Ostschweiz

Verwirrung um Gastro-Schutzkonzepte führt zu Anschuldigungen

Nico Conzett, 14. Oktober 2020, 08:22 Uhr
Die Schutzmassnahmen im Gastro-Gewerbe sind von Kanton zu Kanton unterschiedlich. Das führt zu Missverständnissen und falschen Anschuldigungen. (Symbolbild)
© Keystone
Registrierungspflicht, Desinfektion von Speisekarten, auf genügend Abstand zwischen den Gästen achten. Die Corona-Schutzmassnahmen und Vorschriften im Gastro-Bereich sind zahlreich – und von Kanton zu Kanton unterschiedlich. Das sorgt für Verwirrung bei den Gästen.

Plexiglas-Scheiben montieren und Tische so platzieren, dass sie den Abstandsregeln entsprechen, Registrationspflicht und Desinfektion von Tischen, Stühlen und Karten. Die Liste der Anti-Corona-Massnahmen in den Schutzkonzepten der Gastro-Betriebe ist nicht nur lang, sondern auch von Kanton zu Kanton verschieden. Bei den Gästen sorgt das für Verwirrung und gar für Anschuldigungen gegenüber Restaurants und Bars.

Restaurantbesitzer entkräften Vorwürfe

So wurde FM1Today zugetragen, dass die Registrierungspflicht in einem Rapperswiler Restaurant nicht kontrolliert oder Speisekarten ohne Desinfektion von Tisch zu Tisch gegeben würden.

Die Verantwortlichen des Restaurants äussern sich zu den Vorwürfen wie folgt: «Wir halten die Registrationspflicht den gesetzlichen Bestimmungen im Kanton St.Gallen entsprechend genau ein. Gleiches gilt für die Reinigung, wir verbrauchen literweise Desinfektionsmittel.»

Ähnliche Kunden-Beobachtungen wie im besagten Restaurant gab es auch in einer Confiserie im Fürstenland. Doch auch hier versichert der Geschäftsführer: «Wir achten genaustens auf die Umsetzung der Schutzmassnahmen.» Und er fügt an: «Ich glaube, man kann gar nicht penibler vorgehen, als wir es tun.»

Missverständnisse wegen ändernden Vorschriften

Es scheint sich bei den vermeintlichen Verstössen gegen das Corona-Schutzkonzept oft um Missverständnisse zu handeln. Stein des Anstosses für die falschen Anschuldigungen ist folgender: Zwar gilt im Gastro-Gewerbe das Schutzkonzept des Branchenverbands Gastro Suisse als Grundlage, jedoch gibt es von Kanton zu Kanton unterschiedliche Regelungen, die jeweils zusätzlich beachtet werden müssen.

Die zuständige Person des Rapperswiler Restaurants sagt: «Das Problem im Moment ist, dass wir in allen Kantonen unterschiedliche Vorgaben haben.» In Rapperswil gebe es immer wieder Gäste aus anderen Kantonen, die sich an andere Regeln gewöhnt sind. Oder die aktuellen Vorschriften im Schutzkonzept gar nicht kennen.

Die geltenden Schutzbestimmungen werden nämlich immer mal wieder den aktuellen gesetzlichen Vorschriften angepasst, wie der Kanton St.Gallen bestätigt. So beispielsweise bei der Desinfektion der Speisekarten: Während erste Versionen des Schutzkonzepts gar keine Karten auf dem Tisch erlaubten, sind diese mittlerweile wieder kein Problem, sofern sie regelmässig desinfiziert werden.

Gemeinden bisher mit guten Erfahrungen

Die Gemeinden, welche – anders als bei allen anderen Betrieben – für die Überwachung der Einhaltung der Schutzkonzepte im Gastro-Bereich zuständig sind, sind denn auch mehrheitlich zufrieden mit ihren Restaurants, Cafés und Bars.

Wie die Gemeinden kontrollieren, ist wie bei den Schutzkonzepten nicht einheitlich geregelt. Boris Tschirky, Präsident der Gemeindepräsidentenvereinigung und selbst Gemeindepräsident von Gaiserwald, erklärt: «Wir müssen dem Kanton einfach wöchentlich mitteilen, wie oft wir kontrolliert haben und wo wir Massnahmen ergreifen mussten.»

In Gaiserwald würden regelmässige, unangekündigte Kontrollen gemacht – die Erfahrungen seien überwiegend gut, Bussen gab es noch keine.

Kontrollen nur nach Rückmeldung

Ähnlich klingt es bei Hansjörg Goldener, Stadtschreiber von Rapperswil-Jona: «Unsere Erfahrungen in Rapperswil sind in aller Regel gut – wir mussten noch keine Bussen verteilen.»

Die Stadt kontrolliert dabei vor allem Betriebe, wenn es Verdachtsfälle gibt und sie beispielsweise entsprechende Rückmeldungen aus der Bevölkerung erhält. Regelmässig geplante Kontrollen gebe es nicht. Was aber wohl sinnvoll wäre – um falschen Anschuldigungen wie beim Rapperswiler Restaurant und der Confiserie aus dem Fürstenland zuvorzukommen.

Nico Conzett
Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 14. Oktober 2020 11:04
aktualisiert: 14. Oktober 2020 08:22