Ostschweiz
Thurgau

Thurgauer Firma produziert Deckel für Coca Cola – und muss wegen neuer EU-Regel alles umstellen

Eschlikon

Thurgauer Firma produziert Deckel für Coca Cola – und muss wegen neuer EU-Regel alles umstellen

08.02.2022, 08:21 Uhr
· Online seit 08.02.2022, 06:46 Uhr
Um die Umwelt zu schützen, soll man die Deckel von PET-Flaschen in Zukunft nicht mehr ganz abschrauben können. So will es eine neue EU-Richtlinie und auch in der Schweiz werden bald solche Flaschen auf den Markt kommen. Die Deckel für die Flaschen werden in Eschlikon produziert.

Quelle: tvo

Anzeige

Der Deckel der PET-Flasche soll an dieser befestigt bleiben. Solche Deckel werden bei der Corvaglia Closures Eschlikon AG im Kanton Thurgau produziert. Mit fünf Milliarden Deckeln pro Jahr gehört das Unternehmen zu den grössten Produzenten weltweit. Zu den Kunden gehören unter anderem Coca Cola, Pepsi oder Nestlé.

«Entscheid wurde schnell durchgepeitscht»

Bis zum Jahr 2024 muss der Betrieb umgestellt werden. Die neuen Deckel müssen entwickelt, die Maschinen umgerüstet und Werkzeuge hergestellt werden. Die EU habe die ganze Branche mit ihrer neuen Richtlinie überrumpelt, sagt Michael Krüger, CEO der Corvaglia Group, gegenüber TVO: «Der Entschluss wurde absolut schnell durchgepeitscht. Die Deadline von 2024 klingt weit entfernt. Aber wenn man sich vor Augen führt, dass in Europa 1700 Abfüllanlagen bereit sein müssen, ist das durchaus knapp.» Doch ganz unerwartet kamen die neuen Ansprüche der EU nicht, die Corvaglia Closures war bereits seit Ende 2019 damit beschäftigt, eine Lösung für dieses Problem zu entwickeln.

Die EU will mit der Richtlinie die Umweltverschmutzung bekämpfen. Weniger Plastikdeckel sollen in die Natur geraten. Die Regelung ist ein Teil der 2019 beschlossenen Vorschriften, die nun umgesetzt werden und zum Beispiel auch Strohhalme oder Plastikbesteck verbieten wollen. Umweltverbände zweifeln aber, ob die neuen Richtlinien zu einer Verbesserung der Situation führen. Der WWF sagt beispielsweise, dass Flaschendeckel nur einen kleinen Teil des Plastikabfalls in der Umwelt ausmachen. Greenpeace sagt gegenüber diverser Medien, dass die neuen Verschlüsse wohl nicht viel ändern werden.

Schweizer Markt für Sonderlösung zu klein

Die Schweiz müsste eigentlich gar nicht mit der EU mitziehen, da das Gesetz hier nicht gelten würde. Effektiv bleibt der Schweiz aber fast nichts anderes übrig, als am gleichen Strang zu ziehen. «Der Schweizer Markt ist für eine Sonderlösung zu klein. Die grossen Markeninhaber haben bereits angekündigt, dass sie ihre Abfüllbetriebe in der Schweiz umstellen werden. Auch für uns macht es mittelfristig keinen Sinn, für den kleinen Markt etwas eigenes zu produzieren», sagt Michael Krüger.

Im Moment arbeite man noch daran, die neuen Verschlüsse weiterzuentwickeln, damit diese beim Trinken möglichst wenig stören. Die endgültige Version wird weltweit auf jeder fünften Flasche platziert werden.

(red.)

veröffentlicht: 8. Februar 2022 06:46
aktualisiert: 8. Februar 2022 08:21
Quelle: TVO

Anzeige
Anzeige