Thurgau

«Zämähäbä»: Verein bietet finanzielle Hilfe für Corona-Geschädigte an

2. Mai 2021, 20:43 Uhr
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Quelle: tvo

Trotz allen staatlichen Unterstützungen gibt es Personen, die sich während der Coronazeit nicht mehr aus eigener Kraft über Wasser halten können. Für diese gibt es den privaten Verein «Zämähäbä», der sie finanziell unterstützt.

Kein Job, kaum Geld für Lebensmittel und die nächste Miete steht auch bereits wieder an. Diese Erfahrung macht Selina Beiermann aus Kradolf im Kanton Thurgau. Seit vier Monaten ist sie arbeitslos und beim regionalen Arbeitsvermittlungszentrum angemeldet, die Jobsuche ist allerdings alles andere als einfach. Mit den ihr zustehenden 70 Prozent Entschädigung kommt sie nur knapp über die Runden: «Ich zahle meine Rechnungen und dann ist das Geld weg.» Dass jetzt die Restaurant-Terrassen wieder offen sind, ist für sie nur bedingt ein Grund zur Freude, denn sie muss ihren Freunden immer wieder absagen, weil es finanziell einfach nicht geht.

«Die Not ist jetzt da»

Wie Selina Beiermann geht es aktuell vielen Menschen. Diesen Menschen helfen will der Verein «Zämähäbä», der im Kanton Thurgau einen ersten Ableger hat. Mit Spenden soll dieser die staatlichen Entschädigungen ergänzen und den Betroffenen vor allem rasch und unkompliziert unter die Arme greifen, sagt Oliver Martin, Thurgauer SVP-Kantonsrat: «Es ist nicht so, dass der Kanton nichts machen würde, aber in der Politik geht alles länger. Wenn jemand in Not ist, ist diese aber jetzt da.»

Bier gegen Armut

Die Idee ist einfach: Hilfsbedürftige Personen können einen Antrag stellen, worauf ihnen ein Teil der Lebensmittel bezahlt wird. Das Geld kommt von freiwilligen Spendern. Unter diesen Wohltätern ist auch die Brauerei «Müli Bräu». «Wir fanden das von Anfang an eine gute Sache. Wir wurden angefragt, für den Verein ein Bier mit einer speziellen Etikette zu brauen», sagt Braumeister Hans Notz. Ein Teil des Erlöses der verkauften Biere geht nun an den Verein.

Grosse Hemmschwelle bei Betroffenen

Viele Spender hätten sich bis anhin nicht gemeldet – interessanterweise aber auch nur wenige Empfänger. Urs Sutter, Präsident des Vereins «Zämähäbä» hat dafür aber eine Erklärung: «Es ist eine enorme Hemmschwelle, zuzugeben, dass es einem schlecht geht.» So ging es auch Selina Beiermann. Durch Freunde und Familie fand sie aber schliesslich den Mut, sich zu melden. Sie ermutigt andere Menschen, es ihr gleich zu tun: «Ich empfehle allen, die Sorgen nicht in sich hinein zu essen. Irgendwann leidet die Psyche darunter.»

(red.)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 3. Mai 2021 08:11
aktualisiert: 2. Mai 2021 20:43