Anzeige
Thurgau

Sieg der «Milchrebellen»: Bauer kriegt 23'700 Franken zurück

22. Dezember 2021, 18:39 Uhr
Die Genossenschaft Thurgauer Milchproduzenten (TMP) muss einem Milchbauern rund 23'700 Franken an Verbandsbeiträgen zurückzahlen - wegen eines Fehlers in den Statuten. Das Bundesgericht ist auf eine Beschwerde des TMP nicht eingetreten. Nun dürften 60 weitere Bauern Geld zurückfordern.
Player spielt im Picture-in-Picture Modus

Quelle: tvo

Die 23'700 Franken dürften erst der Anfang sein, die die Genossenschaft Thurgauer Milchproduzenten (TMP) in naher Zukunft zurückzahlen muss. Laut dem Präsidenten der unterlegenen Genossenschaft, Daniel Vetterli, geht es insgesamt um einen Betrag «irgendwo bei zwei Millionen Franken». So viel Geld dürften die 60 Milchbauern vom TMP zurückfordern. Man strebe Verhandlungen mit ihnen an, sagte Vetterli am Mittwoch der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Laut einer Mitteilung des Thurgauer Obergerichts vom Dienstagabend trat das Bundesgericht auf eine Beschwerde des Verbands TMP nicht ein. Damit ist der Entscheid des Obergerichts vom vergangenen März rechtskräftig.

Verstoss gegen Statuten 

Der Streit zwischen dem TMP und den «Milchrebellen» war 2015 eskaliert. Damals wehrten sich Thurgauer Landwirte gegen Abgaben an die Exportfirma Lactofama AG. Diese vom Schweizer Milchproduzentenverband gegründete Firma kaufte überschüssige Milch auf und exportierte sie, um den Schweizer Milchpreis zu stützen.

Der Thurgauer Verband TMP verrechnete den Milchproduzenten dafür je nach Milchmenge Beiträge von jährlich einigen hundert Franken. Das Thurgauer Obergericht entschied 2017 zu Gunsten der «Milchrebellen». Es stellte fest, der TMP habe gemäss seinen Statuten kein Recht, solche Beiträge von den Mitgliedern zu erheben. Das Bundesgericht stützte diesen Entscheid.

Das Kämpfen ist noch nicht vorbei

Der mitterweile pensionierte Landwirt und «Milchrebell» Roland Werner kann sich trotz des Sieges nicht richtig freuen. Er hätte sich eine friedlichere Lösung gewünscht. «Wir boten immer wieder Verhandlungen an, das hätte man besser mal so gelöst», sagt er im Interview mit TVO.

Die 60 Milchrebellen haben zwar die Schlacht gewonnen, aber noch lange nicht den Krieg. Sie haben noch weitere Forderungen an den TMP. Statt erneut vor Gericht zu gehen, möchten die Bauern lieber mit Gesprächen eine Lösung finden. Auch der Präsident Daniel Vetterli bestätigt gegenüber TVO, dass man sich mit den betroffenen Bauern an einem runden Tisch treffen möchte. 

Quelle: sda
veröffentlicht: 22. Dezember 2021 18:38
aktualisiert: 22. Dezember 2021 18:39