«Was, der lebt noch?»

Fabienne Engbers, 23. Januar 2017, 06:45 Uhr
Schüsse, Schwerthiebe und blutige Körper - das alles gibt es an der Islicon. Keine Angst - das ist alles nur Fiktion. Von Samstag auf Sonntag spielten an der Islicon Fantasybegeisterte Rollen- und Brettspiele. Da geht es auch einmal brutal zu und her.

Am Samstag fand in Islikon zum 18. Mal die Islicon statt – «Pen and Paper» und Brettspiele der besonderen Art konnten die ganze Nacht gespielt werden. Organisiert wird der Anlass seit zwölf Jahren vom Allerley, ein Laden rund um Mittelalter und Live-Rollenspiele. Inhaberin Sara Ehling organisiert gemeinsam mit Marina Hofer die Islicon. Von Samstagmittag bis Sonntagmorgen kann gespielt werden.

Spieler tauchen völlig in ihre Rollen ein

«Das Schwert ist wie Butter durch ihn durch. Er keucht und blutet, ist aber nicht tot», sagt der Spielleiter der Runde. «Was, der lebt noch? Unglaublich», wundert sich ein Spieler und seine Mitspielerin versucht zu reagieren. «Ich könnte noch auf ihn schiessen.» Die Spieler befinden sich auf einem Raumschiff der Zukunft und sind einem Drogenring auf der Spur. Mysteriöse Implantate übernehmen die Motorik der Menschen und Einige haben das nicht überlebt. Nun gilt es, den Strippenzieher zu kriegen. Was gefährlich klingt, spielt sich in Wirklichkeit an einem Tisch ab, alle sind unversehrt, aber in eine andere Realität abgetaucht.

Magier, Heiler und Kämpfer

«Pen and Paper» ist ein Rollenspiel, das der Fantasie freien Lauf lässt. Das Setting gibt den Rahmen vor: Fantasy, Science Fiction oder etwas selbst Erfundenes. Der Spielleiter kreiert dann die Geschichte dazu, verteilt die verschiedenen Charaktere und die Spieler reagieren auf Szenen, die vom Leiter erzählt werden. Der Verlauf der Geschichte wird aber grösstenteils von den Spielern bestimmt. Mit Würfeln können Angriffe gestartet werden, die Verwundung ist von Zahlen abhängig. Die Charaktere haben verschiedene Eigenschaften, Ausrüstungen und Waffen– so kann es sein, dass die Abwehr niedrig, die Angriffsstärke oder Heilkräfte aber umso grösser sind. Es gibt Magier, Heiler, Kämpfer und vieles mehr. Der Fantasie sind wirklich kaum Grenzen gesetzt. Entweder man kämpft gegen Weltraumpiraten oder Orks, rettet Personen oder tötet sie.

«Ihr habt eure Gruppe getötet»

An der Islicon kann man sich überall dazusetzen, je nach dem, welche Geschichte gerade am meisten Spass macht. Diejenigen, die gerade nicht im Rollenspiel sind, können sich mit Gesellschaftsspielen die Zeit vertreiben. In den Räumen hört man die verschiedensten Geschichten. «Gratulation, ihr habt grad eure eigene Gruppe sabotiert und getötet», sagt Joe Ehling, ein weiterer Spielleiter. In der Schweiz ist «Pen and Paper» nicht ganz so verbreitet wie in Deutschland. Dort gibt es eine riesige Szene. Doch auch hier wird «Pen and Paper» sowie Larp (Live Action Role Play) gespielt. Sara Ehling hat sich den Rollenspielen vor 13 Jahren zugewandt und ist begeistert. «Ich finde es toll, weil Pen and Paper so abstrus und fern von der Realität stattfindet. Man kann ausleben und sein, was man sonst nicht ist», sagt Ehling.

Sara Ehling hat die Islicon vor 18 Jahren ins Leben gerufen © FM1Today/Stefanie Rohner
Sara Ehling hat die Islicon vor 18 Jahren ins Leben gerufen © FM1Today/Stefanie Rohner

«Der heiligste Termin der Woche»

Viele der Teilnehmer spielen «Pen and Paper» schon seit langer Zeit. Einige von ihnen über 20 Jahre, andere sammeln noch Erfahrung. «An der Comic Con habe ich das erste Mal davon gehört und eingie Male gespielt. Mich begeistert die Interaktion mit den Fantasiecharakteren – schauspielern gehört irgendwie auch dazu», sagt Lukas Lehner, der das erste Mal an der Islicon ist. Die meisten sind so gern dort, weil sie neue Leute kennenlernen und nicht alleine vor dem Computer sitzen müssen. Auch privat treffen sich die meisten in Gruppen, um zu spielen. «Der Spieleabend wurde zum heiligsten Termin der Woche», so ein Teilnehmer. Nicht alle halten die ganze Nacht durch. Jene, die bleiben, halten sich mit Essen, Koffein und frischer Luft wach. «Ist man ins Spiel vertieft, hat die Müdigkeit keine Chance», sagt Gillian Mumford.

Autorin: Stefanie Rohner

Fabienne Engbers
veröffentlicht: 23. Januar 2017 06:33
aktualisiert: 23. Januar 2017 06:45