Wenn ein Pöstler zur Dorflegende wird

Nina Müller, 18. Februar 2019, 18:59 Uhr
Wisi Breu war 25 Jahre lang Pöstler in Egnach. Den sympathischen Pöstler kennt mittlerweile jeder im Dorf. Am Freitag hatte er seinen letzten Arbeitstag. Wir haben ihn dabei begleitet.

Der Romanshorner Wisi Breu arbeitete 25 Jahre bei der Post in Egnach. Nun ist der 65-Jährige pensioniert. In Egnach war er so lange Zeit, weil er hier aufgewachsen ist. Zuvor arbeitete er im Zürcher Oberland. «Ich bin in Egnach aufgewachsen und kenne viele Leute hier», sagt Wisi. Der Kontakt zu den Menschen gefällt ihm auch am besten an seinem Beruf, denn Wisi verteilt nicht nur Post, er zaubert auch vielen seiner Kunden täglich ein Lächeln ins Gesicht.

«Er war immer für ein Spässchen zu haben»

Regula Uetz aus Egnach kennt Wisi bereits seit 30 Jahren. «Er machte seinen Job immer zuverlässig und mit viel Herzblut. Er war auch immer für ein Spässchen zu haben», sagt Uetz. Sie werde ihn vermissen. Auch seine ehemaligen Mitarbeiter schätzen den Romanshorner sehr. Annemarie Parovano arbeitet seit 20 Jahren mit Wisi zusammen. Sie kann sich aber noch gut an den ersten Arbeitstag mit ihm erinnern: «Er ist ein sehr spezieller und origineller Typ. Am Anfang musste ich mich ein wenig an seine Art gewöhnen.» Genau mit dieser Art hat er die Herzen der Egnacher für sich gewonnen. «Wenn Wisi Ferien hatte, haben die Leute schon nach zwei Tagen nach ihm gefragt», sagt Parovano.

Der letzte Arbeitstag von Wisi Breu:

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Dementsprechend waren auch die Reaktionen der Kunden auf Wisis Pensionierung. Sein Postauto wurde während seiner letzten Fahrt einfach nicht leerer. Fast bei jedem Haus verabschiedete sich jemand von ihm und viele haben ihm auch ein Abschiedsgeschenk gegeben. Wisi ist überwältigt: «Das ist so schön, einige Frauen hatten sogar Tränen in den Augen.»

Wisi wurde von einem Hund gebissen

An seine Zeit bei der Post erinnert er sich gerne. Als er noch im Zürcher Oberland arbeitete, bat ihn eine ältere Dame um Hilfe. Sie fragte Wisi, ob er für sie einen Teppich klopfen könne. Ohne zu zögern machte sich Wisi an die Arbeit und trug den Teppich anschliessend auch wieder in das Haus der Frau. Ausserdem ist Wisi das passiert, was viele nur für ein Pöstler-Klischee halten: Er wurde bei seiner Arbeit von einem Hund gebissen. Wisi musste bei einem Haus eine Unterschrift holen. Als der Besitzer die Tür öffnete, sprang der Hund auf Wisi und biss ihn in den Arm. «Mir wurde übel und dann begab ich mich sofort zu meinem Hausarzt. Da habe ich dann eine Spritze bekommen», erzählt Wisi. Ansonsten ist seine Karriere unfallfrei verlaufen. «Ich muss sagen, ich hatte viel Glück. In 48 Jahren hatte ich nicht einen Verkehrsunfall», sagt Wisi.

Nun geniesst er seine neugewonnene Freizeit mit seinem liebsten Hobby: «Bötle.» Er habe bereits einige Aufträge, sagt Wisi mit einer stolzen Miene. Ausserdem habe er vielen Kunden versprochen, dass er auf einen Kaffee vorbei komme. Wisi ist jetzt zwar pensioniert, doch die Egnacher werden ihn auch in Zukunft noch oft zu Gesicht bekommen.

Nina Müller
Quelle: lou
veröffentlicht: 17. Februar 2019 16:44
aktualisiert: 18. Februar 2019 18:59