Töffli frisieren dank des Internets

Angela Mueller, 29. August 2018, 07:53 Uhr
Der Stolz vieler Jungs: Ein Mofa, das etwas schneller ist als erlaubt.
Der Stolz vieler Jungs: Ein Mofa, das etwas schneller ist als erlaubt.
© KEYSTONE/Ennio Leanza (Symboldbild/Archiv)
Mit einem autobahntauglichen Mofa hat die St.Galler Kantonspolizei kürzlich einen 17-Jährigen erwischt. Das Töffli fuhr 96 Stundenkilometer. Für Experten ist dieses Tempo nicht erstaunlich.

Mit seinem blitzschnellen grauen Mofa überholte der Lenker kürzlich in Sevelen mehrmals Autos und fiel entsprechend auf. Die Polizei fasste den Lenker – sein Mofa fuhr 96 Stundenkilometer – und stellte «verschiedenen Änderungen» am Zweirad fest – sprich, das Mofa war von seinem Besitzer kräftig frisiert worden. «Das ist heute kein Kunststück», sagt Marcel Büchler vom Zweiradzentrum in Lütisburg. «Man kann sich problemlos Renn-Sets im Internet bestellen.»

Verantwortungsloses Handeln

So werden mit wenigen Handgriffen, Kolben, Zylinder ausgewechselt und Renn-Auspuffe montiert. «Früher haben wir die Kolben mühsam von Hand abgeschliffen und das Töffli fuhr dann vielleicht 50 Stundenkilometer statt 35 Stundenkilometer», sagt Büchler. Für das Vorgehen des 17-Jährigen hat er klare Worte: «Es ist absolut verantwortungslos – während der Motor frisiert ist, sind die Bremsen nicht leistungsfähiger», sagt Büchel.

Frisiertes Töffli in Sevelen: Auf den ersten Blick sieht man, der Auspuff ist viel zu gross.
Frisiertes Töffli in Sevelen: Auf den ersten Blick sieht man, der Auspuff ist viel zu gross.
© Kapo SG

Bei der Kantonspolizei beobachtet man die Situation aufmerksam. Nach Abflauen des grossen Töffli-Booms in den späten 80er Jahren waren aufgetunte Motoren kein Thema mehr.

«Wir haben jetzt sehr vereinzelte Fälle, doch diese sind dann relativ stark frisiert», sagt Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen. Auch die Polizei hat festgestellt, dass sich die Art und Weise Töfflimotoren aufzupimpen verändert hat.

Frisierte E-Bikes im Visier der Polizei

«Es werden Motoren-Bestandteile ausgewechselt, die man übers Internet kaufen kann.» Meistens sind sich die Töff-Bastler allerdings der Gefährlichkeit ihres Tuns nicht bewusst. «Neben den zu schwachen Bremsen, könnte sich bei einem Unfall die Versicherung weigern, Leistungen zu erbringen», warnt Krüsi.

Während das Töffli-Frisieren nur selten vorkommt, beobachtet die Kantonspolizei einen neuen ungünstigen Trend: Das E-Bike-Frisieren. «Unsere Beamten müssen geschult werden, damit sie wissen, auf was sie bei einer Kontrolle von E-Bikes schauen müssen», sagt Krüsi. Auch hier ist es ein einfaches, E-Bike-Tuning-Sets im Internet zu kaufen, um für mehr Tempo auf dem Zweirad zu sorgen.

(agm)

Angela Mueller
veröffentlicht: 29. August 2018 05:42
aktualisiert: 29. August 2018 07:53