Galgenen

Todesfahrer war ein Messie mit Alkoholproblem

29. November 2019, 20:29 Uhr
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Quelle: CH Media/TVO

Der Unfallfahrer von Galgenen führte ein Leben am Rand der Gesellschaft. Er hauste in Erlen TG in einem Loch, konnte keine seiner angefangenen Ausbildungen beenden und es scheint, als war der Alkohol sein einziger Freund.

Er fuhr ein orangefarbenes Monster durch die Nacht. Der geklaute Audi R8 hatte einen 550 PS starken Motor, von Null auf Hundert dauert es nur rund drei Sekunden. 

Diesen Boliden zu fahren ist für geübte Fahrer nicht gerade leicht, und schon gar nicht für den Todesfahrer von Galgenen, der nie einen Führerschein hatte. Nun kommen weitere Details zum Unfallfahrer ans Licht.

Die Ausbildung schmiss er kurz vor Abschluss

Wie blick.ch berichtet lebte der 29-jährige am Rand der Gesellschaft. Im Sommer 2017 stand er kurz davor, seine Lehre zum Bauspengler abzuschliessen, er brach kurz vor der Abschlussprüfung ab.

«Er hat behauptet, wir hätten ihn im Betrieb nur ausgenutzt. Dabei habe ich ihm und seinem Vater immer wieder Geld gepumpt», sagt sein ehemaliger Lehrmeister zum «Blick».

Zudem sei der damalige Lehrling immer wieder mit Alkoholfahne zur Arbeit erschienen. Ob dies der Grund dafür war, dass er eine frühere Ausbildung zum Informatiker nicht abschliessen konnte, ist nicht bekannt. 

Er lebte in einem Loch

Menschliche Beziehungen scheinen in seinem Leben eine untergeordnete Rolle gespielt zu haben. «Bier und Gin waren seine besten Freunde», sagt sein ehemaliger Lehrmeister. 

Ähnliche Töne schlägt der ehemalige Vermieter des Verstorbenen an. Der Unfallfahrer stammt eigentlich aus dem Rheintal, lebte zuletzt aber im Kanton Thurgau. Bis 2018 wohnte er in einer Einzimmerwohnung bei Erlen TG. «Er hatte Alkoholprobleme und kein Geld.»

Die Miete für die letzten vier Monate vor dem Rausschmiss sei er ihm deswegen schuldig geblieben. Und nicht nur das: Der Verstorbene verwüstete das Zimmer komplett. «Zwischen Abfall und leeren Pizzaschachteln war auch eine Menge Blut und Kot», sagt der Vermieter.

Job in einer Sozialfirma

Trotzdem scheint der Unfallfahrer einen Job gehabt zu haben. Bei einer Amriswiler Sozialfirma wurde er bis vor kurzem als «Integrationserfolg ins Berufsleben» gelistet. Aber auch wenn er den beruflichen Zugang zum Leben vielleicht gefunden hatte, so blieb ihm dieser sonst verwehrt. 

Die Abwärtsspirale fand ihren traurigen Tiefpunkt am letzten Sonntag. Da klaute der 29-Jährige den Audi R8 aus einer Lagerhalle neben der Sozialfirma, bretterte mit diesem durch die Nacht, raste über die Mittelinsel eines Kreises, hob ab und krachte in ein Haus. Das Haus und das Auto gingen in Flammen auf. Der 29-Jährige verstarb. Kurz zuvor wurde er noch mit 169 Stundenkilometern geblitzt.

(red.)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 29. November 2019 10:55
aktualisiert: 29. November 2019 20:29