Fussball-WM

«Unsere Spieler spielen für uns Fussball und nicht für Katar»

15. November 2022, 20:20 Uhr
Am 20. November wird in Katar die Fussballweltmeisterschaft angepfiffen. Trotz scharfer Kritik und teilweisem Boykott wird es in der Ostschweiz einzelne Public Viewings geben. Die Veranstalter können die Kritik am Turnier nachvollziehen, lassen sich den Spass aber nicht verderben.

Quelle: TVO

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Bald beginnt in Katar die Fussball-Weltmeisterschaft. Was normalerweise ein grosses Fussballfest ist, ist dieses Mal vor allem eines: kontrovers. Die Kritik am Austragungsort reisst nicht ab, viele wollen die Veranstaltung boykottieren. Hinzu kommt, dass es eine Winter-WM ist. Draussen zusammen die Spiele zu schauen, ist schwierig.

Mini-Format in Gais, grosse Halle in Rorschach

Dennoch wird es einige Public Viewings in der Ostschweiz geben. Das vermutlich kleinste dürfte in Gais bei Peter Dössegger stattfinden. In seinem ehemaligen Kuhstall am Dorfrand schauen seit Jahren Leute aus der Region gemeinsam Fussball. Rund 20 Leute finden hier Platz. Der fast 80-jährige Gastgeber hofft auf den einen oder anderen zusätzlichen Gast in seiner Fussballstube. «Das würde ich mir wünschen», sagt Dössegger gegenüber TVO. Dabei gehe es ihm nicht ums Finanzielle, wie er betont: «Ich würde mir wünschen, nicht zu oft alleine zu sein.» Denn es sei schöner, mit Kollegen oder Kameraden die Spiele zu schauen. Doch Dössegger ist sich bewusst, dass Gais halt «ein wenig abgelegen» sei.

Ganz andere Dimensionen findet man in Rorschach vor. In der WM-Factory finden über 400 Leute Platz. Mitorganistor Nemanja Babic erklärt gegenüber TVO, dass man trotz der tiefen Temperaturen das Public-Viewing-Feeling haben wollte: «Klar kann man sich auch in einer Bar treffen, aber das ist nicht das gleiche Ambiente.» Man wolle ein Erlebnis schaffen.

Veranstalter sind auch kritisch

In Rorschach seien die Tische für die Schweizer Spiele bereits fast ausgebucht. Das Interesse scheint also vorhanden zu sein. Doch die Veranstalter sind sich bewusst, dass der Austragungsort Katar umstritten ist. Laut Babic wolle man den Fussball- oder WM-Begeisterten dennoch das Erlebnis bieten.

Auch Peter Dössegger findet vieles am Turnier problematisch. Die Freude am Fussball lässt er sich aber dennoch nicht nehmen. Er zeige die Spiele aus sportlichen Gründen. «Unsere Spieler spielen für uns Fussball und nicht für Katar», erklärt er pragmatisch. «Sport ist Sport und Politik ist eine Sauerei», sagt Dössegger zum Abschluss. Er hofft nun, dass es auch andere so halten wie er – und er nicht alleine in der Fussballstube bleibt.

(red.)

Quelle: TVO
veröffentlicht: 15. November 2022 20:26
aktualisiert: 15. November 2022 20:26