Listerien bei Käserei Studer

Trotz Fieber, Erbrechen und Durchfall: «Werde den Käse wieder kaufen»

15.08.2023, 20:01 Uhr
· Online seit 15.08.2023, 17:42 Uhr
Dutzende Käse aus der Thurgauer Käserei Studer werden wegen eines möglichen Listerien-Befalls zurückgerufen. Die Folgen von Listerien sind Fieber, Durchfall und Erbrechen. Eine Familie aus Rorschacherberg lag eine Woche flach. Der Produzent sucht nach Erklärungen für den Vorfall.
Anzeige

«Unsere Familie hat eigentlich nie Magendarmgrippe. Doch letzte Woche hat es uns alle komplett genommen mit Fieber, Erbrechen und Durchfall. Es ist durchaus möglich, dass wir Listerien hatten, da wir sehr gerne und viel Käse essen», sagt Lea Rothfuchs aus Rorschacherberg. Einen Beweis, dass ihre Familie wegen Listerien krank wurde, hat sie aber nicht.

Besonders gerne hat die Familie den «Familie Chaes». Das ist eine von mehreren Käsesorten, bei dem die Käserei Studer in Hefenhofen in einer internen Kontrolle den Listerienbefall entdeckt hat. Migros und Coop haben diese Sorten daraufhin zurückgerufen. Der Produzent hat nun alle reifen Käse zurückgerufen.

«Finde es logisch nicht lässig»

Mittlerweile sind Lea Rothfuchs, ihr Mann und ihre beiden Jungs wieder gesund. Für die 36-Jährige ist der Befall zwar ärgerlich, sie werde den Käse jedoch auch in Zukunft wieder kaufen. «Logisch finde ich es nicht lässig, dass es Listerien in der Produktion gab. In der Schweiz haben wir viele Vorschriften und Massnahmen, ich erwarte deshalb, dass alles sauber läuft. Ich will mir nicht auch noch Gedanken machen müssen, bei welchen Lebensmitteln ich mir etwas einfangen könnte.»

Noch unerfreulicher ist für Rothfuchs, dass jetzt sehr viel Käse weggeworfen wird. «Sehr viele Lebensmittel landen nun im Abfall für einen Fehler, der wahrscheinlich hätte verhindert werden können.»

«Kommt nicht regelmässig vor»

Listerien kommen in der Natur fast überall vor. Probleme mit ihnen in Lebensmittel-Betrieben im Thurgau seien aber Einzelfälle, sagt Davide Degiorgi, Leiter des kantonalen Lebensmittelinspektorat und stellvertretender Kantonschemiker gegenüber der «Thurgauer Zeitung».

«Es kommt nicht regelmässig vor.» Im letzten Jahr war die Fischzucht Kundelfingerhof in Schlatt betroffen. Festgestellt wurden die gesundheitsgefährdenden Bakterien dort bei amtlichen Kontrollen in Räucherforellen und geräucherten Lachsforellen.

Rückruf ist Sicherheitsvorkehrung

Der Rückruf des Käses der Firma Studer sei eine Sicherheitsvorkehrung, sagt Degiorgi. Die Belastung mit den Listerien habe bei Messungen immer unter dem Grenzwert gelegen. Und die Bakterien könnten sich auf den Halbhart- und Hartkäsen der Käserei Studer auch nicht vermehren, da sie auf ihnen keine optimalen Wachstumsbedingungen finden würden. Trotzdem sei ein gewisses Gesundheitsrisiko nicht auszuschliessen. Um auf der sicheren Seite zu sein, habe die Firma Studer beschlossen, vorsorglich ihr gesamtes Sortiment an gereiftem Käse zurückzurufen.

Es sei am Betrieb, den Ursachen für die Verunreinigung auf den Grund zu gehen und Massnahmen zu ergreifen, um Kontaminationen künftig zu verhindern, sagt Degiorgi. Der Kanton werde zur Aufarbeitung des Vorfalles durch die Verantwortlichen der Firma Studer Stellung beziehen und risikobasiert zeitnah vor Ort und im Detailhandel kontrollieren, ob die Massnahmen gegriffen haben.

Scan den QR-Code

Du willst keine News mehr verpassen? Hol dir die Today-App.

«Durch ein Transportmittel in die Räumlichkeiten gelangt»

Die Firma Studer ging bis Dienstagabend davon aus, dass niemand wegen der Listerien krank geworden ist. Ihnen würden keine diesbezüglichen Informationen vorliegen, heisst es auf Anfrage. Eventuell gibt es aber doch den einen oder die andere, denen der Käse nicht gut bekommen ist.

Wahrscheinlich kamen die Krankheitserreger als blinder Passagier in den Reifungskeller der Firma Studer in Hatswil. «Nach vertieften Analysen gehen wir aktuell davon aus, dass eine Kontamination mit ‹Listeria monocytogenes› durch ein Transportmittel in die Räumlichkeiten gelangt ist», schreibt die Firma auf Anfrage. Und das trotz eines Qualitäts- und Lebensmittelsicherheits-Managementsystems, das nach Angaben der Käserei den höchsten Anforderungen genügt. Es sei denn auch der erste Listerien-Befall in der Geschichte des Unternehmens. Diese begann im Jahr 1867 mit der Gründung der Hatswiler Käsereigenossenschaft.

Risikobewertung gibt den Takt vor

Die unerwünschten Bakterien seien bei der Analyse von Käseproben gefunden worden, die einmal in der Woche oder einmal im Monat genommen würden, schreibt die Firma. Den Takt gibt eine Gefahrenanalyse mit Risikobewertung vor. Wann der Listerien-Befall festgestellt worden ist und wie lange er möglicherweise unentdeckt bliebt, lässt die Käserei auf Anfrage offen. Sie hätten aber sofort gehandelt. «Es wurden umgehend umfangreiche Korrekturmassnahmen eingeführt.»

Doch dabei soll es nicht bleiben. Die Firma wird sich weiter «intensiv mit den Erkenntnissen aus diesem Fall auseinandersetzen und präventive Massnahmen entwickeln», die verhindern sollen, dass sich die Ereignisse wiederholen, heisst es in der Stellungnahme weiter.

Schaden lässt sich noch nicht beziffern

Nicht angeben kann das Unternehmen, wie gross die Menge Käse ist, die aus dem Verkauf in der Schweiz, Deutschland und den Niederlanden  zurückgenommen wird. In den Export geht rund die Hälfte der Produktion, vor allem nach Holland. Auch der finanzielle Schaden lasse sich nicht beziffern, schreibt die Firma. Ebenfalls nicht in Erfahrung zu bringen ist, wie viel Käse im Reifungskeller eingelagert war zum Zeitpunkt, als die unerwünschten Keime in einer Kontrolle hängen blieben.

Die Firma betont, dass die Produktion in einem separaten Gebäude von den Problemen mit Listerien zu keinem Zeitpunkt betroffen gewesen ist. Dafür gebe es gesicherte Analyse-Ergebnisse. «Die Produktion läuft auf Hochtouren, und die Lieferfähigkeit kann nach entsprechender Reifungszeit in externen Lagern vollumfänglich wiederhergestellt werden.»

veröffentlicht: 15. August 2023 17:42
aktualisiert: 15. August 2023 20:01
Quelle: FM1Today/Svenja Graf / Thurgauer Zeitung/Markus Schoch

Anzeige
Anzeige