Antwort an Bund

Thurgau will schneller härtere Massnahmen

16. Dezember 2020, 13:26 Uhr
Regierungspräsident Walter Schönholzer wünscht sich vom Bund rascheres Handeln.
© Reto Martin/Thurgauer Zeitung
Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat im Hinblick auf die Verschärfung der Corona-Massnahmen die Kantone nach ihrer Einschätzung gefragt. Die Antwort aus dem Thurgau ist eindeutig: Der Termin für die Einführung der Massnahmen kommt viel zu spät.

Zu den Massnahmen, die der Bundesrat am Freitag verkünden will, sollen auch die Kantone angehört werden. In der Antwort des Kantons Thurgau heisst es: «Der vom Bundesrat vorgesehene Termin zur Einführung des Massnahmenpakets ist viel zu spät.»

Konkret geht es um das «Massnahmenpaket I» des Bundes. Der Bundesrat schlägt vor, dieses auf den 29. Dezember einzuführen und will so wohl ein möglichst normales Weihnachtsfest ermöglichen, auch im Hinblick darauf, dass Kontrollen im Privathaushalt kaum möglich sein werden.

Der Thurgauer Regierungsrat wünscht sich, dass diese Massnahmen schon am 18. Dezember beschlossen werden und damit am 19. Dezember gelten.

Grundsätzlich geht es um drei «Eskalationsstufen», die Massnahmenpakete I bis III, die je nach R-Wert und Intensivbetten-Auslastung greifen sollen. Damit erklärt sich der Thurgau einverstanden: «Erstens gibt dies der Bevölkerung und der Wirtschaft sowie dem Kanton Planungssicherheit. Zweitens verstärkt das geplante Vorgehen evidenzbasierte Entscheide.»

Zu viele Leute in zu kurzer Zeit in den Läden

Nicht einverstanden ist die Thurgauer Regierung mit der Idee, Einkaufsläden und Märkte an den Wochenenden – laut Massnahmenpaket II – zu schliessen. «Es verteilt sich so die Anzahl Kunden auf weniger Einkaufszeit, es kommt also mitunter zu einer erhöhten Anzahl einkaufender Personen während der Werktage.»

Im Thurgau fürchtet man sich davor, dass die Läden insbesondere zwischen Weihnachten und Neujahr zu voll sein könnten oder sich lange Schlangen im Freien bilden. «Beides ist der Vermeidung von Übertragungen abträglich, da mehr menschliche Kontakte stattfinden oder das Immunsystem in der Kälte geschwächt wird.»

Tattoo-Studios und Erotikbetriebe schliessen

Bei der Schliessung der Betriebe würde der Kanton Thurgau gerne weiter gehen als der Bund. So heisst es in der Antwort: «Wir haben kein Verständnis dafür, dass Tattoo-Studios und Erotikbetriebe weiterhin geöffnet sein sollen. Diese sind verhältnismässig unwichtig. Die Bevölkerung kann einige Wochen ohne diese Dienstleistungen auskommen.» Im Massnahmenpaket II ist nur von der Schliessung der Restaurants, Freizeit- und Sportbetriebe sowie Kultur- und Unterhaltungseinrichtungen die Rede.

Damit es bei der Schliessung einzelner Geschäfte nicht wieder zu Unsicherheiten kommt, wünscht sich der Thurgau, dass «aus den Erfahrungen im Frühjahr der Bund schweizweit genaue Definitionen macht», welche Güter unverzichtbar seien.

(red.)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 16. Dezember 2020 13:26
aktualisiert: 16. Dezember 2020 13:26