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Viel Kabel, aber wenig Interesse

Angela Mueller, 10. März 2017, 12:10 Uhr
90 Prozent der Stadt-St.Galler Haushalte sind inzwischen ans hochmoderne Glasfasernetz angebunden, doch die St.Galler sind skeptisch gegenüber dem schnellen Netz - zurzeit nutzten es nur etwa 30 Prozent aller Haushalte.
Ein Arbeiter montiert das Glasfasernetz, das private Haushalte mit schnellem Internet bedient.
© Die St.Galler sind gegenüber Glasfaser skeptisch. © KEYSTONE/Ti-Press/Carlo Reguzzi

«Wir haben ursprünglich mit einem schnelleren Wachstum gerechnet», sagt Peter Stäger, Bereichsleiter Telecom der St.Galler Stadtwerke. 41'700 Haushalte wurden seit 2010 ans Glasfasernetz angebunden - rund 90 Prozent. Bis Ende 2018 sollten die Arbeiten beendet sein und die Stadt von den lästigen Glasfaser-Baustellen befreit sein.

Zwölf Anbieter arbeiten mit den Stadtwerken

Mit einem Glasfaseranschluss können weitaus höhere Datenmengen für Internet, Telefonie und TV transportiert werden als mit den herkömmlichen Kupferkabeln. Sprich: Verschiedene Nutzer im gleichen Haushalt können gleichzeitig das Internet nutzen, ohne Geschwindigkeitsverlust. «Das Glasfasernetz ist absolut zukunftsweisend», sagt Stäger, doch das Interesse hält sich in Grenzen: Die St.Galler Stadtwerke wissen von 5'500 Haushalten, die über einen der zwölf Anbieter gehen, die mit den Stadtwerken zusammenarbeiten.

Swisscom gibt keine Zahlen bekannt

Nicht dabei ist die Swisscom. Diese kommuniziert auch keine Zahlen. Das Unternehmen teilt auf Anfrage mit: «Wir sind zufrieden mit der Entwicklung, sie liegt im Rahmen der Erwartungen.» Begeisterung klingt anders. «Die Swisscom dürfte inzwischen 10'000 Glasfaserkunden in St.Gallen haben», schätzt Peter Stäger von den St.Galler Stadtwerken.

Damit dürften in St.Gallen gesamthaft rund 15'500 Haushalte das Glasfasernetz nutzen - das sind 30 Prozent. Die Verlegung des Netzes kostet die Stadt 78 Millionen Franken und sollte eigentlich durch die «Nutzungsentgelte der Anbieter» finanziert werden und keine Steuergelder kosten. Ob die Rechnung unter diesen Umständen aufgeht ist noch nicht klar.

Wirrwarr der Angebote

Doch warum haben die St.Galler so wenig Interesse? Es dürfte unter anderem am Wirrwarr der Angebote liegen, die kurz nachdem die Glasfaserkabel im Quartier verlegt wurden, per Post ins Haus flattern. Darauf haben die Stadtwerke inzwischen reagiert und auf ihrer Webseite eine Online-Beratung eingeführt, auch am Schalter der Stadtwerke kann man sich beraten lassen.

Doch letztlich ist es für Laien schwierig, sich für eines der verschiedenen Angebote zu entscheiden. Noch grösser dürfe die Hürde sein, bei der Beratungsstelle der Stadtwerke vorbei zu gehen, solange die Kunden mit den vorhandenen TV-, Telefon- und Internetverbindungen zufrieden sind und ein finanzieller Anreiz nicht ersichtlich ist.

«Es braucht eine Weile»

Stäger stellt denn auch fest, dass es eine Weile braucht, bis sich Interessierte bei den Stadtwerken melden. Erst im letzten halben Jahr nahm das Interesse deutlich zu: «1500 Haushalte haben sich für die Nutzung angemeldet.»

Angela Mueller
Quelle: agm
veröffentlicht: 10. März 2017 07:08
aktualisiert: 10. März 2017 12:10