Corona-Zeit

Veloboom: «Die Nachfrage ist doppelt so gross wie letztes Jahr»

Krisztina Scherrer, 26. Mai 2020, 09:26 Uhr
Veloplus-Kunden waren vor allem an Kindervelos interessiert. (Symbolbild)
© iStock
Das Velo hat während des Lockdowns bei vielen einen neuen Stellenwert gewonnen. Wer sich nicht gerade die Wanderschuhe schnürt, weicht auf den Drahtesel aus. Ostschweizer Velohändler merken den Trend und werden die Tage von neuen Kunden überrannt.

Eine Velotour am Bodensee, ein Bike-Ausflug auf den St.Anton oder mit dem Rennvelo dem Rhein entlang «gümmelen». Den Lockdown haben viele Schweizerinnen und Schweizer genutzt, um das Velo wieder vermehrt als Transportmittel einzusetzen. Ostschweizer Velohändlern drohen Lieferengpässe und Personalmangel.

Hat Kundschaft Nachholbedarf?

Während des Lockdowns war Veloplus mit seinem Standort in St.Gallen nur für Reparaturen geöffnet. «Seit der Wiedereröffnung am 11. Mai ist die Nachfrage enorm gross», sagt Dominique Metz, Geschäftsführer von Veloplus, gegenüber FM1Today, «etwa doppelt so gross wie vor einem Jahr zur selben Zeit». Ein Teil der Kundschaft habe einen Nachholbedarf. «Es gibt auch vermehrt Leute, die wieder velofahren.»

«Nachfrage ist grösser als das Angebot»

Noch hat Veloplus keine Lieferengpässe. «Der Markt trocknet aber langsam aus. Die Nachfrage ist grösser als das Angebot und wenn es so weitergeht, gehen bei uns vielleicht Modelle, Farben oder Grössen aus», so Metz. Mit neun Läden sei Veloplus flexibler als kleinere Velohändler. «Trotzdem machen wir uns Gedanken, wie es in zwei Monaten aussieht. Wir haben es auf dem Radar.»

«Können nicht schneller als schnell»

Dass es mancherorts bereits jetzt Lieferengpässe gibt, kann sich Sigi Vogt von Sigi's Velo-Shop in Balzers gut vorstellen: «Es kommt aber auch auf die Marke an. Wir arbeiten mit Händlern zusammen, die vorzu produzieren können.» Auch er spürt, dass sich die Leute vermehrt fürs Velofahren interessieren. «Für uns ist das eine herausfordernde Situation», so Vogt. «Wir appellieren an die Geduld unserer Kunden – wir können halt nicht schneller als schnell.»

«Die Masse ist wieder auf den Sattel gestiegen»

Bei Bischibikes in Rorschach sind Engpässe kein Thema: «Wir stellen unsere eigenen Velos auf Kundenwunsch her», so Christof Bischof, Inhaber des Ladens. «Über die Corona-Zeit haben wir aber gemerkt, dass das Velo eine andere Bedeutung gewonnen hat.» Jeder habe sein Fahrrad aus dem Keller geholt und Touren geplant. «Wir haben gespürt, dass die grosse Masse – die jahrelang nicht mehr gefahren ist – wieder auf den Sattel steigt.»

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 26. Mai 2020 05:45
aktualisiert: 26. Mai 2020 09:26