Thurgau

Wenig Schlaf und Insekten – eine Nacht in der Nullstern-Suite

Géraldine Bohne, 21. Juli 2020, 14:46 Uhr
Schlafen unter dem Sternenhimmel in einem komfortablen Bett: Das ist an verschiedenen Orten in der Region in Nullstern-Suiten möglich. Insekten im Bett, wenig Schlaf und Sternschnuppen gehören dabei zum Erlebnis. So war die Nacht auf einer Wiese in Fischingen.

Gefühlt alles war wach: Kühe, Insekten, Vögel und ein Hahn – geschlafen hat bloss meine Begleitung. Das war meine Nacht in einer Hotelsuite ohne Wände und Dach, einem Bett inmitten der Natur. Geschlafen habe ich nicht viel, dafür Sternschnuppen gesehen und unzählige Insekten von der Bettdecke entfernt.

Der Bauer ist der Butler

Allein die Anfahrt zur Suite, der Hohlenstein-Suite in Fischingen, ist abenteuerlich. Nicht einmal das Navi kennt den Weg in den hintersten Thurgau, so abgelegen ist die Nullstern-Suite. Nach einem Umweg, einigen Rückwärtsmanövern und einer kurvenreichen Strasse ist der Hof von Bauer Sepp Schuler dann aber bald in Sicht. Mit weissem Hemd und schwarzer Fliege empfängt er uns freundlich und bringt einen Begrüssungs-Drink. «Der Cider heisst wie ich, Sepp», sagt er. Schuler ist seit über 40 Jahren Bauer, fast sein ganzes Leben hat er auf dem Hof verbracht. Die Aufgabe als Butler ist für ihn daher noch sehr ungewohnt, die weissen Handschuhen fürs Servieren nicht sein Geschmack. Seine Nichte Jessica hilft ihm bei der Aufgabe.

Sepp Schuler ist der Butler der Hohlenstein-Suite.

© Thurgau Tourismus/Caroline Krajcir

Keine Aussicht aus dem Bett

Sepp Schuler und zwei weitere Bauern wurden von Thurgau Tourismus für das besondere Projekt angefragt, Schuler hat schlussendlich zugesagt. «Ich dachte da noch, dass ich mich mehr einbringen dürfe», sagt er uns. Am Ende hatte er aber strikte Vorgaben, wie alles eingerichtet sein muss. «Das Bett hätte ich anders ausgerichtet», so der Bauer. Jetzt kann man aus dem Bett keine Aussicht geniessen, die Gäste schauen an ein langweiliges Wiesenbord, im Rücken dagegen liegt das Panorama des ganzen Alpsteinmassivs. Um den Ausblick bestaunen zu können, müssen die Gäste auf oder neben das Bett stehen, liegend sieht man nicht viel. Der Gedanke dahinter ist wohl, dass die Suiten auf Bildern im besten Licht stehen – für Instagram und Co.

Im Bett hat man keine Aussicht.

© FM1Today/Géraldine Bohne

Backup-Zimmer bei schlechtem Wetter

Wir hatten Glück. Bestes Wetter und warme Temperaturen waren für unsere Nacht vorausgesagt. Trotzdem zeigt uns Sepp Schuler das «Backup-Zimmer», das bei Regen und Gewitter alternativ genutzt werden könnte. Es liegt auf einem Heuboden, unten im Stall gibt es Kühe und Ziegen. «Ich bin sehr gespannt, wie es wird, wenn es gewittert», sagt Schuler.

Wir nehmen unsere Taschen und unsere Butler führen uns zur Suite. Diese liegt ein wenig vom Hof entfernt auf einer Wiese. Ein langer Weg, den die Butler jeden Tag mehrmals zurücklegen müssen, um Frühstück zu servieren oder andere Wünsche ihrer Gäste zu erfüllen. Unterwegs zeigen uns die Butler das WC-Häuschen: ein einfaches Plumpsklo, ohne Spiegel und Lavabo.

Werbung

Quelle: tvo

Mit Mückenschutz, Wolldecken und Taschenlampen ausgestattet

Dann sind wir endlich bei der Suite. Sie steht neben einer Kuhweide, auf der herzige Kälbchen grasen. Sepp Schuler instruiert uns kurz, überreicht uns ein «Bettmümpfeli» und lässt uns dann alleine. «Mückenschutz, zusätzliche Wolldecken und eine Taschenlampe sind im Nachttisch.» Und da stehen wir nun, um etwa 20 Uhr, in einer Wiese mit einem Bett. Von der Aussicht sind wir begeistert. Wir trinken noch Wein und legen uns schlafen. Zuerst müssen wir aber noch ein paar Insekten von der Bettdecke entfernen, denen gefällt es in der Suite – das werden wir während unseres Aufenthalts noch einige Male tun müssen.

So sieht die Konstruktion des «Hotelzimmers» aus.

© FM1Today/Géraldine Bohne

Nie dunkel und ruhig, dafür der Sternehimmel

Es ist schon sehr bald kalt geworden. Eingeschlafen bin ich schnell, vermutlich wegen des Weins. Um 2.45 Uhr bin ich dann aber hellwach, mein Begleiter Kim schläft neben mir wie ein Stein. Kurz bin ich genervt, so wenig geschlafen zu haben und bereits wieder wach zu sein. Dunkel war es auch nie wirklich, Mond und Sterne waren so hell. Auch ruhig war es nie, Kuhglocken klangen die ganze Nacht. Der Sternehimmel mit den Sternschnuppen ist aber unbezahlbar und macht den fehlenden Schlaf wett.

Bereit um fünf Uhr morgens geht die Sonne auf. Bis zum Frühstück um acht Uhr geniessen Kim und ich das Ambiente in der Natur. Nach dem grossen Zmorge verabschieden wir uns, wenn auch immer noch müde, von unseren Butlern Sepp Schuler und Jessica. Es war ein schöner Aufenthalt – abenteuerlich und einmalig.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 2. Juli 2020 11:07
aktualisiert: 21. Juli 2020 14:46