Bergbahnen

Tickets werden teurer: Energiepreise beschäftigen Winterbetriebe

Svenja Graf, 18. August 2022, 16:11 Uhr
Strommangel, Inflation und weniger Rohstoffe: Auch die Bergbahnen haben mit diesen Themen zu kämpfen. Im Hinblick auf die kommende Wintersaison gibt es bei einigen Betrieben teurere Preise – die Schneekanonen sollten aber überall anlaufen.
Die Schneekanonen gewährleisten bei vielen Bergbahnen den Skibetrieb.
© Getty Images

Hohe Energiepreise und drohende Stromknappheit beschäftigen aktuell die Bergbahnen. Die Bergbahnen Wildhaus zum Beispiel sind die ersten, die eine Erhöhung des Preises angekündigt haben, wie das «St.Galler Tagblatt» berichtete. Auch in Graubünden ist die Thematik mittlerweile angekommen. «Wir überlegen uns aktuell, inwiefern wir die Preise für die kommende Wintersaison anpassen müssen», sagt Philipp Holenstein, Geschäftsleiter von den Arosa Bergbahnen.

«Schnee ist unser Garant für den Betrieb»

«Ob das Ticket teurer wird, entscheiden wir demnächst», sagt Holenstein. Schnee sollte zumindest Anfang Saison noch ohne Problem produziert werden können. «Die erste Beschneiung von Oktober bis Dezember sollte mit der verfügbaren elektrischen Energie gewährleistet sein. Dies ist absolut essenziell für den gie ganze Wintersaison – nicht nur für die Bergbahnen, sondern auch für die ganze Destination. Ein allfälliger Strommangel dürfte wahrscheinlich erst Anfang 2023 effektiv spürbar sein», so Holenstein.

Im Pizol wird das Bergbahn-Ticket sicher teurer

«Bei uns müssen die Ticketpreise angepasst werden. Wir haben aktuell eine Inflation und Erhöhung der Energiekosten, die es in den letzten Jahren nicht gab – diese Preissteigerung können wir ohne Anpassung nicht mehr tragen», sagt Klaus Nussbaumer, Geschäftsführer bei den Pizolbahnen. Wieviel tiefer die Besucherinnen und Besucher in die Tasche greifen müssen, werde im September konkretisiert.

Energieeffizientsmassnahmen wurden und werden bei den Pizolbahnen schon seit Jahren umgesetzt: «Wir haben in den letzten Jahren diverse Anpassungen getätigt, um Energie zu sparen. Das geht vom einfachen Austauschen der Glühbirnen zu LED bis hin zur eigenen Stromerzeugung mit einer Windturbine. Auch weitere zusätzliche Massnahmen sind natürlich denkbar», so Nussbaumer.

Auch im Flumserberg kommt eine Preiserhöhung

«Wir werden eine Preiserhöhung haben, diese wird aber unter der Teuerung liegen. Aktuell berechnen wir die neuen Preise, die wir in den kommenden Wochen kommunizieren werden», sagt Katja Wildhaber, Mitglied der Geschäftsleitung der Bergbahnen Flumserberg. Mithilfe des Verbandes der Seilbahnen Schweiz werden verschiedene Massnahmen erarbeitet und Notfallpläne geschmiedet.

Teuerung betrifft nun Alle

Eigentlich waren die Preise in der Ostschweiz in den letzten Jahren relativ stabil. «Grosse Schwankungen sind nicht normal», sagt Roger Walser, Präsident des Ostschweizer Verbands der Seilbahnunternehmungen. Aber die Kosten steigen seit einiger Zeit überall – und somit natürlich auch bei den Bergbahnen. «Jetzt muss jeder Betrieb einzeln entscheiden, ob er die Teuerung und Mehrkosten alleine tragen kann, ohne dass die Kunden mehr bezahlen müssen», so Walser.

En Betrieb braucht viele verschiedene Rohstoffe  – auch für Schneekanonen

Rohstoffe werden diverse benötigt: Strom für den Bahnbetrieb, Diesel für die Pistenfahrzeuge, Stahlteile und mechanische Teile für den Unterhalt. Und für die Steuerung braucht es verschiedene elektrische Teile, zum Beispiel Sensoren, die immer mal wieder ausgetauscht werden müssen.

Mit Wasser und Strom werden die Beschneiungsanlagen gefüttert. «Der Stromverbrauch der Bergbahnen beträgt rund 0,3 Prozent des jährlichen Stroms in der Schweiz, da ist der Seilbahnbetrieb und auch die Beschneiung eingerechnet. Die Beschneiung ist elementar für einen funktionierenden Winterbetrieb und kann nicht isoliert betrachtet werden. Die Skigebiete haben eine hohe regionale Bedeutung und verantworten schweizweit sechs Milliarden Franken Wertschöpfung über den Winter», sagt Walser.

Langfristige Verträge schützen kleine Betriebe

Dass kleinere Betriebe schliessen müssen, glaubt Walser nicht. «Es steht noch in den Sternen, wohin die Strompreise noch steigen, aber wir gehen auch davon aus, dass es sich wieder beruhigt». Die meisten Bahnen haben mehrjährige Verträge mit den Stromanbietern, die für die nächsten zwei bis drei Jahre fixiert sind.

Die Mehrkosten sollten deshalb für die Bahnen – zumindest in naher Zukunft – noch tragbar sein. «Die Betriebe müssen auf diesen Winter neu kalkulieren und allfällige Preissteigerungen rechtzeitig ankünden», so Walser. Ebenfalls werden vom Verband aktuell verschiedene Massnahmen erarbeitet, um Strom zu sparen.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 20. August 2022 06:23
aktualisiert: 20. August 2022 06:23
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