Tinder-Date endet mit Hundebiss

Leila Akbarzada, 30. Oktober 2017, 06:53 Uhr
Es ist eine Horrorvorstellung für viele Hundebesitzer: Ein herrenloser Hund taucht aus dem Nichts auf und greift den eigenen Hund an. Jasna Kummer hat dies mit ihrem «Diego» erlebt. Nun sucht sie nach einer jungen Dame, die den Hund nach dem Vorfall mitnahm.

An einem lauen Sommerabend im September war Jasna Kummer mit ihrem Kyi-Leo-Terrier-Mischling namens «Diego» auf dem Nachhauseweg. Als sie an der Badi in Berlingen vorbeikommt, erscheint ein anderer Hund im Halbdunkeln. «Als ich bemerkte, dass der Hund nicht an der Leine ist, leinte ich meinen Hund auch sofort ab, das habe ich so gelernt», sagt Jasna Kummer. In Sekundenbruchteilen habe sich dann der andere Hund, ein Steffordshire - Bull Terrier, auf ihren gestürzt.

Retter aus der Badi

«Ich habe geschrien, weil mein Hund auch geschrien hat wie am Spiess. In dem Moment kam ein junger Mann aus der Badi angerannt», sagt die Berlingerin. Er habe sich auf den Terrier gestürzt und Kummer konnte ihren Hund befreien. Dann kam eine junge Frau, leinte den Terrier an und verschwand. «Ich dachte, die beiden seien ein Paar. Der junge Mann tippte seine Nummer in mein Handy, weil ich so zitterte. Dann ging ich sofort zum Tierarzt.»

Unbekanntes Tinder-Date

Als Jasna Kummer mit dem jungen Mann Kontakt aufnimmt, stellt sich heraus, dass er die junge Frau gar nicht richtig kannte, sondern ein «Blind Date» mit ihr hatte. Die beiden kannten sich von der Online-Plattform «Tinder». Noch am gleichen Abend hat die Unbekannte ihr Profil gelöscht. «Der Mann konnte nicht einmal mehr ihr Profilbild abfotografieren», sagt Kummer. Sie vermutet, dass die junge Dame nicht die Besitzerin des Terriers ist. «Wer so einen Listenhund besitzt, weiss, dass er ihn nicht ohne Leine gehen lassen darf», sagt sie.

Eigener Fahndungsaufruf

Jasna Kummer hat Anzeige erstattet. «Wir haben eine entsprechende Meldung am 11. September erhalten», bestätigt Mario Christen, Mediensprecher der Kantonspolizei Thurgau. Weil die Polizei bei der Suche nach der jungen Dame bisher erfolglos blieb, startete Jasna Kummer selbst eine Suchaktion. Sie könne die Sache nicht einfach auf sich ruhen lassen. «Dieser Hund hat Blut geleckt und könnte möglicherweise eine Gefahr für andere Hunde oder Kinder sein.» Via Facebook sucht sie nun nach der jungen Frau. Ihr Post wurde bereits über 600 mal geteilt.

Die Polizei ist gegenüber solchen Massnahmen kritisch eingestellt: «Fahndungsaufrufe durch Privatpersonen sind nicht unproblematisch. Wichtig ist aus Sicht der Kantonspolizei Thurgau, dass Private dabei nicht das Strafrecht (zB. Beschimpfung, Verleumdung, etc.) und auch keine Persönlichkeitsrechte (zB. das Recht am eigenen Bild) verletzen», schreibt sie auf Anfrage.

700.- Arztrechnungen

Der Vorfall ist nun bald zwei Monate her. Die Bisswunden von «Diego» sind verheilt, doch hat er sich nur langsam wieder an andere Hunde gewöhnt. «Er ist immer noch sehr vorsichtig», sagt Kummer. Die Behandlung von «Diego» kostete sie rund 700 Franken. «Diese Frau zahlt mir jeden Franken, einfach nur wegen der Arroganz, die sie an den Tag legte, einfach so zu verschwinden.» Vielmehr als ums Geld gehe es ihr aber um Gerechtigkeit und die Verantwortung. «Die Frau ist 27 Jahre alt. Man sollte doch zu so einem Vorfall stehen.»

Leila Akbarzada
Quelle: lak
veröffentlicht: 30. Oktober 2017 06:53
aktualisiert: 30. Oktober 2017 06:53