ziehe. «Die Bevölkerung versteht die zwei Städte als einen Lebensraum – und zwar auf allen Ebenen. Deshalb haben der Oberbürgermeister von Konstanz und ich sehr dafür gekämpft, dass es Lockerungen gibt.»

Gremium entscheidet, wann der «Haag» abmontiert wird

Zwei Zäune trennen die beiden sonst so ineinander verschmolzenen Städte. Können diese bald abgeräumt werden? Der eine «Haag» steht auf der deutschen Seite, dieser wurde von der deutschen Bundespolizei aufgebaut. Weil sich die Menschen weiterhin am Grenzzaun trafen, ohne die Richtlinien einzuhalten, wurde auch auf der Schweizer Seite ein Zaun errichtet. «Sobald es die Grenzsituation zulässt, werden wir den Zaun so schnell wie möglich abbauen.»

Über den Abbau des «Schweizer» Zauns entscheidet der kantonale Führungsstab, die Stadt Kreuzlingen, die Kantonspolizei Thurgau, die Grenzwache und der regionale Führungsstab. «Die Gespräche im Gremium laufen jetzt noch. Ein genaues Datum steht noch nicht fest», so Niederberger.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 15. Mai 2020 05:31
aktualisiert: 15. Mai 2020 06:01