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Frauenfeld

WC-Spülung, Bibel, Dominosteine: Deshalb kam ich im neuen Escape Room ins Schwitzen

Nico Conzett, 10. Oktober 2021, 18:01 Uhr
Ein Escape Room in einem Geschichtsmuseum? Eine spezielle Kombination – welche es in Frauenfeld neuerdings tatsächlich gibt und besonders Familien für die Thurgauer Geschichte begeistern soll. Wir durften die neue Attraktion vor der Eröffnung ausprobieren – und kamen bei einigen Rätseln ziemlich ins Schwitzen.
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Quelle: tvo

Dominosteine, eine WC-Spülung und die vier Evangelisten Matthäus, Johannes, Markus und Lukas: Die Kombination all dieser Elemente ergibt auf den ersten Blick genauso wenig Sinn wie die Denkprozesse, welche in meinem Kopf vorgehen, während ich versuche, die ersten Rätsel im Escape Room zu lösen. Vereinfacht formuliert: Ich tue mich ziemlich schwer. Einige Aufgaben schaffen es gleich mehrfach, für Schweissperlen auf meiner Stirn zu sorgen.

Doch natürlich ist das genau das Ziel der neuen Freizeitattraktion im Schloss Frauenfeld. Lanciert vom Historischen Museum Thurgau in Kooperation mit dem lokalen Escape-Unternehmen «Houdini's Quest» ist hier im vergangenen halben Jahr ein Escape Room entstanden.

Geschichte auf spannende Art und Weise vermitteln

Ein neumodisches Freizeitangebot in einem altertümlichen Schloss? Gabriele Keck, die Museumsvorsteherin, erklärt die auf den ersten Blick aussergewöhnlich anmutende Kombination aus Geschichtsmuseum und Escape Room: «Wir wollen die Thurgauer Geschichte auf möglichst spannende Art und Weise vermitteln. Mit dem Escape Room wollen wir unser Angebot erweitern und vor allem für Familien ein niederschwelliges, spannendes Angebot bieten.» Damit man versteht, wie das genau bewerkstelligt werden soll, muss man einen Blick in die Vergangenheit werfen.

Zurück ins düstere Mittelalter

Die Zeitreise geht zurück ins düstere Mittelalter, genauer ins Jahr 1529. In dieser Epoche hat die Reformation bereits ihren Lauf genommen. Der Kanton Thurgau ist stark von den revolutionären Prozessen betroffen – überall begehren die Leute auf, weil sie mit der katholischen Kirche nicht mehr einverstanden sind.

Unter anderem wollen die Reformatoren, dass die Kirchen und Klöster demütiger werden und keine prunkvollen Schätze mehr innerhalb ihrer Mauern horten. Um ihr Ziel zu erreichen, schrecken sich auch nicht vor Gewaltanwendung zurück – sie plündern und brandschatzen in katholischen Glaubenshäusern. Auch das Thurgauer Kloster St.Katharinental wird attackiert. Und genau hier setzt die Geschichte des neuen Escape Rooms im Schloss Frauenfeld an.

«Rettet den Schatz der Äbtissin»

In Gruppen von bis zu sechs Personen können Rätselbegeisterte ab dem 7. Oktober 2021 versuchen, den zu Zeiten der Reformation – aus Angst vor den Plünderungen – gut versteckten Lieblingsschatz der Äbtissin, der Klostervorsteherin, Anna Stehelin wiederzufinden. Er wurde nämlich von einem gerissenen Kunsthändler geraubt. «Als Museum haben wir auch einen Bildungsauftrag. Darum beruht unsere Story auf einer wahren geschichtlichen Begebenheit – es soll nicht nur um die reine Unterhaltung gehen», erläutert Keck den Bezug zu den zerstörerischen Raubzügen der Thurgauer Reformatoren und den Nonnen, welche die kirchlichen Schätze zu schützen versuchten. Verpackt wird die Story unter dem Titel «Rettet den Schatz der Äbtissin».

Einige Knacknüsse auf dem Weg zur Schatzrettung

Und wie habe ich mich nach meinen anfänglich grossen Schwierigkeiten im Escape Room geschlagen? Am Schluss habe ich es – dank einigen Hinweisen des Geistes von Anna Stehelin (und der Spielleiter) – tatsächlich geschafft, den begehrten Schatz der Äbtissin wiederzufinden und ihn aus den Klauen des Kunstdiebes zu befreien. Aber es hat mir nicht nur Schweissperlen auf der Stirn beschert, sondern auch einiges an Hartnäckigkeit abverlangt. Vielleicht lag das ein bisschen daran, dass ich bei den Knobelaufgaben auf mich allein gestellt war. Vielleicht aber auch, weil ich tatsächlich manchmal ein wenig «auf dem Schlauch» gestanden bin.

Schlauch hin oder her: Der neue Escape Room im Schloss Frauenfeld bietet durchaus gute Unterhaltung und viel Knobelspass. Für Eltern, welche immer mal wieder Probleme haben, ihre Kinder für Museumsbesuche und dergleichen zu begeistern, ist er mit Sicherheit ein gutes Argument, um im Historischen Museum Thurgau vorbeizuschauen.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 10. Oktober 2021 19:19
aktualisiert: 10. Oktober 2021 18:01