Thurgau

«Will und werde meine Reise beenden»

Krisztina Scherrer, 31. August 2019, 15:38 Uhr
Jörg Heierli aus Bischofszell befindet sich auf dem grössten Abenteuer seines Lebens: die Umrundung Afrikas mit dem Velo. Nach acht Monaten hat er nebst vielen schönen Erlebnissen auch die Schattenseiten seiner Reise kennengelernt.

«Afrika hat zwei Gesichter. Die Leute sind einerseits äusserst gastfreundlich, aufmerksam und interessiert, andererseits oft auch egoistisch und geldgierig», sagt Jörg Heierli gegenüber FM1Today. Am 2.September 2018 hat der 28-Jährige die Umrundung Afrikas mit dem Velo in Angriff genommen, nach 11'3000 zurückgelegten Kilometern befindet er sich derzeit in Liberia.

«Afrika kann einem auf die Nerven gehen»

Wenn der Thurgauer durch Dörfer fährt, fällt er sofort auf und wird von allen angesprochen. «Die meisten Einwohner sind froh über die Abwechslung, leider gibt es auch viele, die mich als ‹Sack voll Geld› sehen. Sie sind dann nur an meinem Geld und nicht an mir interessiert. Das tut schon weh.»

Die Tour durch Afrika verlangt von Heierli, der gerlernter Bäcker ist, alles ab. In der Westsahara und Mauretanien ist er an seine Grenzen gekommen: «Es ging hundert Kilometer nur geradeaus und war langweilig. In der Wüste von Mauretanien hatte ich mehrere Tage Gegen- und Seitenwind», sagt er. Auch der Verkehr sei gefährlich. «Afrika kann einem auf die Nerven gehen, trotzdem will und werde ich meine Reise beenden.»

Jörg Heierli war auf seiner Reise auch schon ein paar Mal krank, hatte Fieber. «Das hat mich echt runtergezogen. Inzwischen geht es mir aber wieder richtig gut.» Wenn es ihm schlecht ging, erinnerte sich der 28-Jährige an seine schönsten Erlebnisse zurück: «Dann wird mir klar – die ganzen Strapazen sind es mir wert.»

© Screenshot: irgendwoinafrika.ch

«Mir wird viel gegeben»

Und von den schönen Erlebnissen gab es viele. Der Bischofszeller durchquerte die Sahara, fuhr mit dem Eisenerzzug eine Strecke von 500 Kilometern bis ins Landesinnere von Mauretanien gefahren und hat sich in Atar (Mauretanien) hat er sich mit einer Gruppe italienischer Motocrosser angefreundet. «In Gambia habe ich drei Wochen in einer Backstube gearbeitet und in Guinea hat mich ein Mann in sein kleines Dorf eingeladen, wo ich wilde Schimpansen beobachten konnte. Da waren definitiv viele Highlights dabei.»

«Mich beeindruckt, wie friedlich es in Afrika ist und wie freundlich mich die Einwohner aufnehmen», sagt der Abenteurer. Um einen Schlafplatz muss er sich nie sorgen, dazu bekommt er meistens einen Znacht und eine Dusche. «Mir wurde sehr viel gegeben, ohne dass eine Gegenleistung erwartet wurde.» Und obwohl die Leute fast nichts haben, schenken sie ihm manchmal eine Aufmerksamkeit wie eine Schachtel Tee.

Sehnsucht nach der Heimat

Dennoch vermisst der 28-Jährige zwischendurch die Heimat, seine Familie und Schweizer Köstlichkeiten: «Die Ordentlichkeit und dass ich einfach durch die Strassen laufen kann, ohne angesprochen zu werden, fehlt mir.» Er sehnt sich aber auch nach Biberli, Schüblig gibt es auf seiner Abenteuerreise doch meist nur Reis mit verschiedenen Beilagen oder Brot mit Aufstrich.

Nächstes Ziel: Elfenbeinküste

Als nächstes reist Heierli mit seinem Velo von Liberia an die Elfenbeinküste, danach weiter nach Ghana, Togo und Benin. Von dort aus nimmt er den Flieger nach Kamerun, bevor es auf dem Velo nach Namibia und Botswana geht. «Wenn alles gut läuft, bin ich in sieben Monaten in Kapstadt in Südafrika.» Bis dahin fehlen noch 7300 Kilometer.

Wer Jörg Heierlis Reise verfolgen oder unterstützen möchte, kann dies hier tun.
Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 2. Mai 2019 05:38
aktualisiert: 31. August 2019 15:38