Frauenfeld

Wahrzeichen verschwindet: Zwölfstöckiger Spitalturm wird abgebaut

Géraldine Bohne, 16. März 2021, 08:14 Uhr
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Quelle: FM1Today/TVO

Unzählige Geschichten hat der alte Bettenturm des Kantonsspitals während 45 Jahren erlebt. Nun geht es dem Koloss an den Kragen. In diesen Tagen haben die Abbrucharbeiten begonnen. Bis im August soll das Gebäude komplett abgerissen werden.

45'000 Kinder haben im Bettenturm das Licht der Welt erblickt, 400'000 Notfälle sind in den Räumlichkeiten behandelt worden und 280 Betten wurden bei voller Auslastung belegt. Während der Corona-Pandemie verwandelte sich das Gebäude ausserdem kurzerhand in eine Backup-Bettenstation für Corona-Patienten. Diese Geschichten aus dem Bettenturm sind nun aber zu Ende erzählt. Das markante Spitalgebäude und Wahrzeichen der Stadt Frauenfeld verschwindet.

Schritt für Schritt abgebaut

Die Umnutzung zur provisorischen Corona-Bettenstation hatte den Abbruch verzögert. Bereits im letzten Jahr sollte das zwölfstöckige Gebäude abgebaut werden. Erst jetzt sind die Arbeiten aber in vollem Gange. Die Bauarbeiten finden während laufendem Spitalbetrieb statt.

Der Rückbau des Spitalturms erfolgt nicht explosionsartig, sondern in einzelnen Schritten, wie Spitaldirektor Norbert Vetterli erklärt. «Seit August 2020 wurde innen alles bis auf die Rohbaustruktur abgebaut. Im verbliebenen Rohbau werden nun die Böden rausgebrochen und der Rest, also die Fassade, wird danach ausgeschnitten und weggehievt.» Durch diese Art des Rückbaus könne viel wertvolles Material erhalten bleiben und später wiederverwertet werden.

Wieso der 1974 erbaute Turm nun abgebrochen werden muss? «Das Gebäude wurde mit dem Wissensstand der Medizin von damals gebaut», so Vetterli. Es habe weder MRI noch Ultraschall gegeben. «Ausserdem blieben die Leute jeweils drei bis vier Wochen im Spital.» Das hat sich bis heute geändert. Die Patienten verbringen meist nur noch wenige Tage im Spital und kurieren sich anschliessend in Rehas aus. Ausserdem hätte eine Sanierung rund 30 bis 50 Millionen Franken mehr gekostet als ein Neubau. Ungefähr 250 Millionen Franken kostet das gesamte Projekt.

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Quelle: tvo

Neubau Anfang 2020 eröffnet

Der Rückbau des Bettenturms ist ein letzter Schritt im Projekt «Horizont», das im Sommer 2016 begonnen hatte. Ziel war es, innert vier Jahren ein neues Spital in Frauenfeld entstehen zu lassen. Im Sommer 2017 starteten die Bauarbeiten an einem Bettenhaus-Neubau. Dieser wurde Ende 2019 fertiggestellt und anfangs des vergangenen Jahres eröffnet.

Derzeit finden noch Umbauarbeiten bei bestehenden Räumlichkeiten statt. Unter anderem werden die Radiologie, das Ambulatorium und die Frauenklinik umgebaut. Der Neubau zeichnet sich mit hochmodernem OP-Bereich, Diagnostik und Einer- und Zweierzimmern aus. 300 Betten haben im neuen Gebäude Platz.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 16. März 2021 05:42
aktualisiert: 16. März 2021 08:14