Thurgau

Trotz Homeoffice-Pflicht: Contact Tracing weiterhin im Grossraumbüro

Géraldine Bohne, 16. Dezember 2020, 10:20 Uhr
Seit vergangenem Mittwoch gilt im Kanton Thurgau eine Homeoffice-Pflicht. Trotz der neuen Regelung arbeiten die Mitarbeiter des kantonalen Contact Tracings noch immer im Grossraumbüro, obwohl eine Verlegung ins Homeoffice technisch möglich wäre.

Fast 100 Personen arbeiten derzeit für das Contact Tracing des Kantons Thurgau, das von der Lungenliga durchgeführt wird. Diese 100 Personen teilen sich in Schichten ein Grossraumbüro im obersten Stock eines Gebäudes in Felben-Wellhausen. Obwohl jeder Tracer seine eigene Infrastruktur, also Laptop und Telefon, benutzt, wird nicht ins Homeoffice gewechselt – trotz bestehender Pflicht im Kanton Thurgau (20 Minuten berichtete).

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Quelle: tvo

Gründe nennt die Lungenliga vor allem organisatorische: Weil viele Mitarbeitende neu seien, wäre es schwierig, diese ins Homeoffice zu senden. Es gehe um schnelle Absprachen, Support durch den Teamleiter und die Koordination von neuen Fällen, so Lungeliga-Mediensprecherin Janina Diethelm gegenüber FM1Today.

Mitarbeitende könnten «theoretisch» von zu Hause aus arbeiten

«Selbstverständlich kann man argumentieren, dass die Mitarbeitenden im Contact Tracing mit ihren eigenen Geräten von zu Hause arbeiten könnten.» Der Thurgauer Regierungsrat habe bei der Einführung der Pflicht jedoch auf eine genaue Beschreibung verzichtet. «Es liegt folglich im Ermessen jeder Arbeitgeberin und jedes Arbeitgebers zu entscheiden, für welche Arbeitsplätze Homeoffice ermöglicht wird», so Diethelm.

Derzeit sei es beim Contact Tracing nur Mitarbeitenden, welche zu den Risikogruppen gehören, gestattet, im Homeoffice zu arbeiten. Eine Verlegung der restlichen Mitarbeitenden ins Homeoffice sei nicht angedacht. Im Büro würden die Hygienemassnahmen jederzeit eingehalten werden. Die Gesundheit der Mitarbeitenden sei wichtig.

Thurgau führt seit März Kontrollen durch

Reichen die erwähnten Gründe aus, vom Homeoffice abzusehen? Der Kanton Thurgau hatte beim Verkünden der neuen Massnahmen mit Kontrollen gedroht. Auf Nachfrage von FM1Today antwortet der Kanton, dass bereits seit dem März Kontrollen im Rahmen der normalen Kontrolle der Schutzkonzepte durchgeführt werden. «Anhand einer Checkliste wird bei jeder Kontrolle nachgefragt, ob die Mitarbeitenden die Möglichkeit zu Homeoffice haben und nutzen», so Kommunikationsleiterin Regula Marti beim Amt für Wirtschaft und Arbeit. «Das Arbeitsinspektorat prüft, ob die Unternehmen zumutbare organisatorische und technische Massnahmen getroffen haben, die Homeoffice ermöglichen.»

Homeoffice-Pflicht schwierig prüfbar

Über 2000 Betriebe seien seither bereits kontrolliert worden. «Dabei ist kein Betrieb aufgefallen, der die Möglichkeit für die Arbeit im Homeoffice für sich nicht überprüft hat.» Es sei aber allgemein schwierig zu prüfen, ob Homeoffice in einem Betrieb möglich wäre. «Wir sind uns bewusst, dass für nicht mit den betrieblichen Abläufen und Prozessen vertraute Personen oder Stellen kaum zu überprüfen ist, welche Arbeiten im Homeoffice gemacht werden könnten und welche nicht.»

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 15. Dezember 2020 05:35
aktualisiert: 16. Dezember 2020 10:20